Bettina König
Worst friends forever
Über Freundschaft
Notizen

Ich glaube, ich bin beziehungsunfähig. Nein, nicht was Sie jetzt glauben. Ich rede hier nicht von Männern, sondern von meinen Freundschaften mit Frauen, die einfach nicht (mehr) klappen wollen. Tatsächlich war ich früher der absolute Freundinnen-Typ; ohne konnte und wollte ich nicht, ich hatte bereits in der Volksschule einen erlesenen Kreis lieber Best Friends Forever (BFFs), und das hat sich dann über Gymnasium, Fremdenverkehrskolleg und Studium hinweg fortgesetzt. 

Mit diesen Girls besprach, unternahm und teilte ich einfach alles: vom Liebeskummer über Schul- und Studienstress bis zur Outfit-Diskussion.

Eine kostbare liebe Freundin aus dieser Zeit ist mir zum Glück noch erhalten geblieben, und diese Beziehung ist auch noch intakt, wenn ich das so sagen darf. Aber bei der Neuakquise seither hapert’s gewaltig. Und ich gebe zu, es liegt an mir: Meine Erwartungen sind wohl einfach zu hoch. Denn ich glaube fest und steif daran, dass sich eine Freundin genauso für mich und mein Leben interessieren sollte wie ich mich für sie. Aber das ist wohl ein Fehlglaube, stelle ich zunehmend fest. Und für manche offenbar auch eine Zumutung.

Der Typ Einbahnstraße

Da ist z. B. die Freundin, die mir auf die Frage: Wie geht’s dir? stundenlang alle kleinen und großen Unglücke ihres derzeitigen Lebens bis in die kleinste Abzweigung erzählt. Wie viele Stunden habe ich mit reinem Zuhören und Ahs und Ohs verbracht… Was an sich kein Problem ist, das ist ja Teil des Freundinnen-Jobs, die andere auch an schlechten Tagen aufzufangen. Problematisch wird’s nur, wenn niemals die Gegenfrage kommt und das Ganze eine Einbahnstraße bleibt.

Es gibt aber auch den gegenteiligen Typ: die weibliche Bekannte, der man selbst auf ihre Nachfrage hin das Herz ausschüttet und sich dann wie nackt fühlt angesichts der schonungslosen Ehrlichkeit, mit der man dieser Aufforderung nachgekommen ist. Bei derselben Fragestellung zurück, die für mich nur logisch ist, kommt dann aber – nichts. Gar nichts. Was sich dann im Endergebnis anfühlt, als hätte man mit einer Gummiwand interagiert.

Der demente Typ

Oder kennen Sie vielleicht den eher dementen Typ Freundin? Das ist die, mit der man sich über wichtige Dinge seines Lebens austauscht, die grad so anstehen – Bewerbungen, kritische Jobgespräche, Streit mit der Familie, Liebeskummer. Nur dummerweise hat sie das Erzählte schon beim Verlassen des Lokals wieder vergessen. 

Interessiertes Nachhaken? Liebevolles Aufmuntern am Tag danach? Fehlanzeige. Ich denke nicht, dass es am übermäßigen Alkoholkonsum des Abends liegt. Eher an mangelndem Interesse am Gegenüber. Achja, übrigens: Diese Freundin vergisst natürlich auch ständig meinen Geburtstag und erklärt dann unverschämterweise, damit konfrontiert, sie habe sich schon so allgemein an den Monat erinnert, der genaue Tag sei jetzt aber wirklich nicht so wichtig. Ich würde das vollkommen überbewerten.

Eine meiner Lieblingsspezies ist die Freundin, die zwar angeblich ein Treffen ausmachen möchte, sich dann aber möglichst spät auf den genauen Tag festlegen möchte, weil ihr ja vielleicht noch was Besseres vorgeschlagen werden könnte. So sagt sie das zwar nicht, aber wie heißt es noch so schön: Man merkt die Absicht und ist verstimmt

Kommt dann endlich ein Treffen zustande, beginnt die besagte Dame nach einer Stunde stets ostentativ auf die Uhr zu schauen. Nach spätestens eineinhalb Stunden steht sie dann schwungvoll auf mit den Worten: So, jetzt gehen wir aber, sonst wissen wir das nächste Mal nicht, was wir miteinander reden sollen. Also ich weiß das eigentlich immer…

Der Typ Schönwetter-Freundin

Ins Eingemachte geht die Freundin, die zwar jede WhatsApp mit Liebste Freundin! beginnt, im entscheidenden Moment aber nichts von einer Freundschaft wissen will – z.B. wenn sie dich ins Krankenhaus zu einer Operation fahren sollte, stattdessen aber vorschlägt, du könntest doch mit dem Bus fahren.

Zur Einsiedlerin zu werden, erscheint mir bei all diesen Optionen oft eine verlockende Alternative. Aber ich gebe nicht auf. Wie sagte doch der Monaco Franze so schön? A bissl was geht immer

Zumal es ja ganz sicher an mir liegt und nicht an den Freundinnen. Ich verspreche, dass ich an mir arbeiten werde.

Fotorechte: Bettina König

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Bettina Maria König

Bettina König wuchs als Tochter eines tüchtigen Apothekers im sehr fernen Außerfern auf, wo es ihr aber bald zu kalt und provinziell wurde. Sie flüchtete nach Innsbruck und mutierte via Studium zum Dr. phil., um postwendend in die Riege der „Tirol Werber“ aufgenommen zu werden. Als das Bedürfnis nach Wärme noch größer wurde, nahm sie eine Stelle als Presseverantwortliche in Bozen an – nicht ahnend, dass es dort mit der Provinzialität noch schlimmer bestellt ist als im heimatlichen Reutte. Dem Berufsbild des professionellen Schreiberlings treu bleibend, durchlief sie in Südtirol mehrere Positionen und war zwischendurch auch freiberuflich als PR-Fachkraft, Journalistin und Texterin tätig. Das Bedürfnis nach kreativem Schreiben befriedigte sie unter anderem durch die Herausgabe eines Kinderbuchs („Die Euro-Detektive“) für eine Südtiroler Bank. Derzeit zeichnet sie für die Unternehmens-Pressearbeit von IDM Südtirol verantwortlich, hat die kreative Schreiblust aber immer noch nicht gebändigt. Zwei erwachsene Kinder.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Birgit Hämmerle

    berührend, Gedanken stimulierend, Sehnsüchte pflegend

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