Alois Schöpf
Warum sind die Tiroler
die Dodel der Nation?
Weil sie sich selbst dazu machen!
Notizen
Jedes Mal, wenn jemand außerhalb meiner geliebten Heimat eine meiner künstlerischen Hervorbringungen bespricht, was selten genug geschieht, und dabei wie das Amen im Gebet das Begriffspaar Tiroler Autor verwendet, zucke ich zusammen und verdächtige den Betreffenden, mich als jemanden hinstellen zu wollen, den man nicht ganz ernst nehmen kann. Ursache dieses quälenden Verdachts sind die nicht enden wollenden Meldungen, die es über Tirol in die nationalen und internationalen Schlagzeilen schaffen und die dann dazu führen, dass es geradezu rufschädigend ist, als Tiroler bezeichnet zu werden.
Allein wenn man die letzten paar Wochen Revue passieren lässt, weiß man, was gemeint ist. Da war einmal ausführlich vom sogenannten Gauder Fest im Zillertal die Rede, bei dessen Feldmesse der Innsbrucker Bischof eine Predigt hielt, in der er davor warnte, Leuten zu glauben, die das Blaue vom Himmel herunter versprechen. Davon fühlte sich ein wirklicher Blauer, was sich in diesem Fall nicht auf den Alkohol als vielmehr auf die FPÖ bezog, so provoziert, dass er beim Auszug aus der Messe laut vernehmlich dem kirchlichen Würdenträger empfohlen haben soll, besser Politiker bei den Grünen zu werden. Eklat!
Um im Zillertal zu bleiben: In der Zillertalbahn sollen auf oder von der Fahrt zum bereits erwähnten Drogen-Event drei betrunkene junge Männer die übrigen Fahrgäste mit dem Hitlergruß und Sieg Heil-Rufen belästigt haben, wobei es einem der Zeugen des Vorfalls gelang, eine ein paar Sekunden währende, wackelige Handyaufnahme zu machen. Das reichte vollkommen aus, der kurze Ausschnitt ging an die Medien und verbreitete sich viral. Eklat!

Gerade harmlos dagegen nimmt sich die Diskussion der Tiroler Schützen aus, deren leitende Funktionäre unter ihrem Oberkommandanten, dem jüngsten Hofrat des Amtes der Tiroler Landesregierung ohne akademischen Abschluss, Thomas Saurer, zur Erkenntnis kamen, Personen weiblichen Geschlechts den Dienst an der Platzpatrone verwehren zu müssen und ihnen lediglich die Rolle der Marketenderin zuzuweisen. Eklat!
Dazu brachte es im ähnlichen Themenfeld auch die Schützenkompanie Hall, welche zum Jubelfest ihre stadteigene Speckbachermusikkapelle Hall aus- und an ihrer Stelle die Musikkapelle Mils einluden, weil erstere es wagte, vollkommen unsensibel der gerade abgeschlossenen Willensbildung der Schützen gegenüber bei ihren Auftritten zwei männliche Marketenderinnen voranmarschieren zu lassen. Eklat!
All das hat sich übrigens binnen weniger Wochen ereignet und wurde dabei in regelmäßigen Abständen vom Prototyp des virilen Tiroler Womanizers, dem Sozialdemokraten Georg Dornauer begleitet, der die überholte Rolle des Tiroler Skilehrers inklusive Kenntnisse im Ziehharmonika-Spiel dem Medienzeitalter anpasste und in die Politik verlagerte.
Wenn er im Tiroler Landtag daher meinte, er wolle sich nicht vorstellen, wie eine kränkelnde grüne Abgeordnete gerade im Bett liegend aussehe, muss man ihm zumindest auf diesem Gebiet eine Fachkenntnis zubilligen, die er durch seine öffentlich inszenierte Liebesbeziehung mit einer hinreißend schönen Postfaschistin aus dem Trentino und mit einer nicht minder attraktiven Journalistin und Talkshow-Diskutantin aus Wien unter Beweis stellte. Eklat im Fall Nummer 1 und Erstaunen im Fall Nummer 2, der übrigens durch eine bevorstehende Hochzeit noch auf seinen wirklichen Höhepunkt zusteuert.
Mit mangelnder Fachkenntnis auf anderen Betätigungsfeldern wiederum generierte Dornauer Schlagzeilen in Serie: vom vergessenen Gewehr im Porsche bei offenem Fenster, vom daraufhin erfolgenden Entzug der Jagderlaubnis, vom schusslosen Jagdausflug mit Herrn Benko vor dessen Abreise zu einem längeren Gefängnisaufenthalt, der massiven Geschwindigkeitsüberschreitung an einer Stelle auf der Autobahn vor Salzburg, von der jeder Österreicher mit Führerschein weiß, dass dort streng kontrolliert wird, und zuletzt vom mehrstufigen Hinausschmiss aus der SPÖ: Muss dieser nette Schorsch Dornauer wirklich ausgerechnet ein Tiroler sein?
Dass es Franzl Posch und Felix Mitterer sein müssen, liegt auf der Hand. Denn einschichtiger als die Moderationen und verstaubter als die Musikstückeln des Ersteren geht es nicht mehr, und einschichtiger als die Figuren in den Kitschstückeln des Zweiteren auch nicht, sodass man sich, auch wenn man sonst mit dem Herrn so seine Probleme hat, am liebsten unseren Ehren-Kaunertaler herbeiwünschen würde, damit er endlich sagt: So sind wir nicht!

Imagemäßig sind wir es trotzdem, da kann man nichts machen, auf jeden Fall solange es einen Landesüblichen Empfang gibt, der uns als grenzfaschistische und ganzkatholische Deppen dastehen lässt. Und solange es die Repräsentations-Abteilung des gebildeten Herrn Saurer im Amt der Tiroler Landesregierung gibt, von der die verbindliche Empfehlung ausgeht, bei Konzerten wie in einem Gottesstaat die hohe Geistlichkeit als erste zu begrüßen. Und solange alle Jahre wieder im Wiener Rathaus der Tiroler Ball stattfindet und die prominenten Hauptstädter damit begeistert, dass nicht nur die Australier ihre Ureinwohner haben, sondern auch die Österreicher – die sich dann auch noch in Tracht und mit ihren Alpen-Didgeridoos an die Ringstraße stellen, um auch die einfachen Wiener in Erstaunen zu versetzen.
So schrieb denn der unvergleichliche Feuilletonist der Neuen Freien Presse Daniel Spitzer (1835–1893) schon im Jahre 1880, dass es das Privileg der Tiroler sei, die jeweils dümmsten Abgeordneten in den Reichsrat zu entsenden. Das gilt heute natürlich nicht mehr und war schon damals eine satirische Übertreibung. Die Damen und Herrn Tiroler Abgeordneten sind nicht dumm, sie machen nur fast alle den Fehler, vor allem wenn sie der ÖVP oder der FPÖ angehören, beim Theater vom dummen Tiroler mitzuspielen, weil das angeblich beim Publikum bzw. beim Wähler gut ankommt.
Dass sie damit den guten Ruf aller ihrer gescheiten, komplex denkenden, weltgewandten Landsleute aufs Spiel setzen, nehmen sie als Kollateralschaden in Kauf und wundern sich dann, wenn sie auch selbst unter jenen sind, die ausgelacht und nicht ernst genommen werden.
Illustrationen: KI-generiert
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