Elias Schneitter
Öffentliche Diskussionen,
im Kreis geführt.
Notizen

Wenn es zu politischen Veränderungen oder neuen Gesetzen kommt, laufen die öffentlichen Diskussionen nach dem immer gleichen Muster ab. Gut konnte man das beim Handelsabkommen Mercosur beobachten, über das inzwischen 25 Jahre lang verhandelt wurde. Dabei gehe ich davon aus, dass es nur ganz wenige gibt, die genau wissen, was in den Veträgen steht und welche Auswirkungen wirklich davon zu erwarten sind.

Unsere und die meisten anderen Landwirte in Europa, die übrigens jedes Jahr die Hälfte des EU-Budgets für sich beanspruchen, sehen ihren wirtschaftlichen Untergang heraufdämmern. Von einem Bauernvertreter habe ich noch nie eine positive Meldung vernommen, sondern immer nur jammernde Beschwörungen des Untergangs.

Ähnlich verläuft es auch, wenn es um Reformen in unserem angeblich kaputten Gesundheitssystem geht. Sofort kann man von Ärztevertretern und Ärztekammer hören, wie schlecht bezahlt die Mediziner sind. Und sofort wird das lächerliche Honorar für eine Erstordination oder für einen Hausbesuch angeführt. Wahrscheinlich soll damit vermittelt werden, dass die Ärzteschaft am Hungertuch nagt. 

Die Realität ist natürlich eine ganz andere. Nie wird das tatsächliche Einkommen der Mediziner angeführt, immer das Beispiel für diese Erstordination. Bei den Landwirten wird in gleicher Weise gern ein Bergbäuerchen mit abgearbeiteten Händen aus dem Hut gezaubert, um zu demonstrieren, wie hart und entbehrungsreich das Leben eines Landwirtes ist.

Leider gibt es in der Öffentlichkeit kaum noch differenzierte Diskussionen und politische Auseinandersetzungen, sondern es wird immer nur die populistische Variante aufgetischt, da die Medienkonsumenten angeblich das so haben wollen bzw. überfordert wären, wenn nicht nur schwarz/weiß diskutiert wird.

Dieses Verhalten kann man laufend auch bei den Diskussionen in den Parlamenten beobachten, sofern diese im Fernsehen übertragen werden. Der Schlagabtausch läuft immer gleich ab. Da denke ich mir oft, eigentlich könnte man diese ganzen Volksvertreter auch durch KI ersetzen, denn die Argumentation zwischen Regierung und Opposition läuft ohnehin immer gleich ab.


Die Tech-Riesen siedeln um:

Letzte Woche habe ich in meinem Beitrag darüber geschrieben, wie die Tech Riesen alles Wissen aus dem Internet heruntersaugen, um es teuer an den Mann zu bringen, ohne Rücksicht auf Urheberschaft und Copyright. Also sich gratis bedienen! Diese Woche lese ich in Medien, dass in Kalifornien von der Regierung eine einmalige fünfprozentige Vermögenssteuer überlegt wird. Das hat jetzt zur Folge, dass die Musks und Thiels ihre Wohnsitze vom Silicon Valley nach Florida und Texas verlegen. Sicher ist sicher. Kluge Köpfe.

Armes Österreich

Laut österreichischer Nationalbank verfügen die Österreicher über ein privates Finanzvermögen von 950 Milliarden Euro. Dem österreichischen Bundesbudget fehlen cirka 25 Milliarden Euro. Bei dieser Diskrepanz könnte man schon einige Gedankenspiele anstellen.

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Elias Schneitter

Elias Schneitter lebt in Wien und Tirol. Zahlreiche Publikationen. Zuletzt der Erzählband „Civetta“ (baes) und der Roman „Ein gutes Pferd zieht noch einmal“ (Kyrene Verlag) und der Gedichtband „Zirler Blues“ (baes). Daneben Tätigkeit als Kleinverleger der edition baes (www.edition-baes.com), in der ein Schwerpunkt auf die Veröffentlichung von Literatur aus der US-amerikanischen Subkultur gelegt wird. Schneitter ist Mitbegründer und Kurator beim internationalen Tiroler Literaturfestival „sprachsalz“ (www.sprachsalz.com) bis 2023 in Hall, seit 2024 in Kufstein.

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