Alois Schöpf
Wer kennt die wahren Wohltäter
der Menschheit?
Apropos

Während sich unsere Staatsdichter darüber stritten, ob es zu verantworten sei, eine Lateinstunde zu streichen, erhielten Ingeborg und Erwin Hochmair den Queen Elizabeth Prize for Engineering

Die von ihnen entwickelten Cochlea-Implantate, hergestellt von ihrer in Tirol ansässigen Firma Med-El, die inzwischen weltweit 3000 und in Österreich ca. 600 Mitarbeiter beschäftigt, hat Hunderttausenden, die sonst taub geblieben wären, das Hören ermöglicht.

Das mediale Echo auf die renommierte Auszeichnung blieb überschaubar, was leider eine vollkommen groteske Tradition darstellt, der zufolge hierzulande nicht nur Lateinstunden, sondern auch Unsäglichkeiten wie der Wiener Opernball die öffentliche Debatte beherrschen.

So weiß selbstverständlich auch niemand, dass es ein österreichischer Neurologe war, der als erster Mediziner den Ultraschall einsetzte, der heute zum Standard jeder Gesunden-Untersuchung gehört. Sein Name: Karl Theo Dussik.

Ebenso unbekannt ist auch der Erfinder des koronaren Herz-Stents, der unendlich vielen nicht nur das Leben rettete, sondern auch schwierigste Operationen überflüssig machte. Sein Name: der in der Schweiz tätige Ulrich Sigwart.

Dies gilt auch für den Entwickler der Operationsmethode, mit der über die Leiste neue Herzklappen eingeführt, aber auch verstopfte Gefäße im Hirn wieder geöffnet werden können. Sein Name: Andreas Grüntzig.

Die Liste von Leistungen, die unser Leben verlängern, erleichtern und verschönern, ließe sich lange fortsetzen. Bis hin zum Staubsauger (Hubert Cecil Booth), zur Waschmaschine (Alva J. Fisher) und zur Geschirrspülmaschine (Josephine Cochrane) , welche überhaupt erst die Voraussetzungen für die Emanzipation der Frau schufen.

Der Streit über die Kürzung einer Lateinstunde verweist vor dem Hintergrund solcher Unkenntnisse doch auf eine massive Schräglage in unserem Bildungssystem.

Erschienen in der Tiroler Tageszeitung am 21.02.2026


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Alois Schöpf

Alois Schöpf, Autor, Journalist, Veranstalter, geb. 1950, lebt bei Innsbruck, schreibt seit 41 Jahren in Zeitungen und Zeitschriften, zuletzt seit 34 Jahren in der Tiroler Tageszeitung, pointierte und viel gelesene Kolumnen. Er ist einer der dienstältesten Kolumnisten Österreichs. Nach seiner Tätigkeit als ORF-Fernsehredakteur für Fernsehspiel und Unterhaltung verfasste Schöpf Romane, Erzählungen, Märchenbücher und in den letzten Jahren vor allem Essays zu relevanten gesellschaftlichen Themen. Daneben schrieb er Theaterstücke und vier Opernlibretti. Schöpf war auch als Blasmusikdirigent tätig und ist Gründer der Innsbrucker Promenadenkonzerte, die er 25 Jahre lang bis 2019 leitete. Zuletzt gründete er 2020 das Online-Magazin schoepfblog, an dem 40 renommierte Autorinnen und Autoren mitarbeiten.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Hans Brandstätter

    Sehr geehrter Herr Schöpf,
    mit großem Wohlwollen habe ich ihren heutigen Bericht in der TT gelesen. Ich bin seit 2012 rechts
    und seit 2015 links mit einem MED-El Cochlea Implantat versorgt und bin damit sehr glücklich.
    Ich stelle mich auch fast jährlich als Proband für die erfolgreiche Tiroler Firma zur Verfügung.
    Und habe auch schon einige Verbesserungen damit mit zu verantworten (Probleme mit Schwitzwasser und Piepsen unter dem Skihelm). Dank dieser Implantate bin ich in der Lage,
    am Gesellschaftsleben aktiv teilzunehmen – bin seit 2019 Kitzbühler Bezirks-Seniorenbund Obmann und kann diese Tätigkeit (mit vielleicht geringfügigen Abstrichen) gut und gern ausüben.
    Ich würde die Presseförderung der Medien an die Bedingung knüpfen, ihre Inhalte endlich einmal täglich mit den vielen positiven „Wohltätern der Menschheit“ zu füllen und nicht uns ständig mit den traurigen Meldungen vollzustopfen.
    Ich hoffe, ihr Bericht ist der Auftakt, dass er zum Vorbild für viele Journalisten und Redakteure wird.
    Mit besten Grüßen.

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