Elias Schneitter
Immer nur jammern!
Und was sind die Alternativen?
Notizen

Laut einer aktuellen Umfrage wollen 47 Prozent der Österreicher einen Systemwechsel. Also weg vom demokratischen Weg, hin zu, ja wohin? 

Zu einer Autokratie à la Donald Trump, der seine Taschen und die seiner Familienangehörigen nach sechs Konkursen mit seinen Immobilien ohne jeglichen Genierer prall füllt, der Polizistenmörder begnadigt, der vermeintliche Drogen-Boote bombardiert, der unliebsame Fernsehsendungen abdrehen lässt, der Oppositionellen mit der Todesstrafe droht, der Menschen von Vermummten auf der Straße verhaften und außer Landes bringen lässt, der einen Blödsinn nach dem anderen von sich gibt, der der… 

Soll das der neue europäische Weg sein? Oder soll es in Richtung Russland und Putin gehen, der mit Atomkrieg droht, der seit zwanzig Jahren Kriege gegen Völker führt und der inzwischen eine Million Tote bzw. Versehrte wegen seines blutrünstigen Verhaltens auf dem Gewissen haben sollte, das er leider nicht hat?

Oder soll es der politische Weg eines Viktor Orban sein, der fleißig von der EU kassiert, sich und seinen Freunden ohne Skrupel Reichtum beschert und das Migrationsproblem so löst, dass er es anderen aufhalst, zum Beispiel Österreich, indem er alle Migranten zu uns schickt, und der alles boykottiert, und wo die EU anstatt ihn endlich hochkantig hinauszuschmeißen (jeder unterklassige Fußballverein würde einen Spieler, der aufs eigene Tor schießt, kaltstellen) noch weiterhin Millionen überweist.

Sollen das also die Vorbilder für den geforderten Systemwechsel sein?

Bei uns im Westen herrscht eine Polit- und Demokratieverdrossenheit, die ich mir vor allem als eine Folge von Wohlstand erklären muss. Noch nie in der Geschichte der Menschheit ist es den Menschen hier in Europa materiell so gut gegangen wie heute. Was die geistige Verfassung der Europäer anlangt, habe ich meine Zweifel, ob sie auch mit dem materiellen Zustand Schritt halten kann.

Mit dem Zweiten Weltkrieg haben unsere Großväter und Väter ihre Lektion erhalten, die ihnen auf brutale Weise gezeigt hat, wohin Diktatur und Hass führen. Inzwischen haben diese Generationen abgedankt, eine neue Generation ist am Werk, die aber immer mehr in diesen alten, verdammten und gefährlichen Uraltstrukturen ihrer Vorfahren das Heil sehen. 

Die demokratischen Spielregeln haben immer weniger Bedeutung und kommen immer mehr in Verruf. Der demokratische Findungsprozess mit Diskussionen und Streitereien öden die Menschen an, der Ruf nach der starken Hand wird lauter. Die alten Medien zusammen mit dem asozialen Krakelertum sehen ihre Aufgabe fast ausschließlich nur noch darin, die tägliche Empörung, den täglichen Skandal aufzupoppen und alles in Grund und Boden zu kritisieren. Destruktion ist angesagt.

Jedenfalls, sollten in Europa eine Frau Le Pen, eine Alice Weidel oder ein Viktor Orban ans Ruder kommen und mit absoluten Mehrheiten das Sagen haben, dann gute Nacht Europa.

Andererseits glaube und denke ich wiederum, wenn das in der momentanen Situation auch etwas verwegen erscheinen mag, dass auf Dauer solche gewissenlose Führer wie Putin und Trump nicht die Oberhand behalten werden. Auch ihre Tage sind gezählt.


Zitat eines Wiener Sportclubfans im Lokal Annemarie, Hernals, anlässlich der WM Auslosung in den USA: 

Mit der Auslosung zur WM und dem Friedenspreis für Trump hat die MAFIFA und der INFANTILO als Präsident voll zugeschlagen.

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Elias Schneitter

Elias Schneitter lebt in Wien und Tirol. Zahlreiche Publikationen. Zuletzt der Erzählband „Civetta“ (baes) und der Roman „Ein gutes Pferd zieht noch einmal“ (Kyrene Verlag) und der Gedichtband „Zirler Blues“ (baes). Daneben Tätigkeit als Kleinverleger der edition baes (www.edition-baes.com), in der ein Schwerpunkt auf die Veröffentlichung von Literatur aus der US-amerikanischen Subkultur gelegt wird. Schneitter ist Mitbegründer und Kurator beim internationalen Tiroler Literaturfestival „sprachsalz“ (www.sprachsalz.com) bis 2023 in Hall, seit 2024 in Kufstein.

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. c. h. huber

    wie recht du wieder hast, leider lassen sich viele menschen von den medien beeinflussen, die alles schlechtreden, auch friedliche diskussionen. offenbar kann man nur damit follower in jeder form von medien finden. es geht dabei ums geld, nicht um die wahrheit oder den einsatz für ein gedeihliches zusammenleben.

  2. Rudolf Ostermann

    Sehr gut analysiert, müsste jetzt noch in einfacher Sprache an diversen Stammtischen angebracht werden.

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