Elias Schneitter
Das Literaturfestival Sprachsalz
Wie alles entstanden ist.
Notizen

Das internationale Tiroler Literaturfestival sprachsalz geht heuer in die 23. Runde. 14 Autorinnen und Autoren werden vom 12.09. bis 14.09.2025 im Kufsteiner KulturQuartier am Theaterplatz aus ihren Arbeiten vortragen.

Als 2003 die Stadt Hall Heinz D. Heisl (er ist gebürtiger Haller) bat, eine Literaturveranstaltung zu organisieren, sagte er sofort zu. Hintergrund für dieses Angebot war, dass die Stadt ein ganzes Jahr lang Festveranstaltungen anlässlich der 700-jährigen Stadterhebung durchführte.

Geplant war sprachsalz ursprünglich als ein einmaliges Event. Finanziell wurde es von öffentlichen Stellen gefördert. Damit konnten wir loslegen. Den Namen sprachsalz hatte Magdalena Kauz kreiert, die neben Max Hafele, Robert Renk und mir zum Anfangsteam gehörte.

Wir haben damals schon öfters andere Literaturfestivals besucht wie in Rauris oder im schweizerischen Leukerbad. Dieses Festival, von Rico Bilger geleitet, haben wir als Vorbild für unser sprachsalz genommen.

Bei der ersten Auflage im neu errichteten Parkhotel wussten wir nicht, ob es auch bei uns in Tirol funktionieren würde. Wir hatten sehr gemischte Gefühle und ich erinnere mich noch gut an das Gespräch am Vorabend mit Alois Hotschnig an der Bar des Parkhotels.

Es war geplant – und diese Tradition haben wir bis heute beibehalten – dass sprachsalz immer von einem Tiroler Autor oder Autorin eröffnet werden soll. 2003 eben mit Alois Hotschnig, und wir zwei vereinbarten, dass die Lesung nur stattfinden würde, wenn zumindest fünf Besucher kommen würden.

Am nächsten Tag, eine Stunde vor Beginn, kam die Pendeltür zum Parkhotel nicht mehr zum Stillstand. Die erste Lesung fand im vollen Saal statt. Ähnlich gut besucht waren dann auch die folgenden Lesungen, sodass wir uns entschlossen, das Festival auch im nächsten Jahr wieder zu organisieren.

Wenn ich heute zurückdenke, dann habe ich so viele wunderbare Begegnungen mit Literaturmenschen in Erinnerung, von denen ich noch heute zehre. Da waren viele lange Nächte dabei, besonders in den ersten Jahren bei Herrn Franz in der Dianabar oder an der Bar des Parkhotels oder beim legendären Schnitzelessen als Abschluss im Gasthaus Aniser.

Nach der ersten Dekade gerieten wir kurzfristig in unruhige Gewässer. Ein Vorstandsmitglied glaubte mit anderen externen Helfern das erfolgreiche Festival auf hinterfotzigste Art und Weise kappen und uns ausbooten zu können. Es blieb keine andere Wahl als vor Gericht zu gehen, wo wir in allen Punkten Recht bekamen und den Rebellen eine totale Abfuhr erteilt wurde.

Die nächste Hürde bereitete uns die neugewählte Stadtführung von Hall vor zwei Jahren, die uns mit einem heftigen Sparkurs ins Abseits stellen wollte. Beinahe wäre das gelungen und kurze Zeit waren wir ratlos und dachten schon daran, sprachsalz zu Grabe zu tragen.

Über Vermittlung des Tirol Krone Redakteurs Hubert Berger eröffnete uns die Stadt Kufstein eine neue Zukunft. Bürgermeister Krumschnabel, Stadtrat Reitberger und der Kulturausschuss zeigten großes Interesse und erstaunliches Entgegenkommen.

Kufstein und das Kufsteinerland gehören inzwischen im kulturellen Bereich zu den spannendsten Regionen im Alpenland. Dort sind Leute in Politik, Tourismus, Wirtschaft und engagierte Kunstschaffende am Werk und leisten Erstaunliches.

Nun steht also die 23. Ausgabe vor der Tür. Es ist wieder gelungen, ein großartiges Programm zusammenzustellen. Namhafte Autorinnen und Autoren wie Dacia Maraini, Durs Grünbein, Viktor Jerofejew, Johan Harstad, Franz Hohler, um nur einige zu nennen stehen dem Publikum mehrere Tage bei freiem Eintritt zur Verfügung.

In den letzten 23 Jahren haben wir mehr als dreihundert namhafte Autoren und Autorinnen aus allen Teilen der Welt nach Tirol gebracht, darunter vier Literaturnobelpreisträger, sowie Pulitzer-, Bookaward- und Büchnerpreisträger. Das war nur möglich, weil die vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter mit Freude und viel Herz dabei sind.

Also kommen Sie auch heuer wieder zu unseren besonderen Tagen der Literatur in Kufstein. Detailprogramm und weitere Infos zu sprachsalz 2025 unter: www.sprachsalz.com oder: https://bit.ly/sprachsalzpresse

Fotorechte: Daniel Jarosch


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Elias Schneitter

Elias Schneitter lebt in Wien und Tirol. Zahlreiche Publikationen. Zuletzt der Erzählband „Civetta“ (baes) und der Roman „Ein gutes Pferd zieht noch einmal“ (Kyrene Verlag) und der Gedichtband „Zirler Blues“ (baes). Daneben Tätigkeit als Kleinverleger der edition baes (www.edition-baes.com), in der ein Schwerpunkt auf die Veröffentlichung von Literatur aus der US-amerikanischen Subkultur gelegt wird. Schneitter ist Mitbegründer und Kurator beim internationalen Tiroler Literaturfestival „sprachsalz“ (www.sprachsalz.com) bis 2023 in Hall, seit 2024 in Kufstein.

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