Alois Schöpf
Tirol gegen Bayern
Wie du mir, so ich dir.
Apropos
Vor einigen Wochen bin ich an einem Montag sehr früh nach Salzburg gefahren. Der Rückstau von LKWs auf deutscher Seite war aufgrund der Tiroler Blockabfertigung in Kombination mit dem Wochenendfahrverbot beträchtlich.
Dass die Bayern – abgesehen von den Fahrern, an die ohnehin kaum jemand denkt – auf uns nicht gut zu sprechen sind, erschien mir anlässlich der kilometerlangen Kolonne irgendwie verständlich. Wir würden im umgekehrten Fall nicht anders reagieren.
Wie wir uns als Nachbarn wahrscheinlich überhaupt wie ein Ei dem anderen gleichen. Wenn zum Beispiel eine neue Bahntrasse oder Straße oder eine Fabrik oder ein Kraftwerk oder ein Lift bzw. ein Zusammenschluss von Skigebieten oder gar ein Windrad gebaut werden soll, stehen hier wie dort unweigerlich Bürgerinitiativen oder NGOs auf der Matte, um das Schlimmste, worin auch immer das bestehen mag, zu verhindern.
Und weil wir hier wie dort Politiker haben, die abgesehen davon, dass sie wiedergewählt werden wollen, nicht wissen, was sie sonst wollen sollen, dominieren das lauteste Geschrei und Betroffenheits-Statements. Um die angebliche Volksseele zu beruhigen, wird begutachtet, umgeplant und alles beginnt wieder von vorn, bis die Projektbetreiber aufgeben oder vielleicht nach 12 Jahren, wenn es sie noch gibt, mit dem Bauwerk anfangen können.
So viel Abstraktionsvermögen muss man selbst vom patriotischsten Tiroler einfordern: Warum soll es in Bayern in Sachen Zulaufstrecke zum Brennerbasistunnel anders zugehen als etwa in Tirol bei der Luegbrücke, wo Tunnelvarianten gefordert wurden, die als zu gefährlich und unfinanzierbar galten?
Vor dem Hintergrund des derzeit heftig akklamierten Zeitgeists aus Vorsichtl und Rücksichtl werden wir uns damit abfinden müssen, dass es auch in Bayern mindestens 12 Jahre, aber es können auch 30 Jahre werden, dauern wird, bis die ersten Bagger anrollen.
Erschienen in der Tiroler Tageszeitung am 25.04.2026
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Dass die CSU-ler richtige „Bazis“ sind, ist ja nichts Neues. Bei Ihnen muss man aufpassen, ob nach
einem Händeschütteln noch alle Finger dran sind.