Elias Schneitter
In Zeiten der Kriegsherrn
Notizen

Nach dem Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine wurde im Westen massiv gefordert, dass kein Öl und kein Gas aus Russland mehr importiert werden sollte. Man war der Ansicht, dass dann Putin die Kriegshandlungen einstellen müsse, weil ihm das nötige Geld für seinen Angriff fehle. Diese Ansicht war ziemlich naiv, denn Putin hatte gefüllte Kriegskassen und er ist eine Kreatur, der sich durch Schrecken und Krieg definiert. Tschetschenien, Georgien, Donbass, Krim, Ukraine und Auftragsmorde an Oppositionelle.

Die Drosselung der Energielieferungen aus Russland haben, und das ist die bittere Wahrheit, nur den Westen getroffen. Putin hat sein Öl und sein Gas woanders hin verkauft. Er findet genügend Abnehmer. Aus europäischer Sicht muss man sagen: Die Maßnahmen waren ein Schuss ins Knie.

Exil-Iraner und viele im Westen haben gefordert, das blutrünstige Regime in Iran durch ein Bombardement zu beseitigen, damit dann wieder vernünftige Kräfte an die Macht kommen könnten. Also legten die USA und Israel los (auch wenn es denen nicht nur um die Beseitigung der Tyrannen in Iran ging) und die Folgen erleben wir inzwischen hautnah. Wir in Europa werden – neben all dem unermesslichen Leid im Nahen Osten, das die arme Bevölkerung zu ertragen hat – wieder einmal die wirtschaftlich Leidtragenden sein. Europa wird wieder massiv unter die Räder kommen, wirtschaftlich und politisch.

Israel, der dritte im Bunde der Kriegsherren, sieht inzwischen sein Heil ausschließlich in Kriegshandlungen und Bombardements und wundert sich, wenn es von vielen Seiten dafür scharf kritisiert wird.

Für Europa werden diese Kriegsschauplätze bedeuten, dass die politische Rechte immer mehr an Zulauf gewinnen wird: Sie sympathisiert bekanntlich eher mit der Macht in Putins Russland und mit Trump in den USA.

Eine wichtige Person innerhalb der rechten Bewegung ist der Philosoph Carl Schmitt (1888 – 1985). Er vertrat ein sehr negatives Menschenbild, das im Kern auf die Erkenntnis hinausläuft: Unter den Menschen herrscht immer Feindschaft und Kriege sind unausweichlich. Sie können nicht verhindert werden.

Schmitt lehnt in seinen Schriften Heterogenität zugunsten homogener Gesellschaften ab. Demokratie und Liberalismus müssen durch autoritäre Systeme ersetzt werden. Der Starke muss sich durchsetzen. Wokeness muss bekämpft und ausradiert werden.

Gute Nacht Europa

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Elias Schneitter

Elias Schneitter lebt in Wien und Tirol. Zahlreiche Publikationen. Zuletzt der Erzählband „Civetta“ (baes) und der Roman „Ein gutes Pferd zieht noch einmal“ (Kyrene Verlag) und der Gedichtband „Zirler Blues“ (baes). Daneben Tätigkeit als Kleinverleger der edition baes (www.edition-baes.com), in der ein Schwerpunkt auf die Veröffentlichung von Literatur aus der US-amerikanischen Subkultur gelegt wird. Schneitter ist Mitbegründer und Kurator beim internationalen Tiroler Literaturfestival „sprachsalz“ (www.sprachsalz.com) bis 2023 in Hall, seit 2024 in Kufstein.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Andreas Niedermann

    „Israel, der dritte im Bunde der Kriegsherren, sieht inzwischen sein Heil ausschließlich in Kriegshandlungen und Bombardements und wundert sich, wenn es von vielen Seiten dafür scharf kritisiert wird.“

    Israel, lieber Elias, wird auch kritisiert, wenn es auch einfach nur ist. Israel ist der Jude unter den Staaten. Umgeben von Feinden, von Proxys des Irans: Hamas, Hisbollah, die nichts anderes wollen, als diesen Juden-Staat vernichten.
    Und die Linke will es auch, wie man gerade in Deutschland sehen kann, was nicht weiter verwunderlich ist, denn die Linke war schon immer – großteils – antisemitisch.
    Ich weiß das, weil ich Anfang der 70-er mit Kommunisten Umgang hatte, was letztlich – nicht nur –dazu führte, dass ich kein Linker mehr bin.

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