Elias Schneitter
Flüchtlinge raus!
Und dann ist die Welt wieder in Ordnung.
Notizen

Wenn es wirtschaftlich nicht so richtig läuft, kommen in der öffentlichen Diskussion reflexartig die zu hohen Sozialleistungen aufs Tapet. Im Besonderen natürlich die Ausgaben für die Flüchtlinge. Diese müssen überhaupt bei allen Problemen herhalten: ob es bei der Bildung, der Kriminalität und jetzt auch beim angeschlagenen Gesundheitssystem der Fall ist.

Der Vorwurf lautet, dass Menschen Leistungen erhalten, die noch nie in das System eingezahlt haben. Die Kronenzeitung hat sich groß diesem Thema in reißerischer und undifferenzierter Form angenommen und aufgelistet, was Flüchtlinge und Migranten in den letzten zehn Jahren den Krankenanstalten gekostet haben.

Abgesehen davon, dass die vorgelegten Zahlen und Fakten mehr als zu hinterfragen sind, ging es den Redakteuren und den Herausgebern vor allem um böse Stimmungsmache gegen Flüchtlinge und Migranten.

Inzwischen hat auch unser Herr Bundeskanzler darauf reagiert und fordert jetzt die Reduktion medizinischer Leistungen für diese Personengruppe.

Dass solche Maßnahmen wenig zielführend sind, zeigt das Beispiel in Deutschland, wo solche Einsparungen umgesetzt wurden, mit der Folge, dass die Folgekosten der billigeren Behandlung dann bedeutend höher ausgefallen sind.

Grundsätzlich, denke ich, geht’s bei diesen Kürzungen weniger um die Kosten, als vielmehr um die Flüchtlingsproblematik überhaupt. Denn ich wage einmal zu bezweifeln, dass Länder wie Ungarn, die keine Flüchtlinge aufnehmen, gesellschaftlich besser dastehen als Österreich oder Deutschland, die weitaus am meisten für Flüchtlinge getan haben und tun, während sich andere Nationen recht galant abgeputzt haben.

Aber: – und das ist nachvollziehbar – es scheint bei den Österreichern inzwischen eine Grenze an Hilfeleistungen und Unterstützung erreicht worden zu sein. Das starke Gefühl einer Überforderung der Gesellschaft macht sich breit.

Neulich habe ich im Fernsehen die Nationalrätin Frau Dr. Dagmar Belakowitsch gehört, die – fast schon mit Schaum vor dem Mund – auch ganz heftig medizinische Leistungskürzungen für Flüchtlinge eingefordert hat.

Da habe ich mich gefragt, wie diese Frau Doktor der Medizin es mit dem Hippokratischen Eid hält. Jedenfalls wäre sie für mich gewiss keine Ärztin meines Vertrauens. Um ihre Ordination würde ich einen großen Bogen machen.

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Elias Schneitter

Elias Schneitter lebt in Wien und Tirol. Zahlreiche Publikationen. Zuletzt der Erzählband „Civetta“ (baes) und der Roman „Ein gutes Pferd zieht noch einmal“ (Kyrene Verlag) und der Gedichtband „Zirler Blues“ (baes). Daneben Tätigkeit als Kleinverleger der edition baes (www.edition-baes.com), in der ein Schwerpunkt auf die Veröffentlichung von Literatur aus der US-amerikanischen Subkultur gelegt wird. Schneitter ist Mitbegründer und Kurator beim internationalen Tiroler Literaturfestival „sprachsalz“ (www.sprachsalz.com) bis 2023 in Hall, seit 2024 in Kufstein.

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