Elias Schneitter:
Ich hätte Georg Dornauer
nicht ausgeschlossen.
Notizen

Dem ehemaligen SPÖ-Landespolitiker Georg Dornauer kann man einen seltsamen Hang zur Verhaltensauffälligkeit sicher nicht absprechen. Damit hat er in der Öffentlichkeit, weniger als mit seinen politischen Aktivitäten, regelmäßig für mediales Aufsehen gesorgt.

Mit seiner Büchse im Porsche bei offenem Fenster auf einem Parkplatz
Mit einem Foto mit Tiroler Hut und Bruch-Taxn am Kopf zusammen mit Jagdfreund Benko
Mit seiner Beziehung zu einer rassigen italienischen Rechtspolitikerin
Als parteiinterner Quertreiber gegen die Spitze in Wien
Als Raser auf der Autobahn

Heute geht es in der Politik vor allem um Aufmerksamkeit und um publikumswirksamen Populismus und weniger um politische Inhalte. Georg Dornauer war dabei mit seinem pubertären, teilweise lächerlichen Verhalten als Landeshauptmannstellvertreter keine Lichtgestalt. Ihm fehlte es an Format und Seriosität. Keine Frage.

Der Auslöser für seinen Parteiausschluss war – angeblich – sein koalitionär nicht abgesprochener Antrag, die Übergewinne der Tiwag an die Kunden auszuschütten. An und für sich keine schlechte Idee, aber Dornauer wusste natürlich, was er damit auslösen würde. Trotzdem kann ich mir nicht vorstellen, dass diese populistische Einzelaktion schon die alleinige Ursache für seinen Ausschluss war. Wahrscheinlich ging es auch um die Begleichung alter noch offener Rechnungen.

Die österreichische Sozialdemokratie befindet sich ohne Zweifel in einem bedauernswerten (zumindest aus meiner Sicht) Sinkflug und ein Ende dieses Sinkfluges ist nicht absehbar. Ihre beste Zeit hatte die Partei in den 1970-ern und 1980-ern, vor allem unter Kanzler Kreisky, aber auch unter Fred Sinowatz und Franz Vranitzky. Es war die Zeit eines Wirtschaftsaufschwungs, und damals hat die Sozialdemokratie dafür gesorgt, dass sich die sogenannten Werktätigen ebenfalls Wohlstand schaffen konnten.

Interessant dabei ist, dass an der Spitze der Sozialdemokratie nie Werktätige standen, sondern Nadelstreifsozialisten, Banker und Industrielle, aber das schien damals die große Masse nicht zu stören. Inzwischen hat die FPÖ die Werktätigen auf ihrer Seite, während die SPÖ hauptsächlich von Pensionisten gewählt wird.

Aber zurück zu Dornauer: In meiner Zeit als sozialdemokratischer Gemeinderat habe ich ihn einige Male erleben dürfen, bei Versammlungen oder am Ersten Mai. Mit seiner Harmonika und seiner Tanzkunst ist er bei vielen Leuten gut angekommen. Er hatte keine Berührungsängste.

Georg Dornauer gehört ohne Zweifel in die Kategorie bunter Hund. Für eine ernsthafte konstruktive Parteiarbeit im Landtag oder auch für eine andere wichtige politische Funktion ist er meiner Meinung nach entbehrlich. Als einfaches Parteimitglied sollte er jedoch herzlich willkommen sein.

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Elias Schneitter

Elias Schneitter lebt in Wien und Tirol. Zahlreiche Publikationen. Zuletzt der Erzählband „Civetta“ (baes) und der Roman „Ein gutes Pferd zieht noch einmal“ (Kyrene Verlag) und der Gedichtband „Zirler Blues“ (baes). Daneben Tätigkeit als Kleinverleger der edition baes (www.edition-baes.com), in der ein Schwerpunkt auf die Veröffentlichung von Literatur aus der US-amerikanischen Subkultur gelegt wird. Schneitter ist Mitbegründer und Kurator beim internationalen Tiroler Literaturfestival „sprachsalz“ (www.sprachsalz.com) bis 2023 in Hall, seit 2024 in Kufstein.

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Otto Riedling

    Er ist der Typ, der sicher NICHT ein „einfaches Parteimitglied“ sein will.

  2. c. h. huber

    schade für die spö um so ein talent! aber klar, selbst schuld. aber mir tuts doch ein wenig leid, dass nur mehr fehlerfreie moralisten überall das sagen haben.

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