Elias Schneitter
Die kleine Bronze am Wiener Westbahnhof
Notizen
Seit Jahrzehnten pendele ich mit dem Zug zwischen Wien und Tirol. Mit dem neuen Wiener Hauptbahnhof habe ich mich bisher noch nie so richtig anfreunden können.
Mir ist nach wie vor der Westbahnhof viel lieber. Obwohl die Waggons bei den ÖBB gemütlicher sind, steige ich zwischendurch auf die westbahn um, weil sie den Westbahnhof anfährt. Der Railjet der ÖBB fährt stets nur den Hauptbahnhof an.
Wenn ich den Westbahnhof für meine Reise wähle, dann komme ich immer an der kleinen Bronzeskulptur vorbei, die rechts beim Haupteingang steht. Sie stellt einen kleinen Buben dar, der auf einem Koffer sitzt.
Es ist ein Denkmal, das daran erinnert, dass hier vom Wiener Westbahnhof aus zehntausende Kinder (vor allem jüdische) aus Österreich, der CSSR und Deutschland vor der Verfolgung der Nazis in Sicherheit nach Großbritannien gebracht worden sind. Das Mahnmal ist als Dank an das britische Volk errichtet worden.
Wann immer ich zum Wiener Westbahnhof komme, pilgere ich zu diesem Jungen auf dem Koffer hin und ich denke mir, dass solche gute Taten nie vergessen werden sollten, und das gibt mir gerade in unserer jetzigen Situation mit den vielen Flüchtlingen zu denken.

Politischer Aschermittwoch
Die politischen Reden zum Aschermittwoch gehören inzwischen zum üblichen Ritual. Ich habe sie mir heuer teilweise angehört.
Herbert Kickl hat in Ried in der Jahnhalle wenig Überraschendes geboten. Die üblichen Rundumschläge, verbale Bombardements, teilweise unter der Gürtellinie, im klagenden Ton eines Beleidigten und humorbefreit.
Bei Kickl ist mir in den Sinn gekommen, dass man im Grunde über sich selbst spricht, wenn man über andere spricht. Seine zahlreichen Anhänger, die Schar der Enttäuschten, waren trotz allem total begeistert.
Unser Bundeskanzler hingegen versuchte sich staatstragend, ruhig, ernst und ziemlich emotionslos zu präsentieren. Man könnte auch sagen: langweilig.
Für die Sozialisten steht im Zentrum ihres Wirkens ja die Solidarität. Die scheint der SPÖ inzwischen völlig abhandengekommen zu sein.
So versuchte der steirische Parteiobmann Max Larcher als Einzelkämpfer in den Ring zu steigen. Von den Spitzen der Bundespartei war niemand dabei. Beim Maxl schien mir, dass er es inhaltlich den Blauen nachmachen wollte, wobei er im Gegensatz zu denen doch versuchte, sich mit etwas mehr Humor und Selbstironie zu präsentieren.
Sehr sympathisch in diesem Zusammenhang die Grünen: Sie verzichteten darauf, bei diesem Aschermittwoch-Schabernack mitzumachen.
Fotorechte: Elias Schneitter
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Bin gestern auch das erste Mal mit der Westbahn von Wien nach Innsbruck gefahren. Kann ich nicht empfehlen. Kein Speisewagen, ein nicht funktionierender Getränke-Automat, bei dem ich mir mittels App ein Gratis-Getränk hätte holen können, wenn er funktioniert hätte, tat er aber nicht. Ein nicht besonders motivierter Mitarbeiter meinte, ich solle einfach zum nächsten Automaten gehen, also einige Waggons weiter. Wahrscheinlich werden die Leute auch nicht gut bezahlt, könnte ich mir denken. Und die Waggons mögen zwar vielleicht feinere Sitze haben, aber diese ständigen Trepp-auf und Trepp-ab-Wanderungen, wenn man eben durch mehrere Waggons gehen muss, sind wohl gerade für ältere oder behinderte Menschen auch nicht gerade kundenfreundlich. Die einzig freundliche Mitarbeiterin war die nette Dame, die mir am Westbahnhof die App eingerichtet hat. Aber das war es dann auch schon. Da fahr ich schon lieber mit den ÖBB und steige halt dann in Meidling um.