Alois Schöpf
Jetzt holt es der Staat über die Gemeinden.
Apropos
Beim Versuch, die Nomenklatur der Abgabenvorschreibungen der Gemeinde zu entziffern, scheitern sogar Gemeindesekretärinnen. Das Computerprogramm ist halt so, bedauert der Bürgermeister mit empathischem Augenaufschlag.
Ein Schlingel, wer dabei den Verdacht hegt, dass mittels staatlicher Hieroglyphen nur Kundigen die Erkenntnis vorbehalten bleiben soll, wie sehr die Gemeindeabgaben in vielen Bereichen sogar inflationsbereinigt gestiegen sind. Die meisten bezahlen, ohne den Wisch je studiert zu haben.
Jetzt sollen diese Gemeindeabgaben noch weiter steigen, was ja nicht nur die bösen Besitzenden, sondern auch die armen Mietenden trifft, wenn die Betriebskosten zulegen.
Da der Gesamtstaat es im Höchststeuerland Österreich nicht mehr wagt, die Steuern zu erhöhen, hat er immer mehr Aufgaben an die Gemeinden abgeschoben, um auf diesem Weg doch noch etwas aus den Bürgern herauszupressen, ohne zugleich offenen Protest zu riskieren.
Dieser Trick soll nun aufgrund komplett leerer Staatskassen erneut angewendet werden, indem die sogenannte Grundsteuer, die ja, wie man marketingmäßig klug verlauten lässt, seit 40 Jahren nicht mehr erhöht wurde, angehoben werden soll.
Wie jede Steuererhöhung geht auch diese mit edlen Vorsätzen einher, gegen die nur ein Unmensch etwas einwenden könnte. So sollen die Mehreinnahmen ausschließlich unseren Kleinsten für Krabbelstuben und Kindergärten und dem Sozialen, und hier insbesondere unseren alten Menschen, wie es so schön heißt, zugutekommen.
Das Traurige an unserer Abgabenquote von aktuell 45,3 Prozent ist leider der Umstand, dass zu viele Bürgerinnen und Bürger ganze Listen erstellen könnten, wo das Geld hinausgeschmissen wird, aber lieber den Mund halten, weil sie selbst irgendwo kassieren.
Dadurch entsteht nie jene politische Kraft, die unserem aufgeblähten Staat den Kampf ansagen könnte. Notwendig wäre es!
Erschienen in der Tiroler Tageszeitung am 29.11.2025
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