Elias Schneitter
Die Trotteln / Die großen Wünsche
von uns kleinen Menschen
Zwei Gedichte
Die Trotteln
In einem Café im Tiroler Unterland
hat ein ehemals hoher und angesehener
Politiker in einer Vormittagsrunde
gemeint:
Das Problem der Demokratie ist,
dass zu viele Trotteln wählen gehen.
Stimmt.
Nur wer sind die Trotteln?
Ich? Du? Wir?
Ich nicht. Du nicht. Wir nicht.
Immer die anderen?
Ja, es ist nicht so einfach
mit den Trotteln.
Also, wer sind die Trotteln nun?
Die großen Wünsche von uns kleinen Menschen
Wir wollen Schnitzel und Leberkäse verzehren
natürlich ohne Tierleid zu produzieren
Wir wollen eine Mobilität für jedermann
aber ohne Straßenlärm und Umweltvergiftung
Wir wollen Strom aus der Steckdose
aber ohne Windrad und Kraftwerk in unserer
Umgebung
Wir wollen Sieger und Gewinner
aber ohne traurige Verlierer
Wir wollen im Grünen leben
aber mit der Infrastruktur einer Großstadt
Wir wollen ein langes Leben
aber ohne die Qualen des Alterns
Wir wollen anständige Politiker
auch wenn wir es bei uns selbst
nicht so genau nehmen
Wir wollen einen fetten Schweinsbraten am Teller
aber ohne Kalorien und ohne Cholesterin
Wir wollen für andere Da-Sein
nur ist unsere Zeit sehr begrenzt
Wir wollen einschneidende Reformen
aber nur solche
die nicht auf unsere Kosten gehen
Wir wollen Ruhe und Lebensfreude
obwohl wir dauernd alles kritisieren
und unentwegt schimpfen und fluchen
Wir wollen Frieden und Völkerverständigung
und führen einen Krieg nach dem anderen
Wir wünschen uns für alle ein Leben im Paradies
auch wenn wir genau wissen
dass diese Wünsche nie in Erfüllung gehen werden
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