Alois Schöpf
Im Namen von uns Blasmusikanten:
Vielen Dank, liebe Schützen!
Notizen
Zur Abstimmung unserer Schützen, auf Platzpatronen schießende Damen zu verzichten, wurde ja schon fast alles gesagt, wobei der Tiroler Chef der Grünen Gebi Mair haarscharf an das angestreift ist, was tatsächlich noch nicht gesagt wurde und in seiner Auswirkung auf die klingende ÖVP-Vorfeld-Organisation Volkskultur wahrlich dramatische Auswirkungen haben könnte.
Wenn nämlich Einheimische oder Fremde auf unsere schön gewandeten und manchmal auch schön spielenden Musikkapellen blicken, werden sie feststellen, dass die sogenannten Holzregister, also Flöten, Klarinetten, Saxophone und Oboen mit immer erfreulicherweise größeren Ausreißern in das Horn-Fach in einem sehr hohen Ausmaß von Personen weiblichen Geschlechts gespielt werden.
Um zu verdeutlichen, was das heißt, sei nur vermerkt, dass in der Grifftabelle der berühmten Schule von Aurélio Magnani 102 verschiedene Griffe zur Produktion der Töne auf der Klarinette angegeben sind. Bei Flöten und Saxophonen sind es aufgrund der Oktav-Parallelität etwas weniger. Klar ist jedoch bei allen Holzbläsern, dass es ziemlich viel Intelligenz braucht, Mühe kostet und lange dauert, bis man auf diesen Instrumenten etwas kann.
Klar ist leider auch, dass die Freude am aktiven Musizieren erst so richtig mit dem Können wächst und bis zu diesem Zeitpunkt die Lernenden durch intensive Verwandtschaftsbeziehungen (woraus sich erklärt, dass manche Musikkapellen oft nur aus wenigen Großfamilien bestehen), Freundschaften unter den Musizierenden, attraktive Jugendarbeit, schöne Feste und prächtige Veranstaltungen über die Anfangsgründe am Instrument und oft auch über die Pubertät hinweg gerettet werden müssen. In der Hoffnung, dass dann irgendwann jener göttliche Funke im Kopf des jungen Musikers aufleuchtet, der eine lebenslange und leidenschaftliche Liebe zur Musik, eben auch zur Blasmusik, begründet.

Vor diesem Hintergrund solch langwieriger und prekärer Berufungen wäre es schlicht eine Katastrophe, wenn plötzlich auch Mädchen vonseiten der Schützen das Angebot erhielten, in neue Freundes- und Freundinnenkreise aufgenommen zu werden und dort schöne Feste und prächtige Veranstaltungen zu erleben, ohne langjährigen, mühseligen Unterricht, sondern lediglich mit der Fähigkeit ausgestattet, auf den Befehl eines brüllenden Kommandanten hin ungefähr zeitgleich den Abzug eines Gewehres zu betätigen, um statt Musik einen enormen Krach mit Platzpatronen zu machen.
So gut die Schützen in einem Dorf die Musikkapellen vor musikalisch untalentierten, jedoch auf der Suche nach Kameradschaft und Steigerung des Selbstwerts mittels Tracht befindlichen Mitbürgern entlasten, so würden sie bei der Zulassung von Frauen die blühende Tiroler Blasmusiklandschaft eines Gutteils ihrer Holzbläser berauben und angesichts der Tatsache, dass bei der Blasmusik das Holz, wie man so sagt, die Musik macht, den wichtigsten und repräsentativsten Anteil unserer Volkskultur ruinieren.
Als Blasmusikant kann man also nur dankbar sein, wenn die Schützen, wie es ihr Oberschütze Thomas Saurer festgestellt hat, so sind wie sie eben sind: Nämlich unheilbar reaktionär.
Damit sind wir aber zuletzt doch noch beim Tiroler Grünen-Chef Gebi Mair angekommen, der gemeint hat, man möge die Schützen aus dem landesüblichen Empfang ausschließen, weil sie ein imageschädigendes Weltbild repräsentieren. Dass ein solcher Ausschluss vonseiten unseres Landeshauptmanns nicht zu erwarten ist, ergibt sich aus der Rüge, die er Mair unvermittelt erteilt hat: Er möge sich gefälligst nicht in die Agenden freier Vereine einmischen!
Also müssen in diesem Fall unsere Tirolerinnen nicht nur die Blasmusik retten, sondern gleich auch das Ansehen Tirols. Wenn sie nämlich innerhalb ihrer Musikkapellen kund und zu wissen tun würden, dass sie mit ihren vielen Instrumenten nicht bei Anlässen ausrücken wollen, an denen sich auch Leute beteiligen, die ihr Geschlecht in so unerträglich hinterwäldlerischer Art und Weise diskriminieren, gäbe es keinen landesüblichen Empfang und damit auch kein Bild unseres Landes mehr, das uns als zurückgebliebene, des Denkens nur beschränkt fähige und geschichtsvergessene Simpel darstellt.
In diesem Sinne gilt die Aufforderung des Aufklärers Immanuel Kant an unsere Musikantinnen in besonderer Weise: Sapere aude! Was bedeutet: Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!
Bildnachweis: KI-Generiert
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Als aktiver Sportschütze und seinerzeitiger Funktionär habe ich eine Weile Schießkurse veranstaltet. Das Interesse war enorm, der Frauenanteil ca. 40 Prozent, mehr als doppelt so hoch wie beim Sportschießen. Natürlich hat mich das gefreut.
Ob bei den Traditionsschützen (das ist etwas anderes als das Sportschießen) Frauen aufgenommen werden sollen, geht niemand etwas an. Das ist ausschließlich Sache derer, die dort Mitglieder sind.
Eine Bekannte von mir steht einem Akademikerinnenverein vor, vermutlich, weil das so etwas Seltenes ist. Ich muss gelegentlich eine Meldestelle suchen, weil ich mich ausgegrenzt fühle.
Hallo Reinhard! Dass das niemanden etwas angeht, wenn die Schützen Platzpatronen schießende Frauen ausschließen, wäre nur dann gerechtfertigt, wenn 1. die Schützen von der öffentlichen Hand nicht massiv gefördert würden und 2. durch den unsäglichen landesüblichen Empfang nicht das Image Tirols als eines rückständigen Landes prägen würden. Die Vereinsfreiheit ist ein hohes Gut. Wenn Vereine allerdings, wie auch die Blasmusikkapellen, massiv im Dienst der Öffentlichkeit stehen und wichtiger Bestandteil der Identität eines Landes sind, haben sie sich an den Verfassungsgrundsatz der Gleichberechtigung zu halten.
Alois
1. Bei mir haben sie scharf geschossen, besonders gern .357 Magnum und .45er.
2. Förderungen sind ein Problem, das gelöst werden müsste, durch Herunterfahren auf null. Es würde keinen Falschen treffen. Sie bedürfen aber keiner Quote, unter der Gießkanne sind alle gleich.
3. Imagefragen sind Geschmackssache, mir sind sie eigentlich gleichgültig.
4. Der Sprung zu den Blaskapellen ist gewagt. Das ist doch was anderes? Allerdings sind die auch nicht besser. Wenn ich dazugehen wollte, fragt mich sicher gleich einer, ob ich ein Instrument spiele. Da is es mit der Gleichberechtigung auch schon wieder aus.
Ob ich denen mit der Verfassung kommen kann?
Als aktiver Schütze hat mich dieser Text interessiert. Und da das Bild der „Schützin“ KI-generiert ist, habe ich meinerseits der KI meines Vertrauens die folgende Frage gestellt: Was bedeutet „unheilbar reaktionär“?
Die Antwort ist genauso lesenswert!
Beginn des KI-Textes.
„Unheilbar reaktionär“ ist eine zugespitzte, wertende Bezeichnung. Kurz und klar, zerlegt in Teile:
reaktionär:
Politisch-gesellschaftliche Haltung, die Fortschritt ablehnt, frühere Zustände idealisiert („früher war alles besser“), auf Veränderungen mit Abwehr statt Gestaltung reagiert.
Wichtig: Das ist mehr als „konservativ“. Konservativ will bewahren, reaktionär will zurückdrehen.
unheilbar:
Bedeutet hier nicht medizinisch, sondern polemisch:
nicht lernfähig, nicht kompromissbereit, nicht durch Argumente erreichbar
Gesamtaussage:
„Unheilbar reaktionär“ = jemand, der so tief im Gestern verankert ist, dass jede Entwicklung als Bedrohung empfunden wird – und daran auch nichts ändern will.
Mein klares Urteil (immer noch von der KI):
Der Begriff ist hart, bewusst abwertend und rhetorisch.
Er wird meist verwendet, um Diskussionen zu beenden, nicht um sie zu führen.
Man sagt damit eigentlich:
„Mit dir lohnt es sich nicht mehr zu reden.“
Ob das fair ist, ist eine andere Frage. Oft ist es eher ein Etikett aus Frustration als eine saubere Analyse.
Ende des KI-Textes.
Und dann denke ich mir wieder: Es ist nicht die künstliche Intelligenz, die uns bedroht. Es ist die natürliche Dummheit.
Die KI erweitert die natürliche Dummheit.
Als Frau hat mich dieser Text köstlich unterhalten, danke!