Elias Schneitter
Heuschrecken und Vernaderer
Notizen

Erbschaftssteuer

Bei dieser Form der Steuer könnte man sich grundsätzlich fragen: Setzt der Staat das zusätzlich eingenommene Geld vernünftiger ein als ein Erbe, der aus familiären Gründen zu Reichtum gekommen ist? In der öffentlichen Diskussion wird hervorgehoben, dass Einzelne ohne Leistung zu einem flotten Leben in Saus und Braus kommen.

In Österreich gibt es keine Erbschaftssteuer. Bei uns ist es momentan so, dass nicht der Staat abkassiert, sondern die Unzahl von Rechtsanwälten, weil Erbschaftsstreitereien die Regel sind und sich die Erben zumeist bis aufs Blut bekämpfen.

Die lachenden Dritten sind also nicht der Staat, sondern die Rechtsvertreter.


Heuschrecken- und Hyänenplage

Unsere politische Kaste liefert mit seltsamen Statements regelmäßig Futter für eine aufgeheizte Stimmung in der Bevölkerung. Denken wir an Nehammers Hamburger, Stockers Kinderbetreuung oder Rucks Frauenbild.

Ein gefundenes Fressen für unsere Heuschrecken- und Hyänengesellschaft, die sich dann in den Socialmedias über diese weltfremden Kreaturen hermachen können.

Manchmal habe ich den Eindruck, dass unsere Politiker ganz bewusst solche Aussagen ins Volk streuen, um den Leuten Unterhaltung zu bieten und sie von den wirklichen Problemen abzulenken. 

Aber andererseits: wenn unsere gewählten Vertreter aalglatt, unangreifbar und oberflächlich nur nichtssagende Standards von sich geben, dann ist es auch wieder nicht recht.


Anonyme Vernaderung

Wir wissen, dass Oppositionelle und Regimekritiker in Diktaturen wie Russland entweder aus dem Fenster fallen, eingesperrt werden oder das falsche Saftl trinken.

Diese Methoden gibt es in den westlichen Demokratien nicht. Trotzdem scheint irgendetwas faul zu sein in unserer Gesellschaft mit ihrer angeblichen Meinungsfreiheit.

Denn wenn es um Vernaderer geht, wählen diese meist die Form der Anonymität. Wäre es da nicht ehrlicher, den Mund zu halten, wenn man schon zu feige ist, um zu einer Sache zu stehen. 

Bis jetzt ist bei uns noch keiner aus dem Fenster gefallen oder im Gefängnis gelandet.

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Elias Schneitter

Elias Schneitter lebt in Wien und Tirol. Zahlreiche Publikationen. Zuletzt der Erzählband „Civetta“ (baes) und der Roman „Ein gutes Pferd zieht noch einmal“ (Kyrene Verlag) und der Gedichtband „Zirler Blues“ (baes). Daneben Tätigkeit als Kleinverleger der edition baes (www.edition-baes.com), in der ein Schwerpunkt auf die Veröffentlichung von Literatur aus der US-amerikanischen Subkultur gelegt wird. Schneitter ist Mitbegründer und Kurator beim internationalen Tiroler Literaturfestival „sprachsalz“ (www.sprachsalz.com) bis 2023 in Hall, seit 2024 in Kufstein.

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