Alois Schöpf
Wann reagieren die verantwortlichen
Kulturpolitiker endlich auf den dramatischen
Niedergang der Tiroler Landestheater GmbH?
Notizen
Eigentlich ödet es mich an, wenn ich wieder über ein Thema schreiben muss, über das ich eigentlich schon alles gesagt habe. Aber die Symptome sind für jeden, der sich noch als letzter vereinsamter Anhänger klassischer Bildung und Kultur versteht, zu deprimierend.
Da konzertiert zum Beispiel das Tiroler Symphonieorchester Innsbruck, das noch vor ein paar Jahren auf einen nahezu vollen Saal Tirol des Congress Innsbruck blicken konnte, vor immer schütterer besetzten Rängen. Was allerdings nicht weiter verwunderlich ist. Neben der Österreichischen Erstaufführung des zeitgenössischen Werkes Herbstmusik von Manfred Trojahn bot das Orchester nämlich bei seinem 1. Symphoniekonzert der Saison 2025/26 vier Zwischenspiele aus der bei weitem belanglosesten Oper von Richard Strauss Intermezzo und danach, stilistisch aus derselben spätromantischen Musikepoche herrührend, eine Romantische Suite des sperrigen und berechtigterweise selten gespielten Strauss-Konkurrenten Max Reger.

Eigenartige Programme des TSOI / Fotorechte: WE FEEL
Ein solches Programm wäre bestenfalls für eine Millionenstadt mit einem entsprechend berühmten Orchester inklusive seines nicht minder berühmten Dirigenten geeignet gewesen, um die immerhin 2400 zur Verfügung stehenden Sitzplätze mit Klassikfans zu füllen. Innsbruck ist aber keine Millionenstadt, sein Orchester nicht berühmt, woran es selbst schuld ist, und seine Dirigenten sind, auch wenn sie noch so gut sein sollten, zu wenig präsent, um durch ihre Persönlichkeit und ihre Programme eine unverwechselbare Marke aufbauen zu können.
Wobei an dieser Stelle zum wiederholten Mal darauf hingewiesen werden muss, dass das TSOI in der digitalen Welt so gut wie inexistent ist, was schon besonders peinlich wirkt, wenn man daran denkt, dass sogar der das Amateurblasmusikwesen vertretende österreichische Blasmusikverband seine letzten Wertungsspiele live über Youtube verbreitet hat. Da kann, wie Kollege Bernhard Schlögl in seiner Besprechung vermerkt hat, möglicherweise noch so gut konzertiert und dirigiert worden sein, die Verblendung, so zu tun, als habe sich die Welt im Zeitalter des Internet und der Globalisierung nicht massiv verändert und große Kunst finde immer noch von allein ihr Publikum, ist fahrlässig und faul.
Es geht nämlich längst auch darum, den europaweit ums Überleben kämpfenden Markt für klassische Musik bei den wenigen Konzerten, die das Tiroler Symphonieorchester Innsbruck pro Jahr gibt, mit den größten und zugänglichsten Werken der Musikgeschichte so attraktiv zu gestalten, dass neue und junge Publikumschichten den Weg in den analogen Konzertsaal finden.
Mit einer Mischung aus durchsichtiger, beim nächsten Konzert zum Beispiel feministischer Belehrung, der wir die Aufführung von gleich sieben Orchesterliedern der von Gustav Mahler offenbar schändlich unterdrückten Alma Mahler verdanken, und einem einzigen Hit aus der bürgerlichen Klassiksammlung, wieder von Richard Strauss, wird das nicht gelingen. Auch beim darauf folgenden Konzert, das mit zwei zeitgenössischen Werken beginnt, einem des Landeskulturpreisträgers Johannes Maria Staud und eines des 1946 geborenen Letten Peteris Vasks, wird der Saal Tirol wohl kaum an zwei Abenden zu füllen sein, selbst wenn das ausgiebige Bad im Zeitgenössischen dann mit der 5. Symphonie von Ludwig van Beethoven belohnt wird. Einfacher geht ein talentloser Musikunterricht nimmer!
Da finanziell nicht so sehr von öffentlichen Zuschüssen abhängig, ist der dramaturgische Pfusch, den die für die Disposition der Meisterkonzerte Verantwortlichen betreiben, nicht so von öffentlichem Belang. Dennoch muss die Frage gestellt werden, ob das woke Diktum der karenzierten und inzwischen pensionierten Schuldirektorin und Laienschauspielerin bzw. -politikerin Beate Palfrader, wichtige Positionen in der Kultur ohne Rücksicht auf Verluste mit Frauen zu besetzen, aus Sicht von Affirmative Action ausreicht, um ein Programm zu rechtfertigen, das im Zeitalter der Polystilistik und Polyhistorie vor wenigenn Tagen nun schon nach zwei Haydn-Hinrichtungen zum dritten Mal das Publikum mit Werken eines einzigen Komponisten quälte. In diesem Fall jenen von Robert Schumann.
Solcher Dilettantismus darf deshalb nicht unerwähnt bleiben, da die dafür hauptsächlich zuständige Dame offenbar belehrungsresistent und als künstlerische Leiterin der Festwochen der Alten Musik gerade dabei ist, selbige auf eine viel zu teure und ausstrahlungslose Provinzveranstaltung zurück zu stutzen, zumal sowohl die Meisterkonzerte als auch die Festwochen in den Verwaltungsbereich der Tiroler Landestheater GmbH. gehören.

Premiere vor leeren Rängen / Fotorechte: © Nurith Wagner-Strauss
Womit wir bei der jüngsten Premiere des mit Ausnahme des Finanzdirektors inzwischen fast ausschließlich von Personen weiblichen Geschlechts geleiteten Landestheaters wären, das nach der emanzipatorischen Opferrechnung, wonach Frauen doppelt so viel leisten müssen wie Männer, um an einen Job zu kommen, eigentlich eine absolute Hochblüte erleben müsste.
Wie bei allen totalitären Ideologien üblich, ist dies aber auch in diesem Fall nicht so, im Gegenteil, die Realität besteht darin, dass selbst die durchwegs wohlgesonnenen Rezensenten der jüngsten Opernaufführung Die Ausflüge des Herrn Brouček von Leoš Janáček die vielen leeren Plätze bei der Premiere beklagten. Noch viel mehr Leere ergibt sich, wenn man den Vorverkauf analysiert und an manchen Abenden ein nahezu verwaistes Haus vorfindet.
Jeder Intendant und jede Intendantin würde angesichts dieser Performance, wenn es nach rechten Dingen zuginge, demissionieren. Das wird aber nicht geschehen, da unsere schwarz/grüne Kulturpolitik dafür gesorgt hat, dass es am Theater links zugeht. Und dieser Art von Gesinnung geht es bekanntlich nie um den kapitalistischen Erfolg an der Abendkassa, sondern um die Weltrevolution und das bis zu ihrem Eintreten um ein auf selbige vorzubereitendes Publikum.
Dass unsere beiden schwarzen Kultur-Mander Mattle und Anzengruber bei all dem tatenlos zuschauen, konfrontiert den Kulturinteressenten mit dem Multiple-Choice-Test: Handeln sie nicht, weil ihnen alles Kulturelle zu unwichtig ist? Oder weil sie, obgleich es ihnen wichtig wäre, nicht wissen, was sie tun sollen? Oder, dritte Variante, weil sie es gewohnt sind, dort, wo Probleme auftauchen, aus Prinzip keine zu sehen, schon gar nicht in der Kultur. Denn, wie schon früher betont, eine gute oder schlechte Kulturpolitik hat in einem Land, in dem im Vorverkauf 70.000 Verbundkarten zwecks sportlicher Ertüchtigung um je 759 Euro über den Ladentisch gehen, noch nie eine Wahl entschieden.
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Als Außenstehender (aus NRW mit sommerlichen Besuchen bei den Festwochen Alter Musik) habe ich Probleme, den Inhalt dieses Artikels nachzuvollziehen. Bei Facebook finde ich allerlei Aktuelles zum Tiroler Symphonieorchester. Was genau fehlt Ihnen da, um zu dem drastischen Schluss „in der digitalen Welt so gut wie inexistent“ zu kommen? Im benannten nächsten Sinfoniekonzert wird laut dem Artikel Beethovens 5. Sinfonie gespielt – warum sollte das ein auf den klassischen Mainstream konzentriertes Publikum abschrecken, und was ist falsch daran, weniger bekannte Werke davor zu spielen? Was meinen Sie mit „talentlosem Musikunterricht“? Wenn es in Innsbruck Probleme gibt, wären nachvollziehbare Kritikpunkte hilfreich. Ich würde z. B. mal so banale Themen hinterfragen wie: An welchen Werktagen finden Konzerte statt, zu welcher Uhrzeit beginnen sie, was kosten Eintrittskarten, gibt es eine Einführung, die Konzertneulinge inhaltlich einfängt? Ich erlebe hier in Krefeld diese Saison, dass einer von zwei Konzertterminen (am Dienstag) abgesetzt wurde, da fast niemand dienstags in ein Konzert geht (mit einem Saal mit deutlich weniger als 2400 Sitzplätzen in einer fast doppelt so großen Stadt). Es gibt jetzt nur noch einen Termin am Freitag, und der ist diese Woche (wahrscheinlich erstmals seit langem) ausverkauft… Wozu braucht eine relativ kleine Stadt wie Innsbruck mit nur 132 Tausend Einwohnern denn 2×2400 Plätze in einem Sinfoniekonzert?
Und wo sehen Sie bei den international renommierten Festwochen der Alten Musik eine „viel zu teure und ausstrahlungslose Provinzveranstaltung“? Vielmehr wurde aktuell Cesti’s „Il Pomo d’Oro“ angekündigt (eine Oper, die etwa 6 Stunden dauert und auf zwei Abende verteilt wird), außerdem kehrt u. a. René Jacobs als Dirigent nach Innsbruck zurück. Die schon genannte fast doppelt so große Stadt Krefeld hat so etwas jedenfalls nicht im Angebot. Da gibt es zur selben Zeit maximal mal ein Orgelkonzert, sodass ich gern seit 35 Jahren im Sommer nach Innsbruck komme, da man dort 1A-Barockoper erleben kann.
Sehr geehrter Herr Rademacher!
Ich danke Ihnen herzlich für ihr Mail und möchte einige Punkte hoffentlich zu ihrer Zufriedenheit beantworten.
1. Die Präsenz eines Orchesters in Facebook ist lediglich eine Präsenz in Sachen Werbung, jedoch nicht in Sachen Musik und Kunst, wie es etwa das Sinfonieorchester Frankfurt durch unzählige Konzertmitschnitte, die auf YouTube anzuhören sind, beweist. Dass das durchaus leistungsfähige Innsbruck Orchester über keinerlei Tonträger und keinerlei musikalische Präsenz in Form von Konzertmitschnitten verfügt, von CDs ganz abgesehen, ist ein Skandal, ob es Ähnliches nun in Krefeld gibt oder nicht.
2. Tatsache ist, dass das Publikum bei den Konzerten des Tiroler Symphonieorchesters immer weniger wird, was ich, und das ist natürlich nur meine persönliche Meinung, allerdings verfüge ich über Jahrzehnte dramaturgischer Erfahrung, auf eine belehrende und ideologisch vernebelte Programmplanung zurückführe.
3. Bei den 2400 Sitzplätzen handelt es sich insofern um ein Missverständnis, als das Tiroler Symphonieorchester Innsbruck am Donnerstag und Freitag spielt, was zusammen 2400 mögliche Sitzplätze ergibt. Der Saal Tirol verfügt demgemäß über ca. 1200 Sitzplätze.
4. Offenbar gehören Sie zur elitären Blase jener Musikbegeisterten, die Gefallen an einer Oper finden, bei der ein griechischer Gott zu Beginn die falsche Dame abbekommt und am Ende die richtige, was dann eine Komödie ist, oder immer noch die falsche, was dann zu einer Tragödie wird. Genau genommen interessiert das heute niemanden mehr und dient in Tirol vor allem dazu, über kulturelles Kapital Distinktion anzuhäufen. Der Staat legt auf jeden Sitzplatz dieses Jahrmarkts der Eitelkeit jeweils ca. 300 € an Subventionen, die ich Ihnen gerne gönne. Dass zu den Innsbrucker Festwochen statistisch relevant so viele Touristen kommen, dass sich die Veranstaltung auch aus dieser Richtung rechtfertigen ließe, ist allerdings durch eine Untersuchung des Tourismusverbandes Innsbruck widerlegt.
5. Ich weiß nicht, in welchem kulturellen Jammertal sie in Krefeld leben müssen, aber sie werden mir nachsehen, dass ich das nicht zum Ausgangspunkt meiner kritischen Überlegungen machen kann.
Mit herzlichen Grüßen
Alois Schöpf
Theater wird immer eher links sein. Ein rechtes Theater möchte ich mir gar nicht vorstellen! Dieser Artikel ist ja Frauen-Bashing der Sonderklasse! Kaum zu glauben, dass es sowas 2025 noch gibt!
Das letzte Konzert des Tiroler Symphonieorchesters hat mir aber gut gefallen. Klar, es standen keine symphonischen Highlights auf dem Programm, aber trotzdem waren die Stücke überlegt ausgewählt und passten gut ins herbstliche Programm. Dass es vom Symphonieorchester keine aktuellen CD-Aufnahmen gibt, finde ich auch schade. Auf das neue Werk von Johannes Maria Staud bin ich schon gespannt! Er ist ja zurzeit der über die Grenzen des Landes hinaus bekannteste Tiroler Gegenwartskomponist.
Der Großteil des Tiroler Publikums hat kein Interesse daran, irgendetwas anderes als Mainstreamklassik, zu konsumieren. Es will sich nicht mit Kultur auseinandersetzen, gegebenfalls darüber nachdenken, sondern sich nur berieseln lassen. Gepflegte Langeweile und nur ja keine Herausforderung. Zudem ist seit Coronazeit eine Flaute quer durch alle Musik- und Theatergenres bemerkbar, da viele darauf gekommen sind, man kann seine Vorlieben zuhause und dadurch billiger ausleben!
Die Publikumsbeschimpfung hat Handke hinreichend erledigt.
Das ist keine Beschimpfung, sondern schlicht und einfach die Wahrheit!