Elias Schneitter
"Owezahrn" – der österreichische Volkssport
Notizen
Inzwischen ist es Mode geworden, ein Wort des Jahres zu wählen. Ich hätte da auch einen Vorschlag zu machen. Mein Wahlvorschlag würde auf den wohlklingenden Ausdruck Owezahrn fallen.
Owezahrn ist ein herrliches Wiener Slang-Wort und trifft meiner Meinung nach sehr gut einen bedeutenden
österreichischen Wesenszug.
In Wien heißt es ja, dass man jedem alles verzeiht, nur nicht Erfolg. Und damit das dann auch – und das gilt für ganz Österreich – perfekt funktioniert, kommt das Owezahrn ins Spiel, bei dem wahre Höchstleistungen vollbracht werden.
Owezahrn ist besonders in der Kulturszene zu beobachten, aber natürlich und vor allem in der Politik. Was immer von der aktuellen Politik, also von oben, verordnet wird, gerät sofort ins böse Visier der Owezahrer.
Das kann man zum Beispiel grad wieder bei der Senkung der Mehrwertsteuer auf bestimmte Lebensmittel gut beobachten. Obwohl von mehreren Seiten gefordert, löste die Ankündigung eine Lawine von Owezahrer-Meldungen aus. Penibel, fast schon genüsslich, wurden die lächerlichen Ersparnisse im Centbereich bei Butter, Milch und Eiern aufgezählt und als Verarschung der Bevölkerung dargestellt.
Mit anderen Worten: die Regierung hätte sich diese Maßnahme sparen können. Renommee hat sie dadurch jedenfalls nicht gewonnen und unser Finanzminister hätte sich für das Budget seine 400 Millionen behalten können, denn so viel kostet die Aktion.
Jedenfalls habe ich nirgendwo folgende Schlagzeile gelesen: Österreichs Haushalte ersparen sich 400 Millionen beim Einkauf. Das wäre ja eine positive Meldung gewesen und das geht für uns Owezahrer nun einmal gar nicht. Da gibt die Schlagzeile: Butter um sechs Cent billiger schon deutlich mehr her.
Wenn man den aktuellen Umfragewerten trauen kann, dann sind inzwischen 38 % der österreichischen Wähler eingefleischte Owezahrer. Ihr erklärtes Ziel ist es, die absolute Mehrheit zu erreichen, damit die Ober-Owezahrer endlich uneingeschränkt schalten und walten können wie sie wollen.
Schau´ma, ob es so weit kommt.
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‚Owezahrn‘ – überaus passend für das Wort des Jahres, ABER: Das Owezahrn ist doch nicht gerade selten eine Folge davon, dass in unserer Alpenrepublik viel zu viel gebürschtelt wird. Soll heißen: Der Ausdruck ‚bürschteln‘ (bisweilen wird auch ‚birschteln‘ geschrieben) wäre m. E. als ernsthafter Konkurrent des ‚owezahrn‘ zu werten. Zudem kann man das ‚Bürschteln‘ via harter Fakten belegen, etwa wie folgt:
https://www.medmedia.at/relatus-med/alkoholkonsum-oesterreich-weltweit-auf-platz-6/
Prost!