Elias Schneitter
Kaisertreue
Oder:
Als der höchste Herrscher nach Zirl kam.
Notizen
In aufgeheizten Zeiten, in denen wir gerade leben, lohnt es sich manchmal einen Blick zurück in die gute alte Zeit, in diesem Fall in die Zeit der Monarchie zu werfen. Entdeckt habe ich diese Geschichte im Zirler Heimatbuch von Norbert Prantl. Für den schoepfblog hab ich sie ein bisschen umgeschrieben.
Im Jahr 1848 – zu Zeiten der Märzrevolution – musste Kaiser Ferdinand I. aus Wien flüchten. Dabei kam er nach Tirol, wo er herzlich willkommen geheißen und mit offenen Armen empfangen wurde, weil schon damals in unserer Heimat die Uhren anders tickten als in der großen monarchistischen Zentrale in Wien.
Während dieses Aufenthaltes in Tirol besuchte der Kaiser mit seinem Gefolge auch einige Tiroler Landgemeinden. So auch meine Heimatgemeinde Zirl.
Am 27. Juni 1848 verbreitete sich in unserer kleinen Gemeinde die Kunde, dass seine Kaiserliche Hoheit – begleitet von seinem späteren Nachfolger am Thron, Kaiser Franz Josef I., von den Erzherzogen Ferdinand Max, Karl Ludwig, Ludwig Viktor und der Erzherzogin Sofie – sich auf unser Dörfchen zubewegen würde.
Diese Nachricht versetzte meine Landgemeinde in helle Aufregung und sofort wurde unter großem Zeitdruck beschlossen, dem Kaiser eine große Überraschung zu bereiten. Die Schützen wurden zusammengetrommelt, die Musik aufgeboten, der Mesner Jakob musste das Geläut für die Kirchenglocken auftreiben, der Kirchenprobst besorgte Pöller und Pfarrer Moriggl eilte nach Hause, um sich die besseren Stiefel anzuziehen.
Als er wieder zum Dorfplatz zurück stürmte, gemeinsam mit einigen Schützen, die vor Eile, noch ihre Lederhosen in der Hand haltend, Aufstellung bezogen, während die Hohe Kaiserliche Kutsche näherkam, übernahm Pfarrer Moriggl höchstpersönlich das Kommando: Die Schützen stehen stramm, die Musik intoniert die Volkshymne, der Kaiser grüßt links und rechts und fährt zur Überraschung aller und trotz der Vivatrufe der aufgeregten Volksmenge zum Dorf wieder hinaus, ohne stehen zu bleiben.
Schützen und Musik schauen verdutzt drein, ebenso alle anderen, und nicht zuletzt auch Pfarrer Moriggl.
Aber diese Überraschung hielt nicht allzu lange an, ehe wieder einmal das echte Tirolertum durchbrach: denn Ratlosigkeit ist keine Tiroler Tugend, schon damals nicht. Schließlich wollte man sich nicht so mir nichts dir nichts von seiner Kaiserlichen Hoheit abschütteln lassen. Und als ein Bürschchen vom Dach des höchsten Hauses am Platze, von wo er die Durchfahrt beobachtet hatte, bemerkte, dass seine Kaiserliche Hoheit samt Gefolge außerhalb des Dorfes anhielt und eine Rast einlegte, wurde die Beobachtung vom Dach den Dorfbewohnern weiter gegeben, worauf sie nichts Besseres zu tun wussten, als Pfarrer Moriggl nachzueilen, der dem Kaiser nacheilte, sogar eine Abkürzung durch den Dorfbach nehmend, wo seine neuen Stiefel nass wurden, was den hochwürdigen Herrn aber nicht weiter kümmerte, als er in der Nähe des Kaisers gemeinsam mit seinen Kooperationen in einem Türkenacker Aufstellung nahm und die Ehrenbezeugung leistete.
Daraufhin sollen der Kaiser und seine Gefolgschaft einigermaßen verdutzt dreingeblickt haben, dankten aber tief bewegt, worauf sich der Pfarrer in seinen feuchten Stiefeln auch noch für das Kaiserdrittel zum Kirchenbau bedankte. Dennoch verabschiedete sich der Kaiser alsbald von seinen Untertanen und setzte seine Kutschenfahrt fort. Die Dorfbewohner kehrten samt ihrem Pfarrer Moriggl zufrieden und glücklich ins Dorf zurück, mit dem erhebenden Gefühl in der Brust, den Kaiser doch noch erwischt zu haben.
Denn dem echten Tiroler von damals bedeutete die Treue zum Kaiser noch etwas, im Gegensatz zu den Wienern, die ihn ja mehr oder weniger davongejagt hatten, weil eben schon damals Wien und die Wiener ganz anders waren.
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Werter Zirler, Herr Ronald Weinberger!
Angeregt durch Ihre wichtige Ergänzung des wichtigen Beitrags des Zirlers Elias Schneitter bezüglich der Hin- und Rückfahrt der Kutschen unserer Kaiserlichen Majestät, Ferdinand des 1., im Juni und Juli des Revolutionsjahres 1848, darf ich Sie bitten, besagtes Foto der Tafel am altehrwürdigen Gasthaus zum „Schwarzen Adler“ zum Behufe der Verifizierung Ihrer Erkenntnisse über die Zirler Historie dem schoepfblog zum Zwecke der Publikation und Veranschaulichung zur Verfügung zu stellen!
Mit ergebenstem Dank im Voraus!
Werter zum Teilzeit-Zirler mutierter Urzirler Elias!
Bin als ein seit Jahrzehnten im – trotz der momentanen TrinkH2O-Problematik – überaus lebenswerten Zirl Wohnhafter leicht indigniert, wie ich submissest anmerken möchte. Indigniert ob (D)einer Auslassung.
Wie konntest Du nur – bitte meine Äußerung bloß nicht als eine Art Retourkutsche verstehen -, wenn schon von einer kaiserlichen Durchfahrt am 27. Juni 1848 die ausführliche Rede ist, dem diese Deine schöpfblogigen Zeilen lesenden Volk unterschlagen, dass offenbar knapp 1 Monat nach dem obgenannten Datum die kaiserliche(n) Kutsche(n) in Zirl sogar richtigen Halt machte(n)?! Zum Zwecke der Nahrungsaufnahme. Bitte beäuge zu diesem Behufe bei Deinem nächsten Heimatbesuch die altehrwürdig aussehende Tafel, die außen, rechts oberhalb vom Eingang in das noch altehrwürdigere Zirler Gasthaus „Schwarzer Adler“, angebracht ist.
Ich habe, nach dem Lesen Deines Beitrags, mich flugs aufgemacht und die etwa 250 Meter von meiner Wohnstätte in der Kaiserjägerstraße (!) zum „Schwarzen Adler“, selbstredend per pedes, zurückgelegt, um dort die besagte Tafel zu photographieren. Der Text auf ihr lautet wie folgt:
„Am 23. Juli 1848 hatten wir die Ehre Se. Kaiserl. Majestät, Ferdinand den 1., wie auch Se. Kaiserl. Hoheit, den Erzherzog Franz Karl Josef mit seiner Familie hier als unsere Gäste zu bewirten.“
Ob sich die Insassen der kaiserlichen Kutsche(n), vermutlich hierorts bestens verköstigt, auf der Rückreise ins (noch unbefriedete) Wien befanden? Eine drängende Frage von weltbewegender Natur, wie man zugeben muss; ich harre Deiner Antwort.
Mit ergebensten Grüßen plus Bücklingen,
Ronald Weinberger, Zirl