Alois Schöpf
Man darf wieder Marmelade sagen!
Oh danke!
Apropos

Ist es nicht wunderbar, dass wir aufgrund der – Achtung! Kein Witz! – EU-Frühstücks-Richtlinie 2026 ab Juni ein Wort, das uns aufgrund des britischen Sprachgebrauchs für ihre Marmelade aus Orangen verboten war, wieder für unsere eigenen fruchtigen Brotaufstriche verwenden dürfen?

Wie wir auch froh und dankbar sind, dass man uns für den Veggie-Burger den Ausdruck Veggie-Burger und für das Sojaschnitzel den Ausdruck Sojaschnitzel erlaubt.

Wohingegen beim Tofu-Kotelett oder bei der vegetarischen Hühnerkeule Schluss mit lustig ist. Denn da könnte ja eine intellektuelle Überforderung der europäischen Bürgerschaft eintreten, wenn sie aufgrund der Freiheit der Wortwahl beim Einkaufen plötzlich nicht mehr zwischen Fleisch und Erbsenpüree zu unterscheiden verstünde.

Wie wir ja auch, wenn Sie sich noch erinnern, dereinst vor den Allergenen im Wirtshaus geschützt wurden, woraufhin sämtliche Speisekarten neu geschrieben werden mussten, natürlich auf Kosten der Wirte. Und obgleich die Verordnung bis heute aufrecht ist, kümmert sie keinen Menschen mehr, wird auch nicht kontrolliert und ist ins Kleingedruckte abgewandert, wo dann brav das Allergene mit dem Unverträglichen verwechselt wird.

Schon wieder entgeht man nicht der betrüblichen Erkenntnis, dass die EU, diese großartige Friedensidee, von der wir alle profitieren, am besten Weg ist, sich durch den grotesken und gefährlichen Regulationswahn ihrer hochbezahlten Bürokraten der letzten Sympathien zu berauben und sich langsam, etwa auch auf dem Gebiet der subtilen Internet-Regulierungen, zu einer Diktatur auswächst.

Wenn wir einfachen Bürger offenbar belehrt werden müssen, was wir essen dürfen, so ist es höchste Zeit, dass die Schreiberlinge in Brüssel von uns darüber belehrt werden, was das Subsidiaritätsprinzip ist: Nämlich politisch auf der lokalsten zuständigen Ebene zu entscheiden. Capito?

Erschienen in der Tiroler Tageszeitung am 20.06.2026

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Alois Schöpf

Alois Schöpf, Autor, Journalist, Veranstalter, geb. 1950, lebt bei Innsbruck, schreibt seit 41 Jahren in Zeitungen und Zeitschriften, zuletzt seit 34 Jahren in der Tiroler Tageszeitung, pointierte und viel gelesene Kolumnen. Er ist einer der dienstältesten Kolumnisten Österreichs. Nach seiner Tätigkeit als ORF-Fernsehredakteur für Fernsehspiel und Unterhaltung verfasste Schöpf Romane, Erzählungen, Märchenbücher und in den letzten Jahren vor allem Essays zu relevanten gesellschaftlichen Themen. Daneben schrieb er Theaterstücke und vier Opernlibretti. Schöpf war auch als Blasmusikdirigent tätig und ist Gründer der Innsbrucker Promenadenkonzerte, die er 25 Jahre lang bis 2019 leitete. Zuletzt gründete er 2020 das Online-Magazin schoepfblog, an dem 40 renommierte Autorinnen und Autoren mitarbeiten.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Mich deucht, ich werde gleich malade … /
    Man schreibt erneut jetzt Marmelade?! /
    Kurzum, man weist der Konfitüre /
    in Österreich brutalst die Türe? /
    Soll ich gar auf die Stulle streichen /
    mir MarmeDingsbums…? Über Leichen /
    geht man mit diesem Umtauf-Zwange; /
    kein Wunder: da wird einem bange! /
    Obwohl – wenn ich ganz ehrlich bin – /
    das ‚MarmeZeugs‘ macht durchaus Sinn: /
    Falls nicht benutz‘ ich „Marmelade“ /
    werd‘ ich gesteckt in eine Lade, /
    auf der dann steht, gewissermaßen, /
    ’norddeutsch‘. Das sollt‘ ich besser lassen, /
    weil in der Alpenrepublik /
    wirkt derlei Etikett kaum schick. /
    Ich will ja schließlich heimisch werden /
    und bleiben hier, auf Tirols Erden! /
    Da muss ich leider mich anpassen, /
    auch sprachlich. Shit! Ist kaum zu fassen! /
    Daher werd‘ üben ich ab nun …: /
    Die sagen ‚Henderl‘ hier zum Huhn, /
    ‚passt scho!‘ zu uns’rem hübschen ‚knorke‘ /
    und ‚Rinde‘ zu der Bäume Borke! /
    Verrückt! Indes werd‘ ich mich fügen /
    und folglich mich selbst strafen Lügen. /
    Daher, ab jetzt nur: „Marmelade!!!“ /
    Zum Deiwel! Ich werd‘ gleich malade!

    PS: Das Obige bitte nicht missverstehen. Ist ausdrücklich scherzhaft gemeint. Ich, ein waschechter Ösi, habe ganz und gar nichts gegen unsere nördlichen Nachbarn (solange sie nicht zahlenmäßig unsere Unis ‚verstopfen’…).

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