Alois Schöpf
Krokodilstränen für Robert Kratky
Der staatliche Rundfunk ORF
als zwangsfinanzierte Spaßkanone
Notizen
Überwältigendes Mitleid schlug vonseiten der Wiener Bobo-Presse dem Spaßmacher der Nation Robert Kratky entgegen, als er bekannt machte bzw. angeblich bekannt machen musste, dass er seinen Job nun doch um ca. 700.000 Euro früher als geplant beim ORF beenden werde.
Depressive Verstimmung und Burnout wurden dabei neben Überarbeitung wieder einmal den sozialen Medien in die Schuhe geschoben. Hassorgien gegen den verdienstvollen Mann, der immerhin 50 Millionen Werbegelder pro Jahr für seine Morgensendung und den Radiosender Ö3 zu lukrieren imstande war, hätten zu einer zusätzlichen psychischen Belastung und damit zur vorzeitigen Beendigung seines Jobs geführt.
Kratky, der nicht angestellt ist, weil er als solcher nie so viel hätte verdienen können, wie er verdient hat, führte mit seinen Einkünften von 470.000 € jährlich (das sind 150.000 Euro mehr als der österreichische Bundespräsident) die Einkommenslisten der geschützten Werkstätte ORF an. Und dies mit der Begründung, dass er, wenn er nicht so viel bekommen hätte, von privaten Sendern abgeworben worden wäre.
Hier gilt es nun in den fragwürdigen Nebel des Mitleids, mit dem die ORF-Granden und -Grandinnen den Abgang des zweifelsfrei sehr kreativen und humorvollen Herrn bedachten, mit Rückgriff auf das ORF-Gesetz etwas Klarheit zu bringen.
1.
Von einem Menschen, der so viel Talent hat, um mit seinen Späßen und lustigen Ideen so viel Geld zu verdienen, kann auch die geistige Kapazität erwartet werden, für sich selbst zu wissen, wann er sich überfordert und vor allem: ab wann er sich überfordert fühlt. Ebenso ist davon auszugehen, dass ihm genügend Ersparnisse zur Verfügung stehen, um sich zur Wiederherstellung seiner Gesundheit der besten Ärzte und Therapien zu bedienen. In diesem Sinne: Gute Besserung!
2.
Eine ganz andere Frage ist es, ob einem staatlichen Rundfunk, der von den Zwangsgebühren der Österreicherinnen und Österreicher lebt und dem im Gesetz vorgeschrieben wird, einwandfreie Unterhaltung zu bieten, die Aufgabe zukommt, sich in einer Mischung aus Blödelei, Werbung und grenzdebiler Musik beim vor allem jugendlichen Publikum in einer Weise anzubiedern, dass die Erkenntnis von der Komplexität des Lebens, die meist am Beginn eines Tages klarer vor Augen steht als am Abend, in der Trance absoluter Oberflächlichkeit ertränkt wird. Nein! Dies ist ganz bestimmt nicht eine der Aufklärung und dem Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unvernunft verpflichtete Aufgabe eines öffentlichen Rundfunks, sondern, wenn schon, der Job kommerzieller privater Sender, die zum Zwecke der Selbstverblödung einzuschalten jeder selbst die Verantwortung trägt.
Durch die Quasi-Monopolstellung des ORF entgehen diesen Privaten jedoch am durch das Internet immer schmäler werdenden Werbemarkt genau jene 50 Millionen Euro, die sie eventuell befähigen würden, auch etwas in guten Journalismus zu investieren. Herr Kratky ist also, gerade weil er offenbar so kreativ und spaßig war, für die mangelnde Medienpluralität in Österreich mitverantwortlich. Wahrscheinlich ist er auch deshalb dem ORF so viel wert. Die potentielle Konkurrenz gehört nämlich präventiv finanziell und technisch klein gehalten. Das hat bis dato bestens funktioniert.
3.
Um von solchen fragwürdigen Zusammenhängen in der politischen Debatte abzulenken, werden, wie schon erwähnt, die sozialen Medien und ihre angeblichen Hassorgien dafür verantwortlich gemacht, dass Kratky aufgrund psychischer Belastung vorzeitig abtreten muss. Dem ist zum einen entgegenzuhalten, dass jemand, der die sozialen Medien zu seinem eigenen Vorteil nutzt, wie es Kratky getan hat, selbst schuld ist, wenn er auch mit ihren Nebenwirkungen konfrontiert wird. Wer Facebook und Konsorten konsequent als geistige Kackstube für narzisstische Verbal-Diarrhötiker betrachtet und nur mit zugehaltener Nase betritt, wird von sogenannten Hasstiraden erst gar nichts mitbekommen.
Ebenso ist anzumerken, dass in einer Zeit, in der das Kompliment, dass eine Frau hübsch sei, von dieser als übergriffig interpretiert werden kann, schon allein die Erkenntnis, dass jemand im Verhältnis zu seiner verzichtbaren Tätigkeit unverschämt viel verdient, als Hassorgie eingestuft wird. Dabei stellt sich die Frage, ob es nicht eine gewisse Berechtigung hat, wenn die oft zitierte Supermarktverkäuferin, die im Monat 1800 € netto verdient und sich, um das überhaupt auszuhalten, allmorgendlich von Ö3 das Hirn vernebeln lässt, nicht im Zustand ihrer seltenen Wachheit zurecht eine Wut bekommt, wenn sie hört, dass ein Ö3-Schwätzer fast das 20 fache verdient.
4.
Womit wir zuletzt jenes Spielchen erreicht haben, das nicht nur Galerien betreiben, wenn sie einander Bilder zu überhöhten Preisen abkaufen, um den Marktwert eines Künstlers zu steigern. In gleicher Weise behaupten auch die Großverdiener in den Medien, dass sie berechtigterweise so viel Geld verdienen und, sofern dies nicht anerkannt würde, dorthin abwandern müssten, wo ihnen die entsprechende in Euro umgerechnete Hochachtung entgegengebracht würde.
Es versteht sich, dass Direktoren, die oftmals nur als vor Mittelmäßigkeit schreiende ParteisoldatenInnen an die Spitze eines staatlichen Unternehmens gekommen sind, dieses Spielchen ebenso mit ihren frechsten und gierigsten Untergebenen nicht nur mitspielen müssen, sondern auch mitspielen wollen, um auf diese Weise diskret die Berechtigung ihrer eigenen unverschämten Privilegien abzusegnen.
Dass sich ein staatlicher Rundfunk an diesem Spiel um des Kaisers neue Kleider beteiligt, ist, abgesehen vom täglichen Verrat an der Aufklärung, eine schändliche Bereicherung aus öffentlichen Geldern und trägt mit dazu bei, dass das Ansehen des Unternehmens nur noch bei Leuten intakt ist, die aus der Trance ihrer Ö3-Verblödung nicht mehr aufgewacht sind.
Wenn Ihnen schoepfblog gefällt, bitten wir Sie, sich wöchentlich den schoepfblog-newsletter zukommen zu lassen, und Freundinnen und Freunde mit dem Hinweis auf einen Artikel Ihres Interesses zu animieren, es ebenso zu tun.
Weitere Möglichkeiten schoepfblog zu unterstützen finden Sie über diesen Link: schoepfblog unterstützen
