Alois Schöpf
Sind Handys und Soziale Medien
allein schuld?
Apropos
Die sogenannten Sozialen Medien, die angeblich die Gesellschaft spalten und die Jugend verblöden, aber auch die Handys, in die alle hineinstarren, sind Gegenstand heftiger Kritik. Das hat dazu geführt, dass erstere bis zu einem gewissen Alter überhaupt verboten werden sollen, wofür es gute Gründe gibt, und zweitere bereits aus dem Schulunterricht verbannt sind, was ebenfalls sinnvoll ist.
Fairerweise würde es nun auch der älteren Generation gut anstehen, sich an eine Zeit zu erinnern, in der das Fernsehen in nostalgisch lieblicher Weise auf ein Programm und zuletzt auf das Abspielen der Bundeshymne beschränkt war. Dennoch wurde es als Bedrohung für die geistige Gesundheit der Menschheit angesehen.
Solche Warnungen sind, obgleich inzwischen aus einem Programm dutzende wurden, durch das Geschimpfe auf die sozialen Medien und die allgegenwärtigen Handys vollkommen in Vergessenheit geraten.
Wenn man allerdings bedenkt, welche Auswahl allabendlich vor dem Fernseher sitzende Zeitgenossen vorfinden, ist die Frage nach den Folgen für die geistige Gesundheit wohl berechtigter als früher.
So sind die Hauptnachrichten zwischen Ukraine und Gaza so voll von Schrecklichem, dass sich viele Zuseher ohnehin davon verabschiedet haben. Aber auch danach wird weiter gemordet und betrogen, sei es in der Oper, in der sich zwei Damen bekämpfen, bis eine hingerichtet wird, oder in der schier unendlichen Schrottmasse von Krimis, aber auch in ewigen Sportübertragungen, in denen allerdings nur gekämpft und gefoult wird.
Wer all dem ausweicht, landet dann garantiert in einer Dokumentation über das Dritte Reich. Oder wenn er Glück hat, erwischt man eine Heimatsendung, in der das Triviale durch Dialekt zur Weltweisheit erhoben wird.
Darf man angesichts solcher Programme nicht auch um die geistige Gesundheit der älteren, noch TV konsumierenden Generationen bangen?
Erschienen in der Tiroler Tageszeitung am 16.08.2025
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