Alois Schöpf
Wem gehören unsere Wälder und Almgebiete?
Apropos

Der Streit, ob Wölfe und Bären in den Alpen geduldet werden sollen, schwelt im Untergrund unvermindert weiter und kocht immer dann auf, wenn ein Bär auftaucht oder Wölfe die geschockten Bauern zu einem verfrühten Almabtrieb zwingen.

Nicht ganz zu unterschätzen ist auch die Tatsache, dass viele Radsportler mit ihren Mountainbikes Almwege und Waldsteige als nach Belieben benützbare Herausforderungen (Challenges) betrachten und dabei massive Flurschäden anrichten, vor allem, wenn sie fallweise ins freie Gelände ausweichen.

Jüngste Entwicklung um Wälder und Almen, welche offenbar die meisten Mitbürger als eine Art Vergnügungspark betrachten, ist der Protest, der seitens jener Hundebesitzer erhoben wird, die mit ihren Hunden wandern gehen, dabei die Kühe verrückt machen, was zu schweren Unfällen führen kann, und die Idee eines Hundeverbots auf Almen als ungebührliche Frechheit von sich weisen.

Dass wir in Österreich die Wälder und Almlandschaften zum Zwecke der Erholung, der Freude an der Schönheit der Natur und der körperlichen Ertüchtigung gratis nutzen dürfen, ist keine Selbstverständlichkeit. Sie gehören uns nämlich nicht. Leider scheint zu sehr in Vergessenheit geraten zu sein, was etwa in den USA, Kanada, aber auch in Großbritannien und Frankreich ein Faktum ist: dass riesige Wald- und Wiesenlandschaften Privateigentum sind und weder von Einheimischen noch von Touristen betreten werden dürfen.

Arrogantes Anspruchsdenken ist nicht die richtige Einstellung den eigentlichen Eigentümern unserer Alpenlandschaften gegenüber. Vernünftiger ist da schon die Einsicht, dass über lange Zeit mühsam erreichte Kompromisse zwischen verschiedenen Lebensentwürfen und ihren Idealen unsere hohe Lebensqualität begründet haben. 

Im Zweifelsfall wurde jedoch stets den Interessen der Landwirtschaft Vorrang eingeräumt. Daran sollte sich auch nichts ändern.

Erschienen in der Tiroler Tageszeitung am 13.09.2025

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Alois Schöpf

Alois Schöpf, Autor, Journalist, Veranstalter, geb. 1950, lebt bei Innsbruck, schreibt seit 41 Jahren in Zeitungen und Zeitschriften, zuletzt seit 34 Jahren in der Tiroler Tageszeitung, pointierte und viel gelesene Kolumnen. Er ist einer der dienstältesten Kolumnisten Österreichs. Nach seiner Tätigkeit als ORF-Fernsehredakteur für Fernsehspiel und Unterhaltung verfasste Schöpf Romane, Erzählungen, Märchenbücher und in den letzten Jahren vor allem Essays zu relevanten gesellschaftlichen Themen. Daneben schrieb er Theaterstücke und vier Opernlibretti. Schöpf war auch als Blasmusikdirigent tätig und ist Gründer der Innsbrucker Promenadenkonzerte, die er 25 Jahre lang bis 2019 leitete. Zuletzt gründete er 2020 das Online-Magazin schoepfblog, an dem 40 renommierte Autorinnen und Autoren mitarbeiten.

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Alois Blaßnig

    Sehr geehrter Herr Schöpf,
    prinzipiell haben Sie schon recht. Würden allerdings Mountainbiker Steige und Wege derart löchern und aufwühlen wie vergleichsweise nur wenige Rindviecher dies nach oder während einem Regenwetter schaffen, wäre der Aufschrei wohl ein gewaltiger.
    Also je nach Perspektive des Beobachters.
    Schönes Wochenende und beste Grüße
    Mountainbiker und Almfan

  2. Harald Medenus

    Guten Morgen, lieber Alois Schöpf!
    Beim Lesen des heutigen “Apropos” kam mir der Begriff “Respekt” in den Sinn !
    Wenn wir Geschöpfe den Wert, Sinn , das Volumen, die Bedeutung von „Respekt“ wirklich beachten (respektieren) würden, dann würde viel Schaden – in so mancher Hinsicht – erst gar nicht auftreten und an dessen Stelle Freude auftreten. Vielleicht; ich mein ja bloß !
    Mir kommt halt vor, dass bei so manchen von uns schon das Wort “Respekt” verloren ging, geschweige der Wert !
    Mit Respekt wünsch ich ein erfreuliches Wochenende und liebe Grüße

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