Elias Schneitter
Das Gewicht der Welt
Oder:
Warum uns allen schwindlig wird.
Ein Wirtshausdialog
(In einer alten Tiroler Gaststube wie es sie heutzutage kaum noch gibt. Hans und Karl sind zwei kernige Tiroler Wirtshausphilosophen. Beide etwas angeheitert, aber nicht total besoffen. Sie sprechen natürlich Dialekt, der aber aus Gründen der Verständlichkeit nicht verwendet wird.)
Karl: Du Hans.
Hans: Ja Karl.
Karl: Hast du dich eigentlich nie gefragt, wohin das ganze Erdöl geht, das sie aus der Erde pumpen?
Hans: Wo soll das hingehen? Die Autos und die Ölheizungen blasen es in die Luft. Und zwar so lang, bis uns allen schwindlig wird.
Karl: Das weiß ich auch.
Hans: Aber?
Karl: Aber was mich interessieren würde, ist: was passiert mit den vielen Hohlräumen, von wo das Erdöl heraufgepumpt wird.
Hans: Wie meinst du das?
Karl: Hast du dir noch nie die Frage gestellt, was mit den riesigen Hohlräumen da unten in der Erden passiert.
Hans: Was soll da passieren?
Karl: Irgendwann muss das doch alles einbrechen.
Hans: Aha. Da hast du nicht ganz Unrecht. Was passiert da wirklich?
Karl: Ja, was passiert da wirklich?
Hans: Keine Ahnung. Aber wie auch immer. Auf alle Fälle haben wir auf der Welt heroben wegen dem G’stank eine Luft, dass einem andauernd schwindlig wird.
Karl: Richtig. Aber das mit dem Erdöl hat noch eine andere Seite.
Hans: Neben dem Schwindel und die Löcher?
Karl: Natürlich. Die Frage mit dem Gewicht.
Hans: Was für ein Gewicht?
Karl: Das Gewicht der Welt.
Hans: Was?
Karl: Das Gewicht der Welt.
Hans: Das verstehe ich jetzt aber nicht. Was meinst du damit?
Karl: Stell dir vor, Millionen und aber Millionen von Tonnen an Erdöl werden in die Luft geblasen, dann muss die Welt doch leichter werden. Das ist doch logisch.
Hans: Eigentlich schon, möchte man meinen.
Karl: Aber sicher.
Hans: Zum Schluss wird die Welt noch so leicht, vor lauter Erdölverlust, dass sie aus der Umlaufbahn fliegt.
Karl: Bitte hör auf, mir ist ohnehin so schon schwindlig.
Hans: Und wenn man sich das Ganze genauer anschaut, rein physikalisch, dann müsste sich die Welt doch auch immer schneller drehen, je leichter sie wird.
Karl: Was? Was?
Hans: Aber es ist doch so oder?
Karl: Irgendwie schon, aber bitte hör jetzt auf mit der Unterhaltung, weil sonst wird mir gleich noch schwindliger.
Hans: Vielleicht ist dir deshalb immer so schwindlig, weil sich die Welt schon jetzt immer schneller und schneller dreht wegen dem fehlenden Gewicht.
Karl: Ja schon, aber andererseits gibt’s auf der Welt immer mehr Menschen und fetter werden die auch immer.
Hans: Das ist auch wieder wahr, aber fetter werden sie nur bei uns da, in der Sahel Zone schaut’s anders aus.
Karl: Aber trotzdem, vielleicht wird’s sich schon noch irgendwie ausgehen.
Hans: Ja eh. Auskennen tut sich auf der Welt ohnehin niemand mehr.
Karl: Aber wenn man sich vorstellt, dass es immer noch mehr Menschen werden, dann müssten doch eigentlich diese riesigen Löcher, da wo das Erdöl herausgepumpt worden ist, erst recht einbrechen, durch den ganzen Druck.
Hans: Nach Adam Riese schon.
Karl: Aber sicher. Irgendwann wird’s halt einen Rumpler machen und alles wird tschari sein.
Hans: Genau so wird’s sein.
Karl: Anders kann ich mir’s nicht vorstellen mit den riesigen Hohlräumen vom Erdöl und dem Gewicht der Welt.
Hans: Aber heut haben wir wieder eine Unterhaltung, verflucht noch amal, kein Wunder, dass uns andauernd schwindlig wird, bei diesen Gedanken.
Karl: Ja, da ist es klüger ein Schnapsl zu trinken und noch ein kleines Bier, damit der Schwindel nachlässt.
Hans: Gar keine schlechte Idee. Ich glaube auch, dass ein Schnapsl das einzige ist, das da noch hilft.
Karl: Ich, jedenfalls lass’ mir auch noch ein Schnapsl zukommen, denn wer weiß wie lange es noch geht, bis es den großen Rumpler macht.
Hans: Oder bis es uns ins Weltall hinauskatapultiert. Da ist es besser sich noch etwas zukommen zu lassen.
Karl: Richtig. Denn was man gehabt hat, hat man gehabt. Das kann einem keiner mehr wegnehmen.
Hans: So ist es!
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