Elias Schneitter
Unsere Regierung macht ihre Arbeit
recht gut.
Notizen

Von den neuen Medien benutze ich Facebook und WhatsApp. Also bekomme ich die angeblich großen Shitstorms bei den anderen social medias nicht mit. Interessieren mich auch nicht. Trotzdem kommen auch bei Facebook regelmäßig Meldungen wie folgende herein:

Die Schlauen verlassen das Land
Die Armen kommen ins Land
Die Dummen finanzieren das Land
Die Irren regieren das Land

Im Grunde nichts weiter als mehr oder weniger halblustige Meldungen, denen man nicht allzuviel Aufmerksamkeit schenken sollte. Da wird einfach Frust zum Ausdruck gebracht. In persönlichen Gesprächen oder bei Treffen in einer Wirtshausrunde, im Beisl, stößt man regelmäßig auf harsche, bösartige Unzufriedenheit, wenn über Politik und die Politiker in unserem Lande gesprochen wird. 

Was man da meist zu hören bekommt, hat wenig mit Kritik zu tun, sondern geht einfach darum, teilweise gehässig die eigenen Enttäuschungen zum Ausdruck zu bringen. Enttäuschungen, die wenig mit der Realitiät über den Zustand in Österreich zu tun haben. Schriftlich nachverfolgen lässt sich diese Frustration übrigens am besten in den Leserbriefen der Kronenzeitung, die für mich die Kotzecke des kleinen Mannes ist. Wenn man diese Elaborate liest, verliert man jegliche Hoffnung auf Vernunft und Sachlichkeit.

In der Regel beteilige ich mich an diesen verhärteten Diskussionen am Stimmtisch nicht, weil da Argumente nicht gelten. Da kommt für alle Probleme, vom Budgetloch, dem desolaten Gesundheits- oder Bildungssytem, stets die Migrantenkeule ins Spiel. Unser Land wird von den Asylanten und Migranten zerstört. Und wir schicken Milliarden in die Ukraine, statt sie für die eigene Bevölkerung zu  verwenden.

Dagegen lässt sich kaum noch etwas sagen. Es hat keinen Sinn, da rennt man gegen eine Chinesische Mauer. Nur manchmal reitet mich doch etwas der Teufel, und wenn es so hitzig zugeht, dann kann ich es mir nicht verkneifen und ich beginne unvermittelt die Arbeit unserer Regierung zu loben.

Mit dem Satz: Unsere Regierung macht ihre Arbeit recht gut. Oder: Der Babler ist ein anständiger Mensch, der Bundeskanzler kein Streithansel und die Meinl-Reisinger ist eine sehr kluge Frau.

Zum zweiten Satz komme ich in diesen Runden natürlich nicht mehr. Denn solche Aussagen lassen die Gesichter der eingefleischten Patrioten einfrieren. Für Momente überströmt mich ein nonverbaler Shitstorm, der mich verstummen lässt. Natürlich kann ich mir dabei einen leicht spöttischen Grinser nicht ersparen.

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Elias Schneitter

Elias Schneitter lebt in Wien und Tirol. Zahlreiche Publikationen. Zuletzt der Erzählband „Civetta“ (baes) und der Roman „Ein gutes Pferd zieht noch einmal“ (Kyrene Verlag) und der Gedichtband „Zirler Blues“ (baes). Daneben Tätigkeit als Kleinverleger der edition baes (www.edition-baes.com), in der ein Schwerpunkt auf die Veröffentlichung von Literatur aus der US-amerikanischen Subkultur gelegt wird. Schneitter ist Mitbegründer und Kurator beim internationalen Tiroler Literaturfestival „sprachsalz“ (www.sprachsalz.com) bis 2023 in Hall, seit 2024 in Kufstein.

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. c. h. huber

    danke für diesen realistischen kommentar, und natürlich auch für den artikel von elias schneitter. beide sind klug beobachtet.

  2. Christoph Schmarl

    Zwischen Kritik, Verantwortung und Dankbarkeit!
    Der Beitrag enthält wichtige Aspekte. Österreich ist nicht das düstere Katastrophenland, als das es in manchen Diskussionen dargestellt wird. Vieles funktioniert nach wie vor gut – unser Sozialstaat, die Infrastruktur, das Bildungssystem trotz aller Schwächen und auch das friedliche Zusammenleben im Alltag. Dafür kann man dankbar sein. Dauernde Empörung und pauschale Kritik helfen selten weiter.
    Gleichzeitig sollte man die Sorgen vieler Menschen aber auch ernst nehmen. Viele spüren Veränderungen im täglichen Leben: steigende Wohnkosten, Unsicherheit über die Zukunft, Überlastung im Gesundheitsbereich oder Schwierigkeiten bei Integration und Bildung. Dazu kommen neue Ängste, die viele Menschen beschäftigen: der Klimawandel mit seinen Folgen für kommende Generationen, wirtschaftliche Unsicherheit, die Sorge um den Verlust von Arbeitsplätzen durch Digitalisierung und Künstliche Intelligenz sowie das Gefühl, dass sich die Welt immer schneller verändert. Diese Themen beschäftigen die Menschen nicht ohne Grund. Deshalb wäre es zu einfach, jede Kritik nur als negatives Jammern abzutun.
    Vielleicht liegt die Wahrheit – wie so oft – irgendwo in der Mitte. Weder ist alles schlecht, noch wird automatisch alles gut bleiben. Gerade deshalb braucht es mehr Sachlichkeit und weniger gegenseitige Abwertung. Wer Probleme anspricht, sollte nicht sofort als Pessimist gelten. Und wer auf die positiven Seiten unseres Landes hinweist, ist nicht automatisch realitätsfremd.
    Dabei sollte man aber auch nicht vergessen, dass die aktuelle Zeit selbst für politische Verantwortungsträger keine einfache ist. Die Herausforderungen werden komplexer, Krisen folgen oft Schlag auf Schlag und einfache Lösungen gibt es selten. Das bedeutet nicht, Politik von Verantwortung freizusprechen oder Kritik zu vermeiden. Aber vielleicht steckt auch Wahrheit in dem alten Sprichwort: „Besserwissen ist oft leichter als Bessermachen.“ Gerade deshalb wären mehr Sachlichkeit, Fairness und ein gemeinsamer Wille zur Lösung wichtiger als ständige gegenseitige Schuldzuweisungen.
    Dabei sollte man auch den Blick etwas über den eigenen Tellerrand hinaus richten. Wir leben seit über 80 Jahren in Frieden, Sicherheit und demokratischer Stabilität – etwas, das für viele Menschen auf dieser Welt keineswegs selbstverständlich ist. Gerade in einer Zeit, in der in Europa wieder Krieg herrscht und viele Länder mit massiven Krisen kämpfen, sollte uns bewusst bleiben, wie wertvoll Frieden, Freiheit und sozialer Zusammenhalt sind.
    Gerade rund um den 8. Mai – den Tag der Erinnerung an das Ende des Zweiten Weltkriegs – sollte uns bewusst sein, welche Sorgen und Entbehrungen unsere Eltern- und Großelterngeneration erleben musste. Viele Menschen hatten damals alles verloren: ihre Heimat, ihre Familien, ihre Sicherheit und oft auch jede Perspektive. Trotzdem haben sie nicht aufgegeben. Mit harter Arbeit, Zusammenhalt und Hoffnung haben sie unser Land wieder aufgebaut und den Grundstein für den Frieden und Wohlstand gelegt, in dem wir heute leben dürfen. Dafür bin ich dieser Generation ebenso dankbar wie meinen eigenen Eltern, die ich immer in meinem Herzen tragen werde. Mit Fleiß, Verantwortung und Verzicht haben sie vieles ermöglicht, was heute oft als selbstverständlich angesehen wird. Gerade in diesem Zusammenhang lohnt sich auch ein besonders stiller, aber tiefgehender Blick auf die Rolle von Müttern, Großmüttern und Frauen insgesamt. Oft waren sie das unsichtbare Rückgrat von Familien und Gesellschaft – tragend, stärkend, aufbauend, ohne viel Aufhebens darum zu machen. Sie haben Fürsorge geleistet, wenn niemand sonst konnte, haben Verzicht geübt, wenn es nötig war, und oft doppelte Lasten getragen – im Beruf und im privaten Leben. Vieles von dem, was wir heute als Stabilität, Geborgenheit und Menschlichkeit empfinden, hat genau dort seinen Ursprung. Vielleicht ist der Muttertag ein guter Moment, nicht nur Danke zu sagen, sondern sich wirklich bewusst zu machen, wie viel von unserem Leben auf dieser oft leisen, aber unersetzlichen Kraft beruht.
    Das bedeutet jedoch nicht, Probleme zu ignorieren. Im Gegenteil: Gerade, weil wir in einem stabilen Land leben, sollten wir verantwortungsvoll und lösungsorientiert mit Herausforderungen umgehen. Politik allein wird nicht alle Probleme lösen können. Gleichzeitig sollte Kritik nicht nur aus Frust bestehen, sondern auch die Frage beinhalten, welchen Beitrag jeder Einzelne selbst leisten kann. Denn gesellschaftlicher Zusammenhalt beginnt nicht erst in der Regierung, sondern im Alltag der Menschen.
    Jeder kann im Kleinen etwas beitragen: respektvoll miteinander umgehen, sich informieren statt nur empören, sich engagieren, wählen gehen, Vereine und Gemeinschaften stärken, im eigenen Beruf Verantwortung übernehmen oder einfach wieder mehr zuhören, bevor man urteilt. Auch ein sachlicher Umgang mit unterschiedlichen Meinungen wäre bereits ein wichtiger Schritt.
    Auch das Thema Migration sollte dabei sachlich gesehen werden: Österreich ist in vielen Bereichen auf Arbeitskräfte aus dem Ausland angewiesen – etwa in Pflege, Tourismus und Bauwirtschaft. Gleichzeitig braucht es klare Regeln und eine faire, differenzierte Betrachtung, ohne pauschale Urteile. Migration ist ein komplexes Thema mit vielen Ursachen und Leistungen, die nicht übersehen werden sollten.
    Vielleicht wäre schon viel gewonnen, wenn Diskussionen weniger von Wut und Schuldzuweisungen geprägt wären und mehr von der gemeinsamen Frage:
    Wie wollen wir in Zukunft miteinander leben und welche Lösungen können wir gemeinsam finden?
    „Bloße Empörung verändert wenig. Verantwortung, Maß und gegenseitiger Respekt dagegen können eine Gesellschaft tragen.

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