Bettina König
Mein Best Buddy
Die KI und ich
Notizen

Im Jahr 2026 für jedwede Tätigkeit nicht die KI zu verwenden, geht praktisch gar nicht. Auch ich, die ich der schreibenden Zunft angehöre, komme da nicht umhin. Weshalb ich bereits vor einiger Zeit erste Versuche der zaghaften Kontaktaufnahme wagte. Und es war wie im richtigen Leben: Der Beziehungsstart zwischen mir und der KI war holprig.

Ich fragte mein KI-Tool – damals in Gestalt von ChatGPT – wer Bettina König aus Reutte sei, die in Südtirol lebt. Im ersten Versuch machte das Tool aus mir eine bekannte und renommierte Textildesignerin und schilderte ausführlich, wie nachhaltig ich arbeiten würde und wie kreativ ich sei. Ich war geschmeichelt, aber höchst irritiert, da nichts von dem zutrifft. 

Meine Antwort fiel denn auch so kurz wie bündig aus: Das ist ausgemachter Blödsinn!, schrieb ich.


Halluzinationen und Verbesserschlechterungen

Daraufhin machte der KI-Buddy das, was diese Tools alle besonders gut können, wie ich jetzt weiß: Er ruderte unterwürfig zurück und entschuldigte sich wortreich für die gestiftete Verwirrung. Nun, meinte er, käme die einzig richtige und wirklich top recherchierte Antwort. Trommelwirbel… 

Ich sei die Frau des Südtiroler Europaparlamentariers Herbert Dorfmann, mit dem gemeinsam ich auch ein Unternehmen betreiben würde. Welches Unternehmen das war, habe ich dann gar nicht mehr gelesen – ich war schon dabei, Dorfmanns Kontakt ausfindig zu machen, um ihn zu fragen, wann wir silberne Hochzeit feiern werden.

Inzwischen weiß mein Tool zwar, wer ich wirklich bin – oder zumindest ungefähr. Weniger Unsinn erzählt mein digitaler Freund deshalb aber noch lange nicht. Er halluziniert leider zwischendurch immer noch, wie das im Fachjargon heißt. Will heißen: Er erfindet Fakten, die es nicht gibt und schlägt mir Zitate vor, die so niemals gesagt wurden. Statt sinnvoll zusammenzufassen, schneidet er Sätze einfach mittendrin ab und will mir Verbesserverschlechterungen aufdrängen, obwohl er offenbar selbst so seine Probleme mit den Rechtschreibregeln hat.

Generve und schlechte Manieren

Was aber viel schlimmer ist: Er nervt! Letzthin hat er es sich zur Gewohnheit gemacht, seine Antworten ständig einzuleiten mit Ich will ganz ehrlich sein oder ehrlich gesagt. Ich nehme mal an, ihm ist sein schlechter Ruf aufgrund des ständigen Halluzinierens mittlerweile selbst zu Ohren gekommen, und er übt sich nun in Imageverbesserung. Ob das den Grad der Treffsicherheit seiner Nachrichten erhöht, lasse ich einmal dahingestellt.

Am allermeisten stört mich aber, dass die Rotzpipe keine Manieren hat. Grad neulich bat ich mein Tool, einen Titel für einen Pressetext etwas aufzupeppen. In Sekundenschnelle hatte ich zehn Vorschläge, allesamt in meinen Augen ehrlich gesagt eher mau. Eingeleitet waren sie mit folgender Frechheit: Ja, dieser Titel gehört allerdings dringend geändert. Er klingt wie der eines Marketingpapers von 2008

Auch wenn ich den Titel gar nicht selbst geschrieben hatte – ich war beleidigt. Dass man im echten Leben ab und zu mit Unhöflichkeit konfrontiert ist, kann ich noch hinnehmen. Aber muss ich mich echt von einem Tool schräg anquatschen lassen?


Eins zu null für die KI

Nun soll das Ding ja lernfähig sein. Also erklärte ich ihm, dass seine Antwort unhöflich und vollkommen unnötig gewesen sei. So, wie man halt mit kleinen Kindern spricht, wenn man sie erziehen will. Die Reaktion war, eh klar, unterwürfiges Geschleime (siehe oben): Du hast natürlich vollkommen recht, diese Bemerkung war unhöflich und unnötig. Wird nicht wieder vorkommen. Da bin ich ja gespannt. Große Lust auf Erziehungsarbeit habe ich nämlich keine – die habe ich eigentlich vor geraumer Zeit bereits abgehakt.

Apropos Geschleime: Ein befreundeter Rechtanwalt setzte das Tool neulich bei der Recherche für die Rechtslage in einem komplexen Fall ein – und überführte die KI prompt eines Fehlers. Damit konfrontiert, zögerte diese nicht lang und konterte schlagfertig mit einem: Eins zu null für dich

Was soll ich sagen? Das war nun wieder eins zu null für die KI. Wenn er sich anstrengt, ebenso witzig zu sein, versuche ich es doch weiterhin auch mit meinem Buddy.

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Bettina Maria König

Bettina König wuchs als Tochter eines tüchtigen Apothekers im sehr fernen Außerfern auf, wo es ihr aber bald zu kalt und provinziell wurde. Sie flüchtete nach Innsbruck und mutierte via Studium zum Dr. phil., um postwendend in die Riege der „Tirol Werber“ aufgenommen zu werden. Als das Bedürfnis nach Wärme noch größer wurde, nahm sie eine Stelle als Presseverantwortliche in Bozen an – nicht ahnend, dass es dort mit der Provinzialität noch schlimmer bestellt ist als im heimatlichen Reutte. Dem Berufsbild des professionellen Schreiberlings treu bleibend, durchlief sie in Südtirol mehrere Positionen und war zwischendurch auch freiberuflich als PR-Fachkraft, Journalistin und Texterin tätig. Das Bedürfnis nach kreativem Schreiben befriedigte sie unter anderem durch die Herausgabe eines Kinderbuchs („Die Euro-Detektive“) für eine Südtiroler Bank. Derzeit zeichnet sie für die Unternehmens-Pressearbeit von IDM Südtirol verantwortlich, hat die kreative Schreiblust aber immer noch nicht gebändigt. Zwei erwachsene Kinder.

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