Elias Schneitter
Darf man zur Kaisersemmel
noch Kaisersemmel sagen?
Markenschutz im Alltag

Kürzlich holte ich mir in einer Bäckerei bei uns im Dorf mein Frühstücksgebäck. Vor mir in der Reihe wurde eine Frau bedient.

Kundin: Ein Kornspitz, bitte.
Verkäuferin: Sie meinen einen Ruetzspitz?
Kundin: Ja, diesen Kornspitz da.

Sie zeigt mit dem Finger auf das Brot.

Verkäuferin: Bei uns heißt das Ruetzspitz. Wir dürfen das Wort Kornspitz nicht mehr verwenden.
Kundin: Gut. Dann einen Ruetzspitz, bitte.

Ich dachte sofort an den Markenschutz und musste ob dieser Situation schmunzeln.

Ich: Ich hätte gerne zwei Kaisersemmel.
Verkäuferin: Sonst noch was?
Ich: freundlich Darf man eigentlich Kaisersemmel noch sagen?
Verkäuferin: etwas verdutzt Warum nicht?
Ich: Es gibt ja keinen Kaiser mehr.

Ich musste an den Schriftsteller Helmut Schiestl denken, der in einer Bäckerei einmal eine Verkäuferin fragte, warum die Kaisersemmel nicht Demokratiesemmel heißt, weil wir jetzt ja in einer Demokratie leben.

Verkäuferin: Außer den Kaisersemmeln noch was?
Ich: Ja, bitte noch ein Butterkipferl.
Verkäuferin: Sie meinen ein Frühstückskipferl.
Ich: erstaunt Jaja. Ein Frühstückskipferl… Sie müssen entschuldigen, ich stamme noch aus einer Zeit, wo man noch Butterkipferl gesagt hat.
Verkäuferin: Kein Problem. 


Im Kino

Im Lichtspieltheater, wenn es dunkel wird
und der Hauptfilm startet,
dann beginnt das Rascheln
der Casali Rum Kokos Plastiksackerln
und der Popcorn Tüten.

Die letzten Besucher huschen herein,
es sind immer diese späten Leute,
die ganz am anderen Ende ihren
Platz haben und es heißt
für alle anderen aufstehen.

Beginnt der Film,
dann startet der Kampf
um die beiden Armlehnen,
links und rechts.

Darum empfiehlt es sich
eine Karte für einen Randplatz
am anderen Ende zu kaufen.

Damit hat man eine Armlehne für sich
und erspart sich das Aufstehen
für die späten Besucher.

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Elias Schneitter

Elias Schneitter lebt in Wien und Tirol. Zahlreiche Publikationen. Zuletzt der Erzählband „Civetta“ (baes) und der Roman „Ein gutes Pferd zieht noch einmal“ (Kyrene Verlag) und der Gedichtband „Zirler Blues“ (baes). Daneben Tätigkeit als Kleinverleger der edition baes (www.edition-baes.com), in der ein Schwerpunkt auf die Veröffentlichung von Literatur aus der US-amerikanischen Subkultur gelegt wird. Schneitter ist Mitbegründer und Kurator beim internationalen Tiroler Literaturfestival „sprachsalz“ (www.sprachsalz.com) bis 2023 in Hall, seit 2024 in Kufstein.

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