Elias Schneitter
Entbürokratisierung
Das ginge wirklich einfacher.
Notizen

Sepp Schellhorn, ein in meinen Augen sehr engagierter Unternehmer und Politiker, ist in der neuen Regierung als Staatssekretär auch für Entbürokratisierung zuständig. Seit mehr als zwanzig Jahren bin ich Mitorganisator beim internationalen Tiroler Literaturfestival sprachsalz. Vor dem Hintergrund dieser langjährigen Erfahrung möchte ich einen Vorschlag zur Verringerung des bürokratischen Aufwands machen. Ich denke, dass es vielen anderen Vereinen ähnlich wie sprachsalz ergeht.

sprachsalz wird dankenswerter Weise von verschiedenen öffentlichen Stellen gefördert, konkret von der Stadt Kufstein, dem Land Tirol, dem Bundesministerium für Kunst, dem Tourismusverband Kufsteiner Land und der Literarmechana. (Trotz Sparkurses wurden dieses Jahr – und dafür sind wir sehr dankbar – bei sprachsalz keine Kürzungen vorgenommen).

Wenn wir jedes Jahr darangehen, unsere Bilanz, die Ausgaben-Einnahmenrechnungen, Belege, Jahresrückblick, Bericht der vereinsinternen Rechnungsprüfer etc. zusammenzustellen, müssen wir mit jedem Geldgeber einzeln abrechnen. Das ist aufwändig und ich frage mich, ob es nicht möglich wäre, dass zumindest bei den öffentlichen Stellen eine Institution alle Unterlagen prüft und diese Prüfung dann auch für alle anderen öffentlichen Einrichtungen ihre Gültigkeit hat. 

Ich denke, dass dies für viele Kultur- und Kunstvereine in der Größenordung von sprachsalz eine Vereinfachung sowohl für die Prüfstellen als auch für die Vereine selbst darstellen würde.

Weiters könnte man sich auch überlegen ob man nicht die Ansuchen für die Förderungen etwas durchforsten könnte. Bei sprachsalz organisieren wir zum Beispiel gemeinsam mit der städtischen Bibliothek Kufstein zwei Begegnungen/Lesungen für Kinder. Dafür ist es notwendig, dass wir ein eigenes Kinderschutzprogramm vorlegen müssen, ebenso sind Fragen zu beantworten, welchen Nutzen sprachsalz für die Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern erbringt und welche Maßnahmen für den Klimaschutz vorgesehen sind.

Da fragt man sich schon: sind solche Anforderungen für ein mittelgroßes Festival mit jährlich ca 4000 Besuchern wirklich notwendig?

AD Bankvorgaben
Seit letztem Jahr ist es auch Vorschrift, dass bei Banküberweisungen die Adresse und die Kontonummer genau übereinstimmen müssen. Wir haben ca. 50 fördernde Mitglieder, die jährlich ihren Beitrag überweisen. Da kommt es dauernd zu Nachfragen, da die Adresse und die Kontonummer nicht genau übereinstimmen. Wir haben zusammen mit der Bank nun vereinbart, dass mehrere Adressen verwendet werden können, ohne dass es gleich rot aufscheint. Auch hier frage ich mich: Was hat das für einen Sinn – außer sinnlosen Mehraufwand zu produzieren.

Ich möchte auch hinzufügen, dass die sechs Organisatoren von sprachsalz sämtliche Arbeiten ehrenamtlich erledigen, also keine Honorare beziehen, und dass das Festival von den Besuchern keinen Eintritt verlangt.

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Elias Schneitter

Elias Schneitter lebt in Wien und Tirol. Zahlreiche Publikationen. Zuletzt der Erzählband „Civetta“ (baes) und der Roman „Ein gutes Pferd zieht noch einmal“ (Kyrene Verlag) und der Gedichtband „Zirler Blues“ (baes). Daneben Tätigkeit als Kleinverleger der edition baes (www.edition-baes.com), in der ein Schwerpunkt auf die Veröffentlichung von Literatur aus der US-amerikanischen Subkultur gelegt wird. Schneitter ist Mitbegründer und Kurator beim internationalen Tiroler Literaturfestival „sprachsalz“ (www.sprachsalz.com) bis 2023 in Hall, seit 2024 in Kufstein.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Bernhard Kathan

    Lieber Elias,

    da kann ich dir nur beipflichten. Es wären noch weitere Möglichkeiten denkbar, etwa qualitative Kontrollverfahren statt der Erbsenzählerei. Ich kann mich an manche Projekte im Kulturbereich erinnern, bei denen die Angaben in Endberichten (Besucherzahlen, Geld- und Sachaufwand) erheblich von der tatsächlichen Durchführung abwichen, sogar an Veranstaltungen, die in Endberichten angegeben waren, tatsächlich aber nie stattfanden. Ob ein Projekt funktioniert oder nicht, das lässt sich bei einem Augenschein besser erkennen als anhand von Endberichten und Abrechnungen. Und dann gibt es auch noch eine Reihe sehr brauchbarer Indikatoren. Natürlich wären auch die Antragsteller- bzw. Förderungsnehmer in die Pflicht zu nehmen. Tut man als ob, so tut das Projekten nie gut. Ich habe zum Beispiel in jedem Endbericht geschrieben, was gegen alle Erwartungen schlecht oder gar nicht funktioniert hat. Meine Haltung war immer: „Öffentliche Gelder verpflichten“. Natürlich habe ich Kulturabteilungen gegenüber immer wieder Verbesserungsvorschläge gemacht, auch was Abrechnungen betrifft. Lehnt man dann auch noch bewilligte Beträge ab, da sie einer Beleidigung gleichkommen, und empfiehlt, diesen Betrag doch besser für die interne Weiterbildung zu verwenden, Mitarbeiter etwa in die eine oder andere Ausstellung, in das eine oder andere Konzert zu schicken, dann macht man sich keine Freunde, schon gar nicht in der Tiroler Kulturabteilung.

    Mit lieben Grüßen

    Bernhard Kathan

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