Elias Schneitter
Jack Kerouac,
the king of the beat generation
Notizen
In meinen jungen Jahren hat mir das Buch on the road von Jack Kerouac sehr viel bedeutet. Ein Freund hat es mir damals mit den Worten the bible of the flower power generation geliehen.
Kerouac war von seiner Herkunft her ein Frankokanadier, 1922 geboren und in Lowell Massachussets aufgewachsen. Seine Mutter war Fabriksarbeiterin, sein Vater betrieb eine kleine Druckerei, spotlight.
Bereits in der highschool war Jack ein footballstar und dieses Talent ermöglichte ihm schließlich ein Studium an der renommierten Columbia University in NYC. Das Studium brach er sehr bald ab, nachdem er mit seinem Trainer übers Kreuz kam und sich zudem noch einen schweren Beinbruch zuzog. Daraufhin meldete er sich als Matrose bei der Handelsmarine, wo er schließlich wegen eines psychiatrischen Gutachtens, das ihm eine psychotische Störung bescheinigte, entlassen wurde.
Zurück in NYC freundete er sich mit Allen Ginsberg, William S. Burroughs und vielen anderen Künstlern aus der Szene an und bereiste in den nächsten Jahren mit seinem Freund Neal Cassady die USA und Mexiko. Aufgrund dieser Erfahrungen verfasste er im April 1951 in einem dreiwöchigen Schreib-Sprint unter Mithilfe von Benzedrin und Kaffee seine berühmte erste Fassung von on the road auf einer 37 Meter langen Papierrolle, eng beschrieben und ohne Satzzeichen, die später als the scroll berühmt werden sollte.

the scroll
Kerouac schrieb in einem Rausch und, wie er sagte: er wollte nicht durch das Wechseln der Papierseiten gestört werden. Die Verleger konnten anfangs nicht viel mit der scroll anfangen und erst im Jahr 1957 im September sollte on the road (sehr überarbeitet) als Roman herauskommen.
Mit dem Buch traf Kerouac genau das Lebensgefühl einer neuen Generation: Reisen, Bebop, Freundschaft, Liebe, Sex, Drogen, Lebensfreude, Melancholie, Menschlichkeit, jugendliche Verrücktheiten und auch ein romantischer Blick auf sein Land, auf die USA. Kerouac war im Grunde seines Herzens ein typisches Landkind, ein Provinzler, wenn man so will, der Amerika hochhielt und liebte. Er hat die Jugendbewegung stark mitgestaltet, aber Revolutionär war er sicher keiner.
Das Buch machte den Autor über Nacht berühmt. Sehr bald erlangte es und blöderweise auch Kerouac selbst Kultstatus. Er wurde zum King of the Beatgeneration, der flower power hochstilisiert.
Der Erfolg und die plötzliche große Aufmerksamkeit irritierten ihn total. Damit konnte er nicht umgehen. Während die Jugendbewegung in Amerika und Europa zur Massenbewegung mutierte, zog sich Kerouac immer mehr zurück, verfiel dem Alkohol und, wenn er in der Öffentlichkeit auftrat, dann war er stets betrunken und redete sich ins Abseits. Politisch äußerte er sich eher aus der reaktionären Ecke, entsprach jedenfalls nicht dem damaligen Zeitgeist. Bald wurde er nur noch als betrunkener Clown und Hinterwäldler wahrgenommen, ehe er überhaupt vergessen wurde. Seine folgenden Bücher erlebten nur noch kleine Auflagen.
In den akademischen Literaturkreisen wurde er als Schriftsteller nicht besonders ernst genommen. Seine spontaneous literature, die er entwickelt hatte, wurde eher belächelt. Truman Capote sagte: thats not writing, this is tipping.

the scroll im Museum aufgelegt
In den letzten Jahren blieben ihm noch einige wenige Freunde aus seinen Anfangszeiten und vor allem seine Mutter, an der er lebenslang hing wie ein kleines Kind.
1969 verstarb er vereinsamt und verarmt im Alter von 47 Jahren, praktisch am Höhepunkt jener Bewegung, die er maßgeblich mitgestaltet hat (Woodstock) an den Folgen seines exzessiven Alkoholmissbrauchs in Jacksonville, Florida.
Mitte der Siebzigerjahre dann wurde sein Werk wieder neu entdeckt. Am Anfang stand eine Biografie von Ann Charters, in deren Folge zahlreiche Bücher und Artikel über Kerouac erschienen. Mit seinen Artefakten und den Publikationsrechten wurde jetzt sehr viel Geld verdient. Johnny Depp, zum Beispiel, erwarb einen Staubmantel von Kerouac bei einer Auktion um 15.000 Dollar. 2001 wurde die scroll bei Sothebys um 2,3 Millionen verkauft und erst vor wenigen Wochen kam die scroll neuerlich unter den Hammer, um den horrenden Preis von rund 12 Millionen Dollar. Interessant, wenn man bedenkt, dass Kerouac bei seinem Tod gerade einmal 83 Dollar auf seinem Konto hatte.
Die Biografie von Jack Kerouac entspricht dem romantischen Bild eines Schriftstellers. Ich muss bekennen, das hat mich früher sehr beeindruckt. Manchmal blättere ich noch gern in on the road und das bereitet mir immer noch eine jugendliche Freude.
Wenn Ihnen schoepfblog gefällt, bitten wir Sie, sich wöchentlich den schoepfblog-newsletter zukommen zu lassen, und Freundinnen und Freunde mit dem Hinweis auf einen Artikel Ihres Interesses zu animieren, es ebenso zu tun.
Weitere Möglichkeiten schoepfblog zu unterstützen finden Sie über diesen Link: schoepfblog unterstützen

ich habe „on the road“ erst letztes jahr gelesen, also in meinen späten jahren und bin ziemlich ambivalent zurückgeblieben. manches hat mich an die sehnsüchte meiner jugend erinnert, die allerdings keineswegs exzessiv verlief, aber einfach an die aufkommende hippie-bewegung auch bei uns. manches hat mich als bürgerlich bis spießig aufgewachsene frau aber schon damals abgestoßen, erst recht in kolportierten lebensentwürfen von hippies, ebenso auch in kerouacs damaliger realität im buch, wenns denn wahrheit war. aber dennoch fand ich teile davon erstaunlich gut, interessant war diese literarische reise allemal. doch das ende von kerouac – eine beinah logische folge seines lebens, wie er und andere es geschildert haben.