Alois Schöpf
Soll der Staat die Medien fördern?
Willkommen in der
lebenslänglichen Pädagogisierung
Notizen
Wenn heute ein Kindlein geboren wird, muss es möglichst rasch in die Kinderkrippe verfrachtet werden, weil beide Elternteile Geld verdienen müssen, um sich die seit 1950 bis heute verdoppelte durchschnittliche Wohnfläche von ca. 45 m² pro Person leisten zu können und nicht hochoffiziell in Armut abzugleiten, was dann der Fall wäre, wenn man sich nicht mehr den Tauch-Urlaub in Sharm El-Sheik in Ägypten leisten kann.
Dass die kleinen Staatsbürger dabei ihre Betreuerinnen in der Regel besser kennen als ihre leiblichen Mütter, ist ein Kollateralschaden, der ohne besonderes Zähneknirschen zur Kenntnis genommen wird, da ja unausgesprochen Übereinkunft darüber herrscht, dass das Mutter- bzw. Vater-Sein in Sachen Anstrengung jeden durchschnittlichen Beruf übertrifft.
In der Kinderkrippe werden die Kinder übrigens meist von öffentlich Bediensteten betreut, ebenso im sich daran anschließenden Kindergarten und ganz gewiss dann in der Volksschule, in der das Dogma zu gelten hat: Non scholae sed vitae discimus, was in freier bzw. realistischer Übersetzung heißt: Nicht für das Leben, sondern für die Lehrer lernen wir. (Ich weiß, ich weiß!)
Die Lehrer sind das intellektuelle Proletariat des Staates und als solche ebenso öffentlich Bedienstete wie die meisten ihrer Vorgängerinnen in den Krabbelstuben. In der Hierarchie Volksschule, Neue Mittelschule und Gymnasium steigen parallel zum von der EU geforderten Akademisierungsgrad ihre Gehälter und Privilegien insbesondere in Bezug auf Versicherung und Pensionen, mit dem Ziel, uns alle zu Zeitgenossen zu machen, die sich im Hinblick auf unsere kolonialistische und rassistische Vergangenheit schämen und zerknirscht auf den nur angeblich freien Westen und seine Kultur herabsehen.
Abschluss findet diese Erziehung sodann auf den Universitäten, die insbesondere in den Geisteswissenschaften die Studenten, welche sich nunmehr in Studierende zu verwandeln haben, in eine Welt entlassen, in der der Erwerb eines akademischen Grades relativ leicht zu bewerkstelligen ist, die hingegen durch ständiges Nachjustieren der eigenen Gesinnung und der Disziplinierung des sogenannten Hausverstandes im Sinne der Politischen Korrektheit viel Kraft und Frustrationstoleranz abverlangt.
Um letztere auf einem erträglichen bürgerlichen Niveau zu halten und im täglichen Leben nicht unter schizophrenen Schüben zu leiden, empfiehlt es sich für immer mehr um ihre geistige Gesundheit besorgte Zeitgenossen, eben erst aus den staatlichen Erziehungsanstalten entlassen, rasch wieder einen Job in ebensolcher staatlichen Obhut oder zumindest dort zu ergattern, wo das Gebot der ständigen Selbsterziehung in honorierte Fremderziehung umgewandelt werden kann.
Dass dafür das früher einmal durchaus beliebte Priesteramt nicht mehr infrage kommt, hängt nicht nur mit den peinlichen sexuellen Eskapaden dieser Berufsgruppe und dem Ausschluss von Personen weiblichen Geschlechts zusammen, worüber auch ein paar Alibi-Theologinnen nicht hinwegtäuschen können, sondern viel mehr mit den philosophischen Skurrilitäten, mit denen man immer noch versucht, eine Welt zu erklären, die sich seit Corona, zumindest was den offiziellen Diskurs betrifft, für die Naturwissenschaften entschieden hat.
Die Position dieser Prediger von früher haben nun die Medien von heute übernommen, deren Produkte neben den weltweit immer gleichen, inzwischen schon KI-generierten Sachinformationen zu einem immer größeren Teil aus Anweisungen bestehen, was der Zeitgenosse als der Schule Entwachsener nicht nur zu denken, sondern im besten Fall auch authentisch zu fühlen hat.
Da die meisten Menschen jedoch, sofern sie nicht selbst Prediger sind, noch selten Gefallen an moralischen Maßregelungen gefunden haben, standen sie in Zeiten der religiösen Herrschaft so lange vor der Kirche herum und rauchten eine Zigarette, bis die Rede ihres Priesters vorbei war. In der Gegenwart wiederum wechseln sie in Massen vom Programm ihrer grünlinken Belehrer zu den Programmen der US-amerikanischen Unterhalter und kündigen Abos, um sich Geld zu sparen, denn das, was sie wirklich wissen müssen, bekommen sie ohnehin gratis.
Wen wundert es angesichts dieser Gemengelage, dass es den klassischen Medien, wie sie heißen und wie sie in den letzten Jahrzehnten großen Reichtum und Distinktion anhäufen konnten, mit Ausnahme des von staatlichen Zwangsgebühren abgesicherten ORF auch in Österreich immer schlechter geht und sie im Entsetzen, die eingeübte Verbrüderung mit den Machteliten gefährdet zu sehen, in den Aufschrei flüchten: Ohne sie gäbe es keine Demokratie mehr, weshalb der Staat sie unterstützen müsse, damit es sie noch weiterhin gibt. Wen eigentlich? Die Medien oder die Demokratie?
In Wahrheit müsste es heißen: Ohne sie, die sie schon heute durch die staatliche Medienförderung und durch undurchsichtige, unter Korruptionsverdacht stehende Inseratenkampagnen mit ca. 350 Millionen Euro, etwa im Jahr 2020, aus öffentlichen Haushalten alimentiert werden, gäbe es genau diesen Staat nicht, der, von Journalisten unbeeinsprucht, wie eine Krake auch noch das letzte Fleckchen an geistiger Freiheit zu ersticken versucht und die übelsten Schreckens-Visionen eines Friedrich August von Hayek, allerdings in unerwartet anderer Art und Weise, durch immer weiter ausgreifende staatliche Regelungen Wirklichkeit werden lässt.
In Wahrheit würde die gesetzlich abgesicherte Förderung der Medien auf nichts anderes hinauslaufen als auf eine bei der Kinderkrippe beginnende, sich über den Kindergarten und die Schulen bis hin zu den Universitäten fortsetzende immerwährende Pädagogisierung der Bevölkerung im Dienste eines demokratischen Neoabsolutismus. Denn wer würde so naiv sein zu glauben, dass eine finanzielle Abhängigkeit vom Staat nicht unweigerlich, wenn auch subtil, einen Staats-Journalismus zur Folge hätte, wie ihn der ORF, in inniger Umarmung mit und daher unbehelligt von den Privaten, als arrogante, überbezahlte, säkulare Priesterkaste schon heute repräsentiert?
Wer da wirklich noch ein authentischer Medienarbeiter, also ein wirklicher Journalist, also ein leidenschaftlicher Wahrheitssucher und Aufklärer sein möchte, wendet sich mit Entsetzen vom Begehren einer solchen staatlichen Medienförderung ab.
Denn die Maßnahmen, wie sie derzeit von Medienminister Babler geplant werden, sind vor dem Hintergrund des Scheinarguments objektive Berichterstattung und Rettung der Demokratie mit erneut überbordender Bürokratie lediglich die Sterbehilfe für ein aus der Zeit gefallenes Medienmodell. Neue Ansätze, wie etwa der vorliegende Blog, dessen Leserschaft längst jene der inzwischen eingestellten ältesten Tageszeitung der Welt, der Wiener Zeitung, übertrifft, werden dabei naturgemäß wieder leer ausgehen, obgleich es international längst solche Blogs sind, die ganze Gesellschaften zu Reformen zwingen. Es sei im Hinblick auf Tirol lediglich an die illegale Eigentumsübertragung von Gemeindegut an die Agrargemeinschaften erinnert, bei der eine Einzelperson wie ein Ulrich Stern verhindern konnte und immer noch verhindert, dass Gras über diesen ÖVP-Dauerskandal wächst.
Zuletzt jedoch entgeht einer solchen Medienförderung auch die dringende Notwendigkeit, der Dominanz jener Konzerne etwas entgegen zu setzen, die inzwischen so mächtig sind, dass sie auf Befehl eines Donald Trump bei europäischer Unbotmäßigkeit durch Abschalten ihrer Leistungen uns alle binnen weniger Minuten in die Steinzeit zurückbomben könnten.
Es wird andere Wege geben müssen, um die Krise der Branche zu bewältigen. Für eine staatlich abgesicherte, vom Markt und hier vor allem von der Jugend unabhängige Selbstverfettung zu kämpfen, ist jedenfalls eine nostalgische Sehnsucht nach vergangenem Luxus und, um einen Begriff Hayeks zu zitieren, ein weiterer Weg in die Knechtschaft.
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Ob eine gute Betreuung in diesen meistens überbelegten Tagesstätten, wie immer wieder moniert wird, gegeben ist, wage ich zu bezweifeln. Ich denke, dass es natürlich und normal wäre, Kinder zumindest in den ersten beiden Jahren zu Hause zu betreuen. Und es ist dann halt eine Frage, was mehr Gewicht hat in der Lebensplanung: Beruf und Karriere, Urlaub auf den Seychellen oder wohin auch immer einen halt das Fernweh ruft, oder eben psychisch gesunde Kinder.
Ich muss zwar gestehen, ich habe selbst keine Kinder und war daher nie von dieser Frage konkret betroffen, aber durch meinen langjährigen krankheitsbedingten Klinikaufenthalt in meinem ersten Lebensjahr weiß ich die liebevolle Betreuung vor allem durch meine Mutter in den Jahren danach immer noch zu schätzen.
Super gut, es ist nur so ein enormer sozialisierungsdruck, der den großteil der normal sterblichen ungefragt in den strudel der unreflektiertheit führt
Ich bin mir sicher, ob dieses ausgesprochen negative Elternbild nicht wirklich der Realität entspricht. Viele Elternteile, die ihre Kinder früh betreuen lassen, tun das nicht aus Gleichgültigkeit oder Bequemlichkeit, sondern weil moderne Lebens- und Arbeitsbedingungen es oft gar nicht anders zulassen. Und viele Kinder profitieren gleichzeitig von qualitativ guter, professioneller Betreuung, ohne dass ihre Bindung zu den Eltern darunter leidet.
Mir fehlt in der Analyse die Differenzierung: Zwischen ökonomischem Druck und echter Wahlfreiheit, zwischen schlechter und guter Betreuung, zwischen individuellen Lebensmodellen und pauschalen Annahmen über „die Eltern von heute“.
Ich bezweifle daher, dass die geschilderte Entfremdung flächendeckend stattfindet oder zwangsläufig ist. Wenn es dafür Daten gibt, schaue ich sie mir gern an. Gerade wenn es um Familie, Betreuung und frühe Kindheit geht, sollte man m. E. eher auf empirische Forschung und belastbare Fakten setzen als auf sehr zugespitzte Diagnosen.
Falls jemand verlässliche Studien oder Statistiken zur tatsächlichen Eltern-Kind-Interaktion, zu Bindungsqualität oder zum Einfluss früher Betreuung hat, nehme ich das gern mit.
Liebe Grüße
Andreas