Elias Schneitter
Banditen im Netz
Und kranke Männer
Notizen

Neulich habe ich einen Bekannten getroffen, der ganz außer sich vor Wut und Hass auf das Internet und die Verbrecher dort war. Was war geschehen? Er ist Internetbetrügern aufgesessen.

Er besucht gerne Rock- und Popkonzerte, und da hat er von seiner Bank als treuer Kunde zwei Freikarten angeboten bekommen für ein Event, das er sich gern anhören wollte. Arglos lieferte er einige Daten und kurz darauf war sein Konto leergeräumt. Ein ansehnlicher Betrag war weg.

Fast täglich erhalte ich sogenannte Phishing Mails, gerade eben von der OEGK für ein notwendiges update, oder laufend trudeln Mitteilungen ein von meinen Kindern, die eine neue Handynummer haben.

Vor wenigen Tagen wurde einer Bekannten von einer aufmerksamen Bankbediensteten ihre Karte gesperrt. Sie hat ein neues Handy bekommen und Hacker sollen auf ihr Konto eingedrungen sein.

In den Medien wird laufend vor Internetbetrügern gewarnt und über Menschen berichtet, denen teilweise große Beträge auf hinterlistige Weise abgezockt wurden.

In einem großen ZEIT-Artikel wurde über professionelle Betrüger-Netzwerke im südostasiatischen Raum geschrieben, die mit Tricks über vermeintliche Liebschaften Millionenbeträge erwirtschaftet haben sollen.

Nun frage ich mich wirklich: Sind wir nur noch von Kriminellen und Banditen im Netz umgeben? Fast scheint es so. Mein wutentbrannter Bekannter mit den Gratistickets wollte mit hochrotem Kopf das Problem mit den Hackern alttestamentarisch lösen. Wir wissen ja, was mit Dieben dort passiert ist.


Mann und Frau

Ein hoher Wiener Wirtschaftskämmerer hat von der Kronenzeitung und vom Profil einige mediale Watschen mit Rücktrittsaufforderung abkassiert, unter anderem wegen Postenschacher und diskriminierender Aussagen gegen Frauen.

Ein Bekannter hat ihn gebeten, ihm zu helfen, einen anderen Job zu bekommen, weil er mit einer Frau nicht zusammenarbeiten kann.

Auch hat der Kämmerer angeblich den Wirtschaftsminister abschätzig als Sachbearbeiter und Streber bezeichnet. Diese Aussagen sind in einer geselligen Runde, quasi beim Heurigen, getätigt worden.

Wenn man jetzt böse wäre, könnte man den beiden Blättern Stasi-Methoden vorwerfen. Denn was wird in geselligen Runden und beim Heurigen nicht alles geschwafelt! Lustig auch für mich, dass die Aussage wegen der Frau natürlich als diskriminierend dargestellt wurde.

Interessant dabei ist, dass beide Medien in den letzten Wochen Artikel über die große österreichische Dichterin Ingeborg Bachmann publiziert haben. Einer ihrer gefeierten Sätze, die ihr viel Ruhm eingebracht haben, lautet: Alle Männer sind krank.

Würde ein männlicher Dichter so etwas über Frauen von sich geben, ich weiß nicht, ob er dafür auch hochgejubelt würde.

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Elias Schneitter

Elias Schneitter lebt in Wien und Tirol. Zahlreiche Publikationen. Zuletzt der Erzählband „Civetta“ (baes) und der Roman „Ein gutes Pferd zieht noch einmal“ (Kyrene Verlag) und der Gedichtband „Zirler Blues“ (baes). Daneben Tätigkeit als Kleinverleger der edition baes (www.edition-baes.com), in der ein Schwerpunkt auf die Veröffentlichung von Literatur aus der US-amerikanischen Subkultur gelegt wird. Schneitter ist Mitbegründer und Kurator beim internationalen Tiroler Literaturfestival „sprachsalz“ (www.sprachsalz.com) bis 2023 in Hall, seit 2024 in Kufstein.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. c. h. huber

    ehrlich gesagt, gehöre ich auch jener denkweise an, die aussagen beim heurigen oder in sonst geselliger runde nicht ernst nimmt. ja, ich finde auch, wir sind bei stasi-methoden angelangt, wenn alles sofort publiziert und damit in die öffentlichkeit gebracht wird, was wir manchmal daherschwafeln. man will offenbar nur mehr heilige in irgendwelchen öffentlichen ämtern haben, keine menschen. und was äußerungen über frauen betrifft – auch da sollten wir nicht so humorlos sein, auch unter frauen kursieren ja männer diskriminierende aussagen. was der inkriminierte sonst noch alles verbrochen hat, weiß ich nicht, aber mir gehen diese ganzen moralapostel echt auf den keks.

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