Alois Schöpf
Zentralisierung ja. Warum nicht in Innsbruck?.
Apropos

In regelmäßigen Abständen flammt die Diskussion darüber auf, ob man das österreichische Gesundheitswesen nicht zentralisieren müsse. Basis der Debatten sind Analysen, wonach das derzeitige Kompetenzwirrwarr zwischen Bund, Ländern und Gemeinden zu Doppelgleisigkeiten, Mangel an Qualität durch Verhinderung von Spezialisierung und zu einem zu hohen Bettenangebot führt.

Nun hat Bundeskanzler Stocker wieder einmal einen Vorstoß in Richtung Zentralisierung unternommen und sich gleich die ersten Absagen eingehandelt. Zum Beispiel seitens der SPÖ Steiermark, wo gerade eine Landtagswahl stark dadurch beeinflusst wurde, dass man einigen Regionen zwecks Errichtung eines Zentralkrankenhauses ihre Regionalspitäler wegnehmen wollte.

Abgesehen von solch angewandtem Provinzialismus besteht natürlich die Befürchtung, dass durch eine Zentralisierung wichtige Entscheidungen wieder einmal nur in Wien getroffen und die Gelder der eher sparsamen Bundesländer zur Subventionierung der Bundeshauptstadt missbraucht werden. 

All dem liegt ein seit Jahrzehnten zu recht bestehendes Misstrauen zugrunde, das im Volksmund durch den Begriff Wasserkopf Wien zusammengefasst wird.

So berechtigt die Skepsis aber ist: sie ändert nichts daran, dass die beste und kosteneffizienteste Gesundheitsversorgung der Bevölkerung auf ein gesamtstaatliches Netzwerk hinausläuft. 

Ein solches Netzwerk würde jedoch gerade im Zeitalter von Digitalisierung, Homeoffice und Ortsunabhängigkeit einer vom ehemaligen Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter vorgeschlagenen, nie verwirklichten Idee neue Aktualität verschaffen: Die Gesundheitsbelange sehr wohl zu zentralisieren, jedoch, wie viele weitere Behörden auch, nicht in Wien, sondern in einem Bundesland.

Weshalb also könnte das Gesundheitswesen in Österreich nicht von Tirol aus mit seiner renommierten Uni-Klinik gesteuert werden?

Erschienen in der Tiroler Tageszeitung am 06.12.2025

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Alois Schöpf

Alois Schöpf, Autor, Journalist, Veranstalter, geb. 1950, lebt bei Innsbruck, schreibt seit 41 Jahren in Zeitungen und Zeitschriften, zuletzt seit 34 Jahren in der Tiroler Tageszeitung, pointierte und viel gelesene Kolumnen. Er ist einer der dienstältesten Kolumnisten Österreichs. Nach seiner Tätigkeit als ORF-Fernsehredakteur für Fernsehspiel und Unterhaltung verfasste Schöpf Romane, Erzählungen, Märchenbücher und in den letzten Jahren vor allem Essays zu relevanten gesellschaftlichen Themen. Daneben schrieb er Theaterstücke und vier Opernlibretti. Schöpf war auch als Blasmusikdirigent tätig und ist Gründer der Innsbrucker Promenadenkonzerte, die er 25 Jahre lang bis 2019 leitete. Zuletzt gründete er 2020 das Online-Magazin schoepfblog, an dem 40 renommierte Autorinnen und Autoren mitarbeiten.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Rainer Haselberger

    Gerade das Gesundheitswesen zeigt, dass der Grundsatz der Bündelung von Kompetenz, Mitteln und Verantwortung an einer Stelle ein relativ einfacher, aber effektiver Grundsatz des Managements sein könnte, wenn man ihn denn befolgte.

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