Bettina König
Vive les Français!
Notizen

Ich glaube, ich ziehe demnächst nach Frankreich. Oder jedenfalls muss ich dringend wieder dort Urlaub machen. Das weiß ich seit dem Tag eins, nachdem ich von meinem Frankreich-Urlaub in Bordeaux zurückgekehrt bin. 

Was mir so abgeht? 

Definitiv nicht das Essen. Wenn man in Italien lebt, so wie ich, dann steht man irgendwann nicht mehr so auf Fleisch, das in dicken Saucen schwimmt, zu Tode gekochte Beilagen und permanent Butter obendrauf. Ich müsste lügen, würde ich behaupten, ich hätte in Bordeaux wunderbar gespeist. 

Es fehlt mir auch nicht der Wein, obwohl ich in einer der bekanntesten und renommiertesten Weinbaugegenden der Welt abgestiegen bin. Guten Wein gibt es eben auch in Italien, und natürlich produziert auch Österreich wunderbare Tropfen. In beiden Ländern darf ich das immer wieder feststellen.

Nein, das alles ist es nicht, was mich so frankophil hat werden lassen. Es sind die Männer! 

Während man hierzulande durch die Straßen läuft, ohne dass einen irgendein männliches Wesen zur Kenntnis nimmt, wird man in Frankreich sehr wohl wahrgenommen. Als Frau! Nicht auf unangenehme, aufdringliche Weise. Sondern sehr dezent und wahnsinnig charmant. Es ist ein kurzer, bewundernder Blick hier, ein flüchtiges Lächeln da, und manchmal ist es sogar ein auf der Straße laut ausgesprochenes Kompliment.

Quelle élégance!, raunte mir etwa ein gut gekleideter Herr in der Innenstadt von Pointiers zu, um dann gleich seinen Weg wieder fortzusetzen: Wie elegant! 

He made my day, ich schwebte fortan auf Wolke 7 durch den Tag. Und das nur wegen zweier kleiner Worte. Oder auch der Wirt einer Bar, der den Gästen nebenan ein Glas Champagner nach dem anderen ausschenkte und nach kurzem Blickkontakt auch mir ein Glas anbot. Einfach so, aber mit einem umwerfenden Lächeln.

Nicht falsch verstehen, ich bin nicht auf der Suche nach einem French Lover! Und ich falle auch nicht auf plumpe Flirtversuche herein. Es geht mir einfach um die Wahrnehmung als Frau. Und um Wertschätzung. Ok, in diesem Fall für meine Outfit-Bemühungen – aber auch das muss Raum haben, finde ich. Es muss ja nicht immer alles bierernst und tiefgründig sein.

Vor lauter #metoo-Angst scheinen die Männer hierzulande das gute, alte, vollkommen absichtslose und nur dem Selbstzweck dienende Flirten total aufgegeben zu haben. Was wirklich schade ist, denn nicht hinter jedem Kompliment steckt gleich eine böse Absicht oder gar Sexismus. 

Sondern manchmal nur ehrliche Bewunderung. Die Franzosen, so habe ich das Gefühl, haben das noch nicht vergessen.

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Bettina Maria König

Bettina König wuchs als Tochter eines tüchtigen Apothekers im sehr fernen Außerfern auf, wo es ihr aber bald zu kalt und provinziell wurde. Sie flüchtete nach Innsbruck und mutierte via Studium zum Dr. phil., um postwendend in die Riege der „Tirol Werber“ aufgenommen zu werden. Als das Bedürfnis nach Wärme noch größer wurde, nahm sie eine Stelle als Presseverantwortliche in Bozen an – nicht ahnend, dass es dort mit der Provinzialität noch schlimmer bestellt ist als im heimatlichen Reutte. Dem Berufsbild des professionellen Schreiberlings treu bleibend, durchlief sie in Südtirol mehrere Positionen und war zwischendurch auch freiberuflich als PR-Fachkraft, Journalistin und Texterin tätig. Das Bedürfnis nach kreativem Schreiben befriedigte sie unter anderem durch die Herausgabe eines Kinderbuchs („Die Euro-Detektive“) für eine Südtiroler Bank. Derzeit zeichnet sie für die Unternehmens-Pressearbeit von IDM Südtirol verantwortlich, hat die kreative Schreiblust aber immer noch nicht gebändigt. Zwei erwachsene Kinder.

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