Günther Aigner
Halbzeitbilanz der Skisaison 2025/26
Entwicklung der Skifahrertage global und
in Österreich
Analyse
Am 01. Feber ist traditionell Halbzeit der Skisaison in Österreich und in Tirol. Die Monate November, Dezember und Jänner – mit den Weihnachtsferien als erstem Saisonhöhepunkt – sind vergangen. In der zweiten Saisonhälfte folgen die Monate Feber bis April mit der starken Faschingszeit und vielen Wochen Ferien in ganz Europa. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um eine Halbzeitbilanz zu ziehen: Wie stark war die Skisaison bisher und wo liegen wir in den langjährigen Trends?
Statt eine oberflächliche Halbzeitbilanz zu liefern, möchte ich euch einladen, etwas tiefer in die Materie einzutauchen und die aktuellen Zahlen in das große, ganze Bild einzuordnen. Wir fangen mit dem internationalen Skitourismusmarkt an, wenden uns dann den vergangenen 25 Jahren in Österreich zu und blicken am Ende mit dem neu gewonnenen Wissen auf die Halbzeitbilanz der Saison 2025/26.
Die Entwicklung des internationalen Skitourismusmarktes
Die Abbildung 1 zeigt die Entwicklung des globalen Skitourismusmarktes (Quelle Nr. 01) seit der Jahrtausendwende. Die Währung, in der er gemessen wird, nennt man Erstzutritte – oder international Skier Visits. Wir sehen einen stabilen Markt mit 365 Millionen Erstzutritten pro Jahr im langjährigen Mittel. Die Jahr-zu-Jahr-Schwankungen sind gering. Die Trendlinie ist statistisch unverändert, der Chart zeigt eine klassische Seitwärtsbewegung. Auch die ersten beiden Winter nach der Pandemie sind mit rund 366 Millionen Skier Visits unauffällig. Viel wurde in den vergangenen Jahrzehnten über die Zukunft des Skifahrens spekuliert, passiert ist bisher: nichts!
Hinweis: Im Chart sind die drei Corona-Winter 2019/20 bis 2021/22 bewusst ausgeblendet, da Corona ein singuläres Ereignis war und keine langfristigen Auswirkungen hat. Eine Integration der Corona-Winter in die Statistik würde uns zu falschen Trendberechnungen verleiten.

Abb. 1: Die Entwicklung der globalen Erstzutritte (Skier Visits) pro Jahr von 2000/01 bis 2023/24. Nicht im Chart integriert sind die Corona-Winter 2019/20 bis 2021/22. Daten: 2025 International Report on Snow & Mountain Tourism (01). Grafik: www.zukunft-skisport.at
In diesem globalen Skitourismusmarkt haben die USA mit 60,5 Millionen Erstzutritten deutlich die Nase vorn, gefolgt von Frankreich mit 52 Millionen. Dicht dahinter befindet sich Österreich, das damit Skitourismusweltmeister ist – bezogen auf seine Fläche und die Einwohnerzahl. Nirgendwo auf der Welt ist der Skitourismus intensiver als in Österreich.
Die Dolomiten in Südtirol und in seinen beiden Nachbarprovinzen sind das Zugpferd der Skitourismusnation Italien, welche seit der Pandemie eine Rekordsaison nach der anderen einfährt. Sowohl die USA als auch Italien sind derzeit am All time high: Das heißt, dass in diesen beiden Ländern noch nie zuvor so viel Ski gefahren wurde wie in der Gegenwart. Die Schweiz, Japan und Deutschland haben in den letzten Jahren stark abgebaut. China hingegen konnte auf Platz 7 vorstoßen.

Abb. 2: Die Rangliste der weltweit wichtigsten Skitourismusnationen nach der Anzahl der Erstzutritte (Skier Visits) im Winter 2023/24. Daten: Laurent Vanat, 2025 International Report on Snow & Mountain Tourism (01). Grafik: www.zukunft-skisport.at
Die Entwicklung des Skitourismus in Österreich
Das Skitourismusvolumen in Österreich ist seit mehr als 25 Jahren stabil. Im langjährigen Mittel seit der Jahrtausendwende verbucht der heimische Markt rund 51 Millionen Skier Visits pro Jahr (siehe dazu die Abb. 3). Mit einem Anteil von 14 Prozent am globalen Volumen ist Österreich Skitourismusweltmeister, wenn man die Einwohnerzahl der Länder berücksichtigt. Im Chart fällt die schwache Saison 2006/07 (43,7 Millionen Erstzutritte) auf, die von einem milden, schneearmen Winter in Kombination mit einer noch in den Kinderschuhen steckenden flächendeckenden Beschneiung geprägt wurde.
Nur zwei Jahre später folgte der perfekte Winter 2008/09 mit knapp 57 Millionen Skier Visits. Sehr wahrscheinlich wird diese Marke in Zukunft nie wieder erreicht werden, weil in Österreich die Anzahl der Skigebiete seit Jahrzehnten rückläufig ist. Drei Beispiele von Skigebietsschließungen:
Das Skigebiet Sattelbergalm in Tirol schloss im Jahr 2005. Es bestand aus 4 Skiliften und wurde vollständig rückgebaut.
Das Skigebiet Gaißau-Hintersee (Salzburg) ging 2017 erstmals in Insolvenz. Die erneute Insolvenz 2022 wird wohl sein endgültiges Ende gewesen sein. Das Skiangebot bestand einst aus 8 Skiliften und 30 km Pisten auf Seehöhen zwischen 750 und 1.567 Meter.
2025/26 wird die vorerst letzte Skisaison am berühmten Graukogel in Bad Gastein (Salzburg) sein. An der Stätte legendärer Triumphe von Toni Sailer (FIS Ski WM 1958) wären umfangreiche Modernisierungen von Liften und Beschneiung nötig.
In den vergangenen 40 Jahren hat die Anzahl der Aufstiegshilfen in Österreich um knapp 40 Prozent abgenommen – von 3.923 (Jahr 1985) auf 2.526 (Jahr 2025) (02).
Das bedeutet gleichzeitig, dass sich der Skitourismus in jenen Skigebieten, welche nach wie vor am Markt sind, in den vergangenen Jahrzehnten intensiviert hat. Und wir können davon ausgehen, dass sich diese Intensivierung in der nahen Zukunft fortsetzen wird.

Abb. 3: Die Entwicklung der Erstzutritte (Skier Visits) in Österreich von 2000/01 bis 2024/25. Daten: WKO – Fachverband der Seilbahnen in Österreich (02). Grafik: www.zukunft-skisport.at
Der Winter 2025/26: Trockene Baustelle und viel Sonnenschein!
Der Winter 2025/26 ist bis dato (Redaktionsschluss: 01. Feber) von extremer Trockenheit geprägt (04). Nachdem bereits die Monate Oktober und November zu trocken ausgefallen waren, setzte sich die Niederschlagsarmut im meteorologischen Winter (01. Dezember bis 28. Feber) fort. In den typischen Nordstaulagen vom Arlberg über das Tiroler Unterland, Pinzgau, Pongau und Salzkammergut bis ins Mariazeller Land fielen nur 30 Prozent der sonst üblichen Niederschlagssummen. In den Südstaulagen gibt es sogar Niederschlagsdefizite von bis zu 80 Prozent. Diese Trockenheit führte zu einem extremen Mangel an Naturschnee bis hinauf in große Höhen. Die Anzahl der Sonnenstunden ist auf den Bergen um knapp 50 Prozent über dem Mittel.

Abb. 4: Die Abweichungen des Winterniederschlages in Österreich von 01. Dezember 2025 bis 31. Jänner 2026 im Vergleich zum Bezugszeitraum 1961-1990. Daten und Grafik: GeoSphere Austria (04).
Dank der mittlerweile voll ausgebauten flächendeckenden technischen Beschneiung in Österreich gab es in der ersten Saisonhälfte 2025/26 hervorragende Pistenverhältnisse. Österreich erlebte quasi einen typischen Südtiroler Winter: wenig Schnee, viel Sonne, tolle Pisten und hohe Besucherzahlen.
Eine Umfrage von ZUKUNFT SKISPORT unter heimischen Skigebieten ergab im Mittel eine Zunahme der Erstzutritte um etwa 3 bis 5 Prozent zum Vorjahr.
Vor allem in der Gastronomie gab es stark steigende Umsätze: Viel Sonnenschein bedeutet volle Sonnenterrassen!
Die Branche blickt allerdings leicht skeptisch auf die Monate März und April, welche in den vergangenen Jahren zunehmend zu schwächeln begannen.

Abb. 5: Die Ergänzung der Erstzutritte (Skier Visits) in Österreich mit geschätzten Zahlen für 2025/26. Umfrage und Grafik: www.zukunft-skisport.a
BILANZ
• Das globale Skitourismusvolumen beträgt 365 Millionen Skier Visits. In den vergangenen 25 Jahren hat sich daran praktisch nichts geändert.
• Auch in Österreich ist das Skitourismusvolumen erstaunlich stabil geblieben – trotz jahrzehntelanger emotionaler gesellschaftlicher Diskussionen über seine Zukunft. Im Mittel der vergangenen 25 Jahre wurden 51 Millionen Skier Visits pro Jahr verbucht.
• Österreich ist Skitourismusweltmeister: Mit einem Anteil von etwa 14 Prozent am globalen Volumen ist die Dichte im Skitourismus nirgendwo höher als in AT.
• Halbzeitbilanz 2025/26: plus 3 bis 5 Prozent bei den Skier Visits. Zudem starke Zuwächse in den Umsätzen der Gastronomie.
Aktuelle Schlussfolgerungen:
1. Revolution Beschneiung: Der Skitourismus hat sich endgültig von den meteorologischen Rahmenbedingungen entkoppelt. Das beweist der schneearme, aber erfolgreiche Winter 2025/26.
2. Neue All-Time-Highs bei den Skier Visits in Österreich sind in Zukunft unwahrscheinlich, weil die Anzahl der Skigebiete und Aufstiegshilfen seit Jahrzehnten rückläufig ist.
3. Ein Trend, den wir seit einigen Jahren beobachten können: Das Jänner-Loch schließt sich, während die Monate März und April schwieriger werden.
4. Die Kontinuität im Skitourismusvolumen dürfte sich fortsetzen: Österreichs Skitourismus verbleibt in ruhigem Fahrwasser.
Quellen
(01) Vanat, L. (2025) 2025 International Report on Snow & Mountain Tourism. www.vanat.ch
(02) WKO – Fachverband der Seilbahnen in Österreich. Auskünfte per E-Mail von Dr. Erik Wolf am 26. Jänner 2026.
(03) Liftdatenbank: Lifte in der Welt. https://lift-world.info/de/lifts/17058/datas.htm
(04) Klimamonitoring-Portal der GeoSphere Austria. https://klimaportal.geosphere.at/klimamonitoring/?view=fullscreen¶m=rr&period=period-ys-2026-0&ref=1
Wenn Ihnen schoepfblog gefällt, bitten wir Sie, sich wöchentlich den schoepfblog-newsletter zukommen zu lassen, und Freundinnen und Freunde mit dem Hinweis auf einen Artikel Ihres Interesses zu animieren, es ebenso zu tun.
Weitere Möglichkeiten schoepfblog zu unterstützen finden Sie über diesen Link: schoepfblog unterstützen
