Franz Mathis
Große Oper
Nachtrag zur Sommersaison
der Tiroler Festspiele Erl

Wer sich im heurigen Sommer die Mühe gemacht hat, zu einer der Vorstellungen der Tiroler Festspiele Erl zu fahren, wurde reichlichst belohnt – und zwar so sehr, dass aus einer vermeintlichen Mühe ein großes Vergnügen und ein unvergessliches Erlebnis wurden.

Wo sonst wird in einem so spektakulären Ambiente eines Festspielhauses inmitten grüner Wiesen ein derart hohes Niveau von Musik und Gesang geboten, mit Sängerinnen und Sängern, die außer an den Staatsopern in Wien und München an vielen anderen großen Bühnen der Welt aufgetreten sind? 

Wo sonst kann man neben bestens inszenierten, moderneren Opern mit La Traviata, Rigoletto und Il Trovatore gleich drei der beliebtesten Verdi-Opern innerhalb von nur zwei Wochen genießen?

Dabei tut – wie der fulminante Szenen- und Schlussapplaus an fünf ausverkauften Abenden zeigt – das schon im vergangenen Winter erprobte Format einer konzertanten statt szenischen Aufführung dem Kunsterlebnis keinerlei Abbruch. 

Im Gegenteil, die unmittelbare Nähe und Sichtbarkeit von Orchester, Dirigent, Künstlerinnen und Künstlern am vorderen Bühnenrand vermitteln einen ungetrübten, von keinerlei Bühnenbild oder Regie abgelenkten Musikgenuss. Verbunden mit den gelungenen Übertiteln bleibt mehr Raum für eine persönliche Interpretation des intensiv und qualitätsvoll besungenen Geschehens.

Zur Einzigartigkeit des Ambientes tragen auch die entspannende Anfahrt in die geräumige Tiefgarage samt – falls gewünscht – kostenlosem Shuttle zum Festspielhaus sowie das reichhaltige Buffet bei, das zahlreiche Besucher veranlasst, bereits eine halbe Stunde und länger vor Vorstellungsbeginn einzutreffen. 

Dass nicht nur bei Regen derselbe Shuttle zurück zur Garage auch nach der Vorstellung bereit steht, versteht sich fast ebenso von selbst wie das kostenlos zur Verfügung gestellte Programmheft mit Zusammenfassung der Handlung und informativen Künstlerbiographien.

All dies ergibt eine fast familiäre Atmosphäre mit einem Kulturerlebnis auf höchstem Niveau. Es entschädigt nicht nur für eine etwas längere Anfahrt von bis zu einer Stunde aus dem Raum Innsbruck, sondern lässt eine tagelange Vorfreude aufkommen, wie sie andere Veranstaltungen dieser Art inzwischen leider vermissen lassen. 

Wenn sich dann vielleicht auch noch die Gelegenheit eines persönlichen Treffens mit dem neuen Intendanten Jonas Kaufmann und/oder dem für Erl maßgebenden Kulturmäzen Hans-Peter-Haselsteiner ergibt, entspricht dies dem sprichwörtlichen Sahnehäubchen auf der Erler Musiktorte.


Zur Ergänzung: https://schoepfblog.at/alois-schopf-il-trovatore/

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Franz Mathis

Geboren in Hohenems (Vorarlberg) 1946, Studium der Geschichte und Anglistik an der Universität Innsbruck, Mag. phil. 1971, Dr. phil. 1973, Habilitation aus Wirtschafts- und Sozialgeschichte 1979, ordentlicher Universitätsprofessor für Wirtschafts- und Sozialgeschichte seit 1993. Forschungsaufenthalte in England und den USA, Gastprofessor an den Universitäten Salzburg, New Orleans (USA), Trient und Bozen. Studiendekan der Geisteswissenschaftlichen Fakultät, Rektorsbeauftragter der Universität Innsbruck für die Partnerschaft mit der University of New Orleans, Vorstandsmitglied der Internationalen Gesellschaft für historische Alpenforschung, Schriftleiter der Tiroler Wirtschaftsstudien. Schwerpunkte in Forschung und Lehre: vergleichende Stadtgeschichte, vergleichende Unternehmensgeschichte, Dritte Welt, allgemeine Wirtschaftsgeschichte Zusammenhänge und Grundlagen sozio-ökonomischer Entwicklung.

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