Elias Schneitter
Haushaltsabgabe für den ORF
Notizen

Viele Pflichten, die uns Staatsbürgern auferlegt werden, Schulpflicht, Wehrpflicht oder Versicherungspflicht, werden gern als Zwang bezeichnet. So auch die ORF Gebühren (€ 15,30 monatlich), da sie von jedem Haushalt, unabhängig davon, ob ein Fernseher dort steht oder nicht, eingehoben werden. Das sorgt für viel Unmut und Wut.

Eine Beziehungsgeschichte, in die drei Personen verwickelt sind, war Auslöser für heftige Kritik am ORF, Kritik an den unverhältnismäßigen Gehältern, dem unausgewogenen Programm, an der fehlenden Objektivität, an der Linksgrünlastigkeit und natürlich an den  Zwangsabgaben und so weiter und so fort. Wenn in Österreich Kritik geübt wird, dann wird gern gleich die ganze betroffene Institution in Frage gestellt. 

Nun gehöre ich nicht zu jenen, wie mein Freund Helmuth Schönauer, der in einem Beitrag meinte, der ORF sei nicht reformierbar.

Man kann es drehen und wenden, wie man will: der ORF als öffentlich-rechtlicher Sender ist für Österreich unabdingbar. Und um einmal eine Lanze für den Großteil der Mitarbeiter zu brechen: Beim ORF arbeiten viele kluge Journalisten und der ORF bietet auch gute Programme. Um es salopp auszudrücken: Nicht nur Defraudanten, Faulpelze und Freunderln arbeiten bei diesem Sender.

Auch zu glauben, wie es dauernd gefordert wird, dass nur unpolitische Menschen, die keiner Partei angehören oder ohne politische Gesinnung sind, im ORF arbeiten sollen, ist natürlich totaler Schwachsinn. Das wird es nie geben und soll es auch nicht geben. Man kann allerdings über mehr Ausgewogenheit diskutieren. Okay.

Oft habe ich den Eindruck, dass inzwischen Menschen, die sich zu einer Partei bekennen, Menschen zweiter Klasse sind. Interessant dabei ist, dass vor allem Parteimenschen fordern, dass keine Parteimenschen in einem öffentlich rechtlichen Sender das Sagen haben dürfen. Siehe Westenthaler. 

Sollte also die Haushaltsabgabe fallen und durch Gelder aus dem Budget ersetzt werden, was ist dann? Dann ist der Sender von den Regierenden abhängig. Einen Staatsfunk hatten wir in den 1960-Jahren ja schon, ehe Gerd Bacher, Helmut Zilk und Hugo Portisch dem ein Ende setzten. 

Nur private Fernsehanstalten, die ausschließlich von Werbeeinnahmen leben müssen, können sicher keine Option sein. 

Neulich bin ich in meinem Beisl in Wien gewesen. Ein Stammgast ereiferte sich über die unsozialen Maßnahmen der Regierung und vor allem über den ORF Beitrag, den er nicht mehr bereit sei zu bezahlen. Dann kamen wir auf die Fußball WM zu sprechen. Er meinte, er freue sich schon darauf. Er habe nämlich Sky und DAZN abonniert. Monatlich ca 70 €. Die zahlt er freiwillig und gern für Fußball.

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Elias Schneitter

Elias Schneitter lebt in Wien und Tirol. Zahlreiche Publikationen. Zuletzt der Erzählband „Civetta“ (baes) und der Roman „Ein gutes Pferd zieht noch einmal“ (Kyrene Verlag) und der Gedichtband „Zirler Blues“ (baes). Daneben Tätigkeit als Kleinverleger der edition baes (www.edition-baes.com), in der ein Schwerpunkt auf die Veröffentlichung von Literatur aus der US-amerikanischen Subkultur gelegt wird. Schneitter ist Mitbegründer und Kurator beim internationalen Tiroler Literaturfestival „sprachsalz“ (www.sprachsalz.com) bis 2023 in Hall, seit 2024 in Kufstein.

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