Elias Schneitter
Arm und Reich
Ein paar abwegige Gedanken dazu
Notizen

In den Medien wird regelmäßig kolportiert, dass die Reichen in unserem Land laufend reicher und die Armen immer ärmer werden. Darum wären Steuern für Millionäre die logische Folge. Dafür ist die Mehrheit der Wählerschaft leicht zu gewinnen.

Die Zustimmung zu diesen neuen Steuern sieht dann aber sofort anders aus, wenn die Pläne der Politik dazu etwas konkreter werden. Da kann ruhig behauptet werden, dass 98 % der Bevölkerung nicht betroffen sein würden, nur der misstrauische Österreicher lässt sich dadurch nicht beruhigen. Zu groß sind seine Bedenken, dass schlussendlich auch er davon betroffen sein könnte. 

Man kennt die Politik. Zum Schluss erwischt es dann stets den Mittelstand. Das war schon immer so, denn die untere Gesellschaftsschicht zahlt keine Einkommen- und Lohnsteuern und die da oben wissen es sich stets zu richten.

Aber wofür braucht der Staat immer mehr Geld? Für die innere Sicherheit? Für den üppigen Sozialstaat? Für das Bildungssystem? Für das Gesundheitssystem? Für die Migranten und Asylanten aus aller Herren Länder? Für die Förderungen der Landwirtschaft, der Kultur und Kunst? 

Alle wollen Gelder vom Staat, und der Staat braucht immer mehr Geld, um diesen Forderungen nachzukommen, und darum braucht er immer mehr Einnahmen, um die Mäuler der Staatsbürger zu stopfen.

Es kommt zwar stets der kluge Gedanke auf, dass man auch bei den Ausgaben sparen könnte, aber das ist unmöglich, weil sich das Wahlvolk das nicht gefallen lassen würde. Bei jeder Kürzung steht das Wohl des Abendlandes auf dem Spiel. So muss die Steuerschraube angehoben werden.

Natürlich ist jedermann von sich selbst überzeugt, zu viel Steuern zu bezahlen. Sollen jene mehr beitragen, die mehr haben. Und haben tun immer die anderen mehr. Wir leisten ohnehin schon so viel für den Staat, weil er ohne uns das ganze System gar nicht aufrechterhalten könnte. So ist es!

Trotzdem ist üblich geworden, dass alle zum Staat rennen. Alle brauchen den Staat. Wenn die Inflation steigt, dann soll der Staat dies mit Förderungen ausgleichen. Geht der Benzinpreis hinauf, Papa Staat soll die Erhöhungen schlucken. Er soll alles und jeden unterstützen, andererseits dafür aber möglichst keine Steuern einheben. 

Da der Staat inzwischen immer mehr vom Einkommen seiner Bürger auffrisst, sinkt natürlich die Leistungsbereitschaft. Da dadurch das verdiente Geld nicht mehr zum Leben ausreicht, braucht es wieder den Staat, um das Schiff flott zu bekommen. Die Miete, das Auto, die Lebensmittel und die Urlaubsreisen müssen bezahlt werden.

Auf Selbstbestimmung und auf Eigenverantwortung zu setzen, diese Zeiten sind vorbei. Die Schuld daran trägt der Staat mit seiner Steuerbelastung.

Apropos Erbschafts- und Millionärssteuern. Wie soll das administriert werden? Lohnt sich schlussendlich der ganze Aufwand überhaupt? Und die, die wirklich Geld haben, verlagern es ins Ausland. Was kommt dann schlussendlich dabei heraus? Nichts. Oder zumindest zu wenig.

Schließlich muss man sich auch einmal fragen, wie weit geht eigentlich die gesellschaftliche Solidarität? Ab welchem Punkt führt sie ins Leere, wie eine überdrehte Schraube?

Die durchschnittliche Steuer- und Abgabenquote (inkl. Sozialversicherung) ist in Österreich eine der höchsten in der EU und liegt bei rund 43,5 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Für einen Single-Haushalt mit Durchschnittsverdienst macht die Gesamtbelastung sogar 47,2 % der gesamten Arbeitskosten aus.

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Elias Schneitter

Elias Schneitter lebt in Wien und Tirol. Zahlreiche Publikationen. Zuletzt der Erzählband „Civetta“ (baes) und der Roman „Ein gutes Pferd zieht noch einmal“ (Kyrene Verlag) und der Gedichtband „Zirler Blues“ (baes). Daneben Tätigkeit als Kleinverleger der edition baes (www.edition-baes.com), in der ein Schwerpunkt auf die Veröffentlichung von Literatur aus der US-amerikanischen Subkultur gelegt wird. Schneitter ist Mitbegründer und Kurator beim internationalen Tiroler Literaturfestival „sprachsalz“ (www.sprachsalz.com) bis 2023 in Hall, seit 2024 in Kufstein.

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