Gerda Walton
Ich kann das Wort "Zucchini" nicht mehr hören!
Bericht aus der Gartenblase
Womöglich geht es Ihnen ja ganz ähnlich wie mir, also ich kann derzeit das Wort Zucchini einfach nicht mehr hören und mein Lieblingskochbuch hat auf den Seiten mit den Rezepten für dieses Gemüse bereits Eselsohren und Fettflecke.
Dabei halte ich mir, wenn es auf Ende Juli zugeht, wohlweislich immer schon ein großes Fach in meinem Kühlschrank für den mit absoluter Sicherheit eintreffenden Massenansturm dieses ja an und für sich recht guten und auch länger haltbaren klassisch- italienischen Gemüses parat, das irgendwann einmal jemand leichtsinnigerweise auch bei uns heimisch gemacht hat.
Ich habe, obwohl ich wirklich schon mit allem experimentiert und die unmöglichsten Pflanzen in Bezug auf ihre Gartentauglichkeit getestet habe, noch nie einen Zucchino-Anbau in meinem eigenen Garten versucht, Gott behüte mich vor Zucchinis jeder Art! Mittlerweile absolviere ich aus Selbsterhaltungstrieb meine diversen sommerlichen Garten-Verpflichtungen, sprich Gartenbesuche, grundsätzlich nur dann, wenn diese alle botanischen Anstandsgrenzen sprengenden Zucchinis erst mit der Blüte begonnen und noch keine dieser Riesenkeulen produziert haben, die einen unwillkürlich ein bisschen an in diversen Museen ausgestellte Waffen von Steinzeitmenschen erinnern.
Ab Mitte Juli wird kategorisch kein Gartenbesitzer mehr eingeladen, ob er nun Zucchinis im Garten hat oder nicht. Es ist einfach zu gefährlich, er könnte sie schließlich ja auch von einem Nachbarn geschenkt bekommen haben und jetzt einen zucchiniunerfahrenen Laien als Abnehmer suchen.
Aber es hilft alles nichts, gegen die Zucchini- Schwemme ist man machtlos.

Wenn ab diesem Zeitpunkt die Klingel läutet, denke ich, so wie früher einmal, überhaupt nicht an den Postler, der das bekanntlich ohnehin schon lange nicht mehr praktiziert, sondern schaue zuerst einmal vorsichtig durch ein Seitenfenster, ob wohl nicht jemand mit so einem Riesending mit mehreren Kilos Gewicht draußen steht und mich damit beglücken möchte.
Aber so zu tun, als ob niemand daheim wäre, nützt auch nicht wirklich, denn dann liegt der Riese, neuerdings nicht nur flaschengrün, sondern auch gelb, gestreift und getupft, unweigerlich auf der Fußmatte und am Abend kommt der Kontrollanruf, bei dem man dann so tun muss, als ob man auf nichts so sehr gewartet hätte, wie auf diesen Monster- Zucchino. Und begeistert erklären muss, dass man nie für möglich gehalten hätte, dass die Natur etwas so Gewaltiges hervorzubringen imstande sei, obwohl man insgeheim bereits nachdenkt, an wen man das Riesending unauffällig weiterschenken könnte, weil der Kühlschrank bereits aus allen Nähten platzt.
Also wenn Sie jetzt meinen, ich sei undankbar und es gäbe doch sooo viele Rezepte zur Verarbeitung von Zucchinis, dann kennen Sie meine Familie nicht. Die ist inzwischen das, was man hypersensibilisiert nennt, und droht mir ständig mit dem Gasthaus, falls ich noch einmal Zucchinis auf den Tisch bringe.
Dabei gibt es in Italien so gute Rezepte mit Zucchiniblüten, aber nein, die bringt mir keiner als Geschenk mit, es ist wirklich zum Haare raufen. Aber dann erinnere ich mich wieder an eine Zeit, in der so ein Riesen- Zucchino ein Gottesgeschenk gewesen wäre, weil er satt gemacht hätte, und an das alte Tischgebet aus Tirol In Gottes Nam, ess ma’s zsamm! und meistens fällt mir dann doch irgendein Rezept ein, mit dem ich meine Familie austricksen kann, damit im Kühlschrank endlich wieder Platz frei wird.
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