Elias Schneitter
Literatur in Gefahr
Notizen

Kunst und Literatur werden häufig als ein notwendiges Lebensmittel bezeichnet. Die üblichen Lebensmittel, die in einem Geschäft erhältlich sind, werden häufig mit Produkthinweisen wie: glutenfrei oder gentechnikfrei angeboten.

In der Literatur kann man inzwischen die Tendenz beobachten, dass Bücher mit Warnhinweisen versehen werden. So findet man auf Buchdeckeln Triggerhinweise, was so viel bedeutet wie: Achtgeben! Wenn sie eine bestimmte Stelle in diesem Buch lesen, könnte das eine unerwünschte psychische Reaktion auslösen.

Inzwischen ist die KI in aller Munde. Wie es bei allen Neuerungen passiert, wird diesen anfangs stets mit Hysterie und Weltuntergangsprophezeiungen begegnet. So auch jetzt mit der KI und deren Verwendung bei literarischen Texten.

Sicher ist, dass mit der Einführung der KI ein neues Werkzeug Einzug in die Produktion von Manuskripten, eine neue spannende Ära beginnt. Werden Autoren überflüssig? Schreibt die KI besser als die großen Dichter?

Einige verkünden bereits das Ende der selbstbestimmten Literaturproduktion, also das Ende des kreativen Schreibens. Das Individuum wird durch die Maschine ersetzt, heißt es.

Von anderen wiederum wird die KI entspannter betrachtet. Sie sehen darin keine Gefahr, denn die KI ist kein kreativer Geist, sondern nur ein Rechner. Dadurch wird die Arbeit vereinfacht und verbessert, vor allem beschleunigt.

Der Kolumnist Urs Heinz Aerni, ebenfalls schoepfblog-Autor, gehört zur ersteren Gruppe, zu den Skeptikern. Er rät, nur noch Bücher, die vor 2021 erschienen sind, zu konsumieren.

Eine ähnliche Diskussion hat es schon einmal gegeben, als die Schreibmaschine Einzug in die Literatur hielt und die Handschrift schrittweise ablöste. Friedrich Nietzsche hat sich mit den Folgen dieser Entwicklung beschäftigt. Nietzsche: Unser Schreibzeug arbeitet mit unseren Gedanken. Er benutzte ab 1882 eine Schreibkugel. Diese soll seinen Schreibstil prägnanter gemacht haben.

Kleine Schlussbemerkung: Ich habe diesen Text ohne KI-Hilfe verfasst. Zu allem Überfluss zuerst auch noch handschriftlich, bevor ich ihn abgetippt habe.

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Elias Schneitter

Elias Schneitter lebt in Wien und Tirol. Zahlreiche Publikationen. Zuletzt der Erzählband „Civetta“ (baes) und der Roman „Ein gutes Pferd zieht noch einmal“ (Kyrene Verlag) und der Gedichtband „Zirler Blues“ (baes). Daneben Tätigkeit als Kleinverleger der edition baes (www.edition-baes.com), in der ein Schwerpunkt auf die Veröffentlichung von Literatur aus der US-amerikanischen Subkultur gelegt wird. Schneitter ist Mitbegründer und Kurator beim internationalen Tiroler Literaturfestival „sprachsalz“ (www.sprachsalz.com) bis 2023 in Hall, seit 2024 in Kufstein.

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