Elias Schneitter
Fußfrei im Polstersessel
Eine kleine Sommersatire

Inzwischen habe ich den Eindruck gewonnen, dass es in Österreich nicht nur neun Millionen Fußball-Bundestrainer gibt, sondern auch neun Millionen Bundeskanzler und Bundeskanzlerinnen.

Hört man sich die Polit-Diskussionen im Bekanntenkreis und am Stammtisch an, dann kann man feststellen, dass an der aktuellen Politik der Regierenden grundsätzlich kein gutes Haar gelassen wird: Totale Ablehnung und Unzufriedenheit mit allen beschlossenen Maßnahmen, verbunden mit der Überzeugung, alles anders und viel besser zu machen.

Natürlich: Stammtisch ist Rechthaberei und zu ihm gehören Fundamentalkritik und Selbstüberschätzung.

Häufig frage ich mich, woher diese Stimmung kommt und warum das so ist. Nun, ich gehöre zu den Steinzeitmenschen, was den Medienkonsum betrifft. Ich lese und informiere mich noch regelmäßig in den etablierten Medien. Zeitungen, Fernsehen, Radio. Mit den neuen Kanälen habe ich es nicht unbedingt.

Wenn ich die Arbeit der Journalisten und Medienhäuser etwas distanziert betrachte, dann stelle ich fest, dass auch sie, ein wenig verschieden in Ton und Schärfe, sich bei der Bewertung und Beurteilung der regierenden Politiker und deren Politik nicht viel anders äußern als die Leute am Stammtisch.

Mir drängt sich der Eindruck auf, dass Medienarbeiter ihr berufliches Selbstverständnis fast nur noch darin sehen, stets als Kritiker und Nörgler aufzutreten. Nun, niemand will zur Hofberichterstattung von Parteimedien zurückkehren, aber häufig frage ich mich schon, warum werden Themen nicht differenzierter, mit mehr Hintergrundwissen, mit mehr Abwägung der positiven und negativen Seiten vermittelt? Warum wird fast ausschließlich einseitig nur das vermeintlich Negative in den Vordergrund gestellt?

Warum, denke ich mir da, übernehmen all die Kritikaster, die genau Bescheid wissen, nicht das Ruder im Land, sodass wir dann endlich in paradiesischen Zuständen leben dürfen? Warum weigern sie sich das zu tun? Eigentlich ist es unverantwortlich.

Manchmal stelle ich mir dann auch vor, wie Österreich ausschauen würde, wenn ein Herr Filzmaier Bundeskanzler, ein Armin Wolf Bundespräsident und Herr Wolfgang Fellner Frauenminister wäre.

Natürlich nur so Gedanken, die der momentan herrschenden Sommerhitze zuzuschreiben sind. Aber manchmal muss man ins Satirische und Humoristische ausweichen, das ist immer ein guter und letzter Rettungsanker.

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Elias Schneitter

Elias Schneitter lebt in Wien und Tirol. Zahlreiche Publikationen. Zuletzt der Erzählband „Civetta“ (baes) und der Roman „Ein gutes Pferd zieht noch einmal“ (Kyrene Verlag) und der Gedichtband „Zirler Blues“ (baes). Daneben Tätigkeit als Kleinverleger der edition baes (www.edition-baes.com), in der ein Schwerpunkt auf die Veröffentlichung von Literatur aus der US-amerikanischen Subkultur gelegt wird. Schneitter ist Mitbegründer und Kurator beim internationalen Tiroler Literaturfestival „sprachsalz“ (www.sprachsalz.com) bis 2023 in Hall, seit 2024 in Kufstein.

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Anni und Siggi Baumgartner

    Lieber Elias, du hast es auf den Punkt gebracht, wir teilen deine Ansichten voll und ganz. Weiter so. Glg Anni und Siggi.

  2. c. h. huber

    war das immer schon so, dass man nur das vermeintlich negative an der politik und den politikerInnen sah? das frage ich mich. wir vergessen anscheinend, wie gut es uns im vergleich mit anderen ländern geht und sehen nur das haar in der suppe. das soll natürlich nicht übersehen werden, klar. aber … doch vermutlich gäbs sonst zu wenig zum (ab)schreiben und reden für journalistInnen?

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