Franz Mathis
Bezahlte und unbezahlte Arbeit
Eine Hilfe aus der Geschichte
Notizen
In der aktuellen Debatte um die mütterliche Kinderbetreuung und andere unbezahlte Arbeit lohnt sich zum besseren Verständnis ein Blick in die Geschichte.
Über Tausende von Jahren lebten die Menschen als Jäger und Sammler und seit etwa 10.000 Jahren in immer mehr Regionen der Welt als sesshafte Bauern. Die für das Überleben notwendige Arbeit einschließlich der Kinderbetreuung erfolgte innerhalb der einzelnen Haushalte, die von Kleinfamilien mit meist zwei Generationen (Eltern, Kinder, nahe Angehörige) bis zu Großfamilien mit mehreren Generationen (Großeltern, Eltern, Kinder, Enkelkinder, nahe Angehörige) reichten.
Ihre Arbeit konnte auf die einzelnen Haushaltsmitglieder ungleich verteilt sein, wurde unentgeltlich geleistet und fallweise um einen Austausch mit anderen Haushalten ergänzt.
Erst mit zunehmender Größe der Siedlungen rückten die Menschen teilweise von dieser Art der Selbstversorgung ab. Die größere Zahl von Personen konnte es für manche lohnend erscheinen lassen, sich auf die Herstellung und die Bereitstellung bestimmter Produkte und Dienstleistungen zu spezialisieren. Mit dem Erlös aus deren Verkauf konnten die nicht selbst erzeugten Produkte und Dienstleistungen zugekauft werden.
Auf diese Weise wurde ein unterschiedlich großer Teil der zuvor im gemeinsamen Haushalt geleisteten Arbeit ausgelagert. Im Unterschied zu der für die Haushaltsmitglieder erbrachten Arbeit war die ausgelagerte Arbeit für Fremde, d.h. für andere als die Haushaltsmitglieder, bestimmt und wurde von diesen eigens bezahlt.
Die Verteilung von eigener Haushaltsarbeit einerseits und über den Markt verkaufter und gekaufter Arbeit andererseits verschob sich in den letzten 200–300 Jahren immer mehr in die Richtung fremd geleisteter und von außen bezahlter Arbeit. Die verbleibende, für den gemeinsamen Haushalt erbrachte Arbeit beschränkte sich immer mehr auf die dann sogenannte Hausarbeit und die Kinderbetreuung.
Erst durch diese Entwicklung ergab sich die Trennung in eine meist ausgelagerte, bezahlte Arbeit für den Markt und eine für den gemeinsamen Haushalt bestimmte und, wie früher, unbezahlte Arbeit.
So gesehen ist die mütterliche Kinderbetreuung im eigenen Haushalt keine für den Markt oder die Wirtschaft bestimmte, sondern in erster Linie – und wie früher – eine für den gemeinsamen Haushalt geleistete Arbeit. Eine etwaige Bezahlung dieser Arbeit wäre daher nicht von der Gesellschaft, sondern vom außerhalb erwerbstätigen Vater zu erbringen.
Dies geschieht zwar nicht formell, sondern meist dadurch, dass mit dem von ihm erzielten Einkommen nicht nur seine eigenen Auslagen, sondern auch die des gesamten Haushaltes bestritten werden.
In den Fällen, in denen auch die Mutter – voll oder teilweise – erwerbstätig ist, wäre auf eine ausgewogene Verteilung der bezahlten und der unbezahlten Arbeit innerhalb der Familie zu achten, wofür bereits seit Jahrzehnten und völlig zu Recht die Forderung nach Halbe-Halbe gestellt wird.
Es sollte daher bei der aktuellen Debatte weniger um bezahlte oder unbezahlte Arbeit gehen als vielmehr um die Aufteilung der gesamten, der bezahlten wie der unbezahlten Arbeit, die zur Führung des gemeinsamen Haushaltes notwendig ist.
Entscheidend dabei ist: Diese Aufteilung kann nicht von der Gesellschaft vorgegeben werden, sondern muss innerhalb der Haushalte bzw. Familien – wie es auch schon früher der Fall war – ausgehandelt werden.
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dennoch muss klar sein, dass haushalt und kinderbetreuung arbeit ist, auch für die gesellschaft viel bedeutet und finanziell und praktisch beide partner dazu beitragen müssen, aber ebenso die gesellschaft, indem sie gerechte löhne und pensionen bezahlt, auch für alleinerzieherInnen!