Elias Schneitter
Eine Nobelpreisträgerin bei Sprachsalz 2026
Und der ORF glänzt
durch Abwesenheit.
Notizen

sprachsalz 26 war ein wunderbares Fest. Viele Literaturinteressierte, viele sympathische Menschen, großartige Autorinnen und Autoren kamen zusammen. Für mich als Mitveranstalter und für das ganze Organisationsteam eine wunderbare Zeit.

Nur leider, inzwischen ist die 24. Auflage von sprachsalz Kufstein auch schon wieder Geschichte. In den drei Tagen im KulturQuartier, bei Vitus & Orban, in der Bibliothek Kufstein und in der Stadtgalerie dia:log gabs genau 30 Veranstaltungen, die von nicht weniger als viertausend Literatur- und Kunstfreunden besucht wurden und teilweise auch noch auf youtube angesehen werden können.

Die südkoreanische Literatur-Nobelpreisträgerin 2024 Han Kang war natürlich der Publikumsmagnet. Gut fünfhundert Personen strömten zu ihrem einzigen Auftritt in Österreich und es hätten gut und gerne noch einmal so viele dabei sein können, aber das war aus Platzgründen nicht möglich.

Patricia Smith

Besonders ins Herz der Zuhörer hatte sich die US-amerikanische Lyrikerin Patricia Smith gelesen. Ihre Gedichte und ihre Performance rührten einige zu Tränen und auch zu Standing Ovations, zwei Dinge, die ich bei Festivals dieser Art noch nie erlebt habe.

Der Spanier Fernando Aramburu las aus seinem Bestseller Der Junge, der auf Netflix Ende November angeboten wird. Nell Zink mit ihrem Roman über den amerikanischen Traum, Uta Köbernick die Kabarettistin und Wortklauberin, Martin Piekar mit seinem Mutter-und-Sohn Roman, Christian Yeti Beirer mit den Haikus, die über die ganze Stadt verbreitet wurden und und und… einfach ein großes Fest der Freude.

Trotzdem kann ich es mir nicht verkneifen einen heftigen Seitenhieb auf den gebührenfinanzierten Staatsfunk, den ORF loszulassen.

Obwohl wir in den 24 Jahren, seit es sprachsalz in Tirol gibt, nicht weniger als fünf Nobelpreisträger und Nobelpreisträgerinnen, zahlreiche Pulitzerpreisträger, internationale Book Award Autoren und viele weitere Weltliteratinnen und Literaten zu Besuch hatten, schaffte es der ORF Wien bis dato noch nie, auch nur einmal einen österreichweiten Beitrag darüber zu gestalten.

Okay. Wir wissen, Tirol ist weit und wenn es um Literaturberichterstattung geht, dann ist es günstiger in Wien die O-Töne zu bewerben oder gerade noch mal bis Heidenreichstein zu fahren, aber weiter geht’s halt nicht.

Muss man akzeptieren. Oder?

Heuer glänzte aber auch der regionale ORF Tirol durch Abwesenheit. Trotz Han Kang und weiteren bedeutenden Autoren und Autorinnen war es offenbar keinem Redakteur des Landesstudios möglich, von Innsbruck nach Kufstein zu kommen. Ich weiß, es ist ein weiter Weg auf einer vielbefahrenen Straße. Das muss man verstehen. Außerdem war Wochenende und alle 120 Mitarbeitenden dort am Rennweg sollen ihre wohl verdiente Freizeit genießen können und auf ihre work life balance achten. Gut so. Die Gebühren flattern ja ohnehin herein.

Also, danke nochmals, für diese Nichtberichterstattung!

Fotorechte: Elias Schneitter

Wenn Ihnen schoepfblog gefällt, bitten wir Sie, sich wöchentlich den schoepfblog-newsletter zukommen zu lassen, und Freundinnen und Freunde mit dem Hinweis auf einen Artikel Ihres Interesses zu animieren, es ebenso zu tun.


Weitere Möglichkeiten schoepfblog zu unterstützen finden Sie über diesen Link: schoepfblog unterstützen

Elias Schneitter

Elias Schneitter lebt in Wien und Tirol. Zahlreiche Publikationen. Zuletzt der Erzählband „Civetta“ (baes) und der Roman „Ein gutes Pferd zieht noch einmal“ (Kyrene Verlag) und der Gedichtband „Zirler Blues“ (baes). Daneben Tätigkeit als Kleinverleger der edition baes (www.edition-baes.com), in der ein Schwerpunkt auf die Veröffentlichung von Literatur aus der US-amerikanischen Subkultur gelegt wird. Schneitter ist Mitbegründer und Kurator beim internationalen Tiroler Literaturfestival „sprachsalz“ (www.sprachsalz.com) bis 2023 in Hall, seit 2024 in Kufstein.

Schreibe einen Kommentar