Bettina König
Als Werbung noch Reklame war.
Nostalgische Erinnerung

Auch wenn mich meine Tochter bereits mit dem Netflix-Virus infiziert hat, schaue ich doch immer wieder mal gern fern. Sozusagen als Nostalgie-Faktor in meinem Leben, obwohl das Fernsehen von heute ganz und gar nicht mehr das gute, alte meiner Kindheit und Jugend ist.

Nehmen wir nur die Werbung. Käme ein Alien auf die Erde und müsste unsere Spezies nur nach Werbeclips beurteilen, er würde denken, wir sind alle inkontinent, gelenkgeschädigt und impotent. Gefühlt die Hälfte aller Werbespots preist Medikamente zum Zwecke der Genesung von den eben genannten Gebrechen an, und der Psalm zum Schluss dieser Spots wiederholt sich ständig und klingt immer wie von Mickey Mouse gesprochen: Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

Die andere Hälfte der Filmchen im Werbeprogramm wurde von einer Möbelfirma in Großformat hergestellt und zeigt eine dysfunktionale Familie, die sich durchs Leben feiert und urlaubt. Achja, ich vergaß: Dann gibt es ja auch noch die Kategorie der Kosmetik-Spots, die Haarpflegemittel für splissgeplagte Damen und Anti-Age-Cremes für Frauen in der Menopause anpreisen. Sorry, Anti Age sagt man heute ja nicht mehr, das heißt jetzt wohl Longevity. 


Clementine trifft auf Captain Iglo und Don Alonso

Die Vielfalt der Produkte, die im Fernsehen beworben wurden, als ich klein war, war zumindest laut meiner Erinnerung sehr viel größer. So groß, dass wir Geschwister daraus einen Wettbewerb machten – das Reklame-Raten. Wer innerhalb der ersten Sekunden das beworbene Produkt erraten konnte, wohlweislich bevor es gezeigt oder genannt worden war, hatte gewonnen.

Laut meiner Erinnerung war die Werbepause vor, zwischen und nach den Programmen damals auch mit echten Persönlichkeiten bevölkert. Man denke nur an die weißhaarig-adrette Clementine der Ariel-Werbung, immer in Latzhosen – porentief reinen, versteht sich. An den charismatischen, seebärigen Captain Iglo von der gleichnamigen Fischstäbchen-Packung, fesch im blauen Blazer. An den fast zu französischen Franzosen von Le Tartare, der seinen Frischkäse selbstverständlich rigoros in seiner Sprache und nicht auf Deutsch anpries. Oder an den schnurrbärtigen Don Alonso, das Werbegesicht des Wiener Nougat-Konfekts Ildefonso.

Nimm den Husten nicht so schwer…

Und auch die Sprüche gingen mehr ins Ohr – mir zumindest. Etwa das melodiöse Don Alonso – Ildefonso des oben genannten spanischen Galans, wenn er seiner Geliebten Doña Elena Süßes anbot. Oder an die Campari-Werbung: Wo ist der Campari? Unterm Tisch, da ist er nicht…“ Dargeboten wurde dieser Werbeslogan vom deutschen Kult-Schauspieler Towje Kleiner. Ich habe auch noch das Lied vom Hustinetten-Bär im Ohr, der das Publikum aufforderte, den Husten nicht so schwer zu nehmen.

Und wer kennt nicht noch den Werbespot des Kräuterlikörs mit dem Hirsch als Logo mit Schauspieler Klaus Dahlen am italienischen Strand, der mit dem Slogan endete: Jäger in Italien – eiskalt, mit Tonic. Oder die Kultkampagne eben dieses Getränkes in den Printmedien mit dem immer wiederkehrenden Einstieg: Ich trinke Jägermeister, weil…“

Mein absoluter Liebling: Ich trinke Jägermeister, weil ich sonst leicht meine Behirschung verliere.“ Nicht zu toppen, oder? Weil ich es mir wert bin kann da wirklich nicht mithalten…

Zitierte Screenshots aus ORF Werbung der Firmen Egger Süßwaren (Hustinetten), Iglo (Captain Iglo) und Procter & Gamble (Ariel)

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Bettina Maria König

Bettina König wuchs als Tochter eines tüchtigen Apothekers im sehr fernen Außerfern auf, wo es ihr aber bald zu kalt und provinziell wurde. Sie flüchtete nach Innsbruck und mutierte via Studium zum Dr. phil., um postwendend in die Riege der „Tirol Werber“ aufgenommen zu werden. Als das Bedürfnis nach Wärme noch größer wurde, nahm sie eine Stelle als Presseverantwortliche in Bozen an – nicht ahnend, dass es dort mit der Provinzialität noch schlimmer bestellt ist als im heimatlichen Reutte. Dem Berufsbild des professionellen Schreiberlings treu bleibend, durchlief sie in Südtirol mehrere Positionen und war zwischendurch auch freiberuflich als PR-Fachkraft, Journalistin und Texterin tätig. Das Bedürfnis nach kreativem Schreiben befriedigte sie unter anderem durch die Herausgabe eines Kinderbuchs („Die Euro-Detektive“) für eine Südtiroler Bank. Derzeit zeichnet sie für die Unternehmens-Pressearbeit von IDM Südtirol verantwortlich, hat die kreative Schreiblust aber immer noch nicht gebändigt. Zwei erwachsene Kinder.

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