Elias Schneitter
Der Mauerfall und die unerwarteten Folgen
Notizen
Idealismus und Politik passen nicht zusammen. Das kann man deutlich an der Entwicklung Europas seit dem Ende des Kalten Krieges erkennen.
Wie groß war die Freude, als 1989 die Berliner Mauer und der Eiserne Vorhang fielen. Der Westen mit seinen viel gepriesenen Werten von Freiheit, Gleichheit und Menschenrechten fühlte sich als großer Gewinner. Eine friedliche Zukunft, wirtschaftliche Prosperität und sicherer Wohlstand für die breiten Massen, sollten die Folge sein.
Inzwischen sind diese großen idealistischen Ziele einer harten Realität gewichen. Wir haben Krieg in Europa mit Hunderttausenden Toten und Verkrüppelten, ein Mörderregime im Osten, das sich vom Westen bedroht fühlt und dem jedes Mittel recht ist, Unfrieden, Hass und Menschenverachtung einzusetzen, um ihr früheres Zarensystem wieder herzustellen.
Wir im Westen sind nach dem Zweiten Weltkrieg mit der Schutzmacht der USA zu einem noch nie dagewesenen Wohlstand gekommen. Während die Amerikaner viel Geld in Rüstung und Kriegsmaterial investierten, feierten wir die Friedensbewegung, beschimpften die Weltpolizei in Übersee, während wir unser Geld in wirtschaftlichen Fortschritt und viele soziale Errungenschaften stecken konnten.
Zudem spielten wir uns als die großen Moralisten auf. Das Ganze ist inzwischen aber ziemlich in die Hose gegangen.
Jetzt zeigen uns die USA das Hinterteil und wir werden von Russland bedroht, das sich vom schwachen, dekadenten, heruntergekommenen Westen angegriffen fühlt. Interessant eigentlich der Widerspruch, dass die starken, gesunden Russen vor den schwachen Westlern Angst haben. Aber gut, über Propaganda braucht man nicht lange nachzudenken.
Jetzt ist bei uns die totale Aufrüstung, die Kriegstauglichkeit das Gebot der Stunde. Hunderte Milliarden werden in die Verteidigung investiert. (Es geht immer um Verteidigung. Alle verteidigen sich, nie ist jemand Aggressor!) Was das weiter bedeutet, kann man sich vorstellen. Die goldenen Jahre des Westens sind damit vorbei.
Die hehren Ziele, der europäische Weg voll von Idealen, der eigentlich vernünftig gewesen wäre und immer noch ist, können vorderhand als gescheitert gelten.
In den letzten knapp zwanzig Jahren stand der Westen vor heftigen Krisen. 2008 die Finanzkrise, 2014 der Beginn des Einmarsches Russlands in der Ukraine, 2015 Flüchtlingskrise, 2020 Pandemie, 2022 Ukrainekrieg und jetzt kommt noch, dass die USA mit Putins Regime packelt und dass auch in Europa politisch eine radikale Änderung Platz greift, bei der für alle Probleme des Westens die Flüchtlinge herhalten müssen.
Denkt man an die großen Hoffnungen und den Idealismus, der am Ende des Kalten Kriegs stand, dann wurden wir eines Schlechteren belehrt.
Jedenfalls gehen wir gefährlichen Zeiten entgegen. Und wenn man die Zeitenwende in einem Satz zusammenfassen müsste, könnte man sagen: Wir leben inzwischen wieder geistig im Mittelalter, nur mit den technischen Möglichkeiten des 21. Jahrhunderts.
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Lüge, Esoterik und Spiritismus (oder Trinkspiritus?) haben wieder Saison. Das Zeitalter der Vernunft, das zumindest den Versuch einer kollektiven Sicherheit in einer regelbasierten Ordnung herstellen wollte, wird vom Zeitalter der Lüge und der Gier abgelöst. Autokraten und Möchtegernsolche versprechen populistisch das Blaue vom Himmel, nur um sich dann nach dem Vorbild Orbáns möglichst umfassend selbst zu bereichern. Kickl, Putin, Xi und Trump fühlen sich nicht der Menschheit verpflichtet, sondern der Mehrung ihrer eigenen Macht und ihres unsagbaren Reichtums.