Elias Schneitter
Jede Diktatur endet im Sadismus.
Notizen
Als wir im letzten Jahr mit unserem Literaturfestival sprachsalz nach 21 Jahren von Hall nach Kufstein ins dortige Kulturquartier übersiedelt sind, löste das bei mir gemischte Gefühle aus.
Vieles wurde für uns Organisatoren zu einer großen Herausforderung, irgendwie kam es mir wie ein kompletter Neustart vor. Ich staunte nicht schlecht, als ich zum erstenmal das KUQUA betrat, das große, eher dunkel gestaltete Foyer, den riesigen Festsaal mit 800 Plätzen bei Konzertbestuhlung und dann den danebenliegenden Theatersaal mit 150 Plätzen.
Wie sollten wir mit unserem Literaturfestival diese riesigen Veranstaltungssäle bespielen? Ist das KUQUA für unser Event nicht um eine Hausnummer zu groß? Wird sprachsalz so viel Publikum anlocken können? Ganz wohl war mir damals nicht.
Aber glücklicherweise wurde ich in dieser Hinsicht positiv überrascht, denn der Publikumsandrang war letztes Jahr sehr gut und heuer wurde das Festival geradezu gestürmt. Sämtliche Lesungen/Veranstaltungen im Theatersaal und im Vitus & Urban waren stets bis zum letzten Platz besetzt. Teilweise mussten wir auch auf den Screen im Foyer übertragen.
Zum Konzept von sprachsalz gehört es ja, dass wir uns bei den Einladungen der Autorinnen und Autoren nicht an den aktuellen Bestsellerlisten orientieren. Ich habe mich mit vielen Besuchern unterhalten, die mir bestätigten, dass sie die meisten der auftretenden Autoren nicht kannten.
Herausgreifen von den insgesamt mehr als 30 Auftritten möchte ich die Lesung und das Gespräch mit der italienischen Autorin Dacia Maraini, die mit ihren 88 Lebensjahren das Publikum elektrisierte und zu standig ovations hinriss, was ich in dieser Form noch nie bei sprachsalz erlebt habe.
In ihrem Buch Für einen halben Löffel Reis beschreibt sie ihre Zeit als Kind in einem japanischen Internierungslager. In der anschließenden Diskussion hielt sie ein beeindruckendes Plädoyer für eine demokratische Gesellschaft. Sie formulierte es so: Wenn die ganze Macht in einer Hand ist, dann endet das stets im Sadismus.
In dieser Hinsicht äußerte sich auch der russische Exilautor Viktor Jerofejew, der zu Russland meinte, dass es von einer Horde von Gopniks (Hinterhofschlägern) beherrscht wird.
Kufstein und das Kufsteiner Land bieten seit Jahren ein breites und hochkarätiges Kulturprogramm. Es zählt damit inzwischen zu den spannendsten Regionen im Alpenraum, was Kunst und Kultur betrifft. sprachsalz hat dort jedenfalls einen guten neuen Platz gefunden.
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Das alles, Elias, freut mich sehr, sehr.