Alois Schöpf
“Gesichert rechtsextrem”
Wem nützt das?
Apropos

Auf den Wahlerfolg der AfD im ostdeutschen Sachsen-Anhalt hin erfolgte vonseiten der Politik und der vor allem staatlichen Medien geradezu beschwörend: Die vom Bundesamt für Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestufte AfD. Zuletzt begann ich zu zählen. Die Arte-Redaktion übernahm im Verhältnis zu ihrer kurzen Nachrichtensendung dabei die Führung. Ohne diesen Zeitrahmen waren jedoch ZDF, ARD und auch unser ORF noch großzügiger mit der Punzierung.

Für wie blöd halten diejenigen, die sich um den Fortbestand unserer Demokratien sorgen, eigentlich ein Publikum, das schon längst weiß, dass die Zuschreibung gesichert rechtsextremistisch von einer Behörde stammt und nicht von einem unabhängigen Gericht? Und dass bestimmt in Deutschland als auch sehr wahrscheinlich in Österreich jede Partei, bei der diese Zuschreibung durch Erkenntnisse der obersten Gerichte bestätigt würde, verboten werden könnte?

Woraus folgt: Die Formulierung Die vom Bundesamt für Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestufte AfD ist eine von politischen und weltanschaulichen Gegnern bewusst eingesetzte Denunziation, die durch ihre penetrante Wiederholung auch noch vom naivsten Kirchenlicht als solche durchschaut wird.

Die Parteien der Mitte werden aber nur dann wieder gewinnen können, wenn sie die in den sogenannten Brandmauern eingemauerten Probleme endlich zur Kenntnis und ernst nehmen. Und gegenüber den Anliegen der Wähler der bösen Rechtsparteien nicht ein belehrendes, sondern verständnisvolles Verhältnis einnehmen.

Und wenn sie statt Denunziation auf der konkreten Beantwortung von Fragen bestehen. Etwa: Wie soll das gehen mit dem Ausstieg aus dem EURO, dem Ende des Schengenraums, dem Ende der Ukrainehilfe, der Rückführung von Migranten in Länder, die sie nicht zurücknehmen?

Denunziation ist hier Wahlhilfe für die Denunzierten.

Erschienen in der Tiroler Tageszeitung am 12.09.2026

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Alois Schöpf

Alois Schöpf, Autor, Journalist, Veranstalter, geb. 1950, lebt bei Innsbruck, schreibt seit 41 Jahren in Zeitungen und Zeitschriften, zuletzt seit 34 Jahren in der Tiroler Tageszeitung, pointierte und viel gelesene Kolumnen. Er ist einer der dienstältesten Kolumnisten Österreichs. Nach seiner Tätigkeit als ORF-Fernsehredakteur für Fernsehspiel und Unterhaltung verfasste Schöpf Romane, Erzählungen, Märchenbücher und in den letzten Jahren vor allem Essays zu relevanten gesellschaftlichen Themen. Daneben schrieb er Theaterstücke und vier Opernlibretti. Schöpf war auch als Blasmusikdirigent tätig und ist Gründer der Innsbrucker Promenadenkonzerte, die er 25 Jahre lang bis 2019 leitete. Zuletzt gründete er 2020 das Online-Magazin schoepfblog, an dem 40 renommierte Autorinnen und Autoren mitarbeiten.

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. Markus Rieser

    Guten Morgen Herr Schöpf,
    Apropos „Gesichert rechtsextrem“ – Wem nützt das?
    ich bin schon der Überzeugung, dass die AfD verboten gehört, weil diese Partei gegen geltende Gesetze verstößt.
    Da diese Partei den sie massenhaft wählenden Kirchenlichtern vermittelt, dass ein Austritt aus der EU, Abschaffung des Euro, Aufkündigung der Zusammenarbeit mit öffentlich-rechtlichen Medien (MDR), Eingriff in den Schulunterricht und „Remigration“, eine angekündigte Menschenjagd à la Trump durch eine militärisch aufgerüstete Behörde (siehe Rüstungsgüter für Abschiebeoffensive – TT 12.9.26, Seite 11), vorteilhaft und auch umsetzbar wäre, hat sie offensichtlich nur das eine Ziel, die Abschaffung der Demokratie.
    Kirchenlichter haben anno 1932/1933 diese Ausgangslage ebenso wenig erkannt, und sind, gleich heute, wie Motten den „rechten“ Lichtgestalten gefolgt.
    Sollte in Deutschland, wie auch in Österreich eine rechtsradikale Partei die absolute Mehrheit erzielen, dann haben die Kirchenlichter es sich auch wahrlich verdient.
    Verbote sollten nie eine freie Wahl beeinflussen, aber ab einem Zeitpunkt ist es zu spät, dann wird den Widerspenstigen, Apropos hin oder her, das Licht ausgeblasen.
    Die FPÖ hat ja dieses Spiel 2018 schon probiert, als Innenminister Kickl seinen eigenen Geheimdienst überfallen ließ, um sich Zugriff auf Geheimdaten gegen seine Partei und deren Verbindung zu den Identitären zu sichern. Kanzler Kurz und ganz Österreich haben nur schmähstad zugeschaut.
    Kirchenlichterstaat
    Schönen Sonntag

    1. Elfriede Jonas

      Wir habens kapiert, alle die Ihrer Meinung nicht folgen sind „Kirchenlichter“, denn jeder der nicht links wählt ist dumm. Das übliche Schema.
      Aber vielleicht sollten Sie sich einmal mit der entsprechenden Materie und mit den Parteiprogrammen ausführlicher beschäftigen, dann müssten Sie hier auch keine Lügen verbreiten.

  2. Franz Mathis

    Danke, lieber Alois, und Gratulation zu Deinem Kommentar zur Wahl in Sachsen -Anhalt!
    Was ich nicht verstehe: wie konnte man zulassen, dass der so erfolgreiche Ministerpräsident Reiner Haseloff, der die CDU von 30% im Jahr 2016 auf 37% im Jahr 2021 vermehrte – in Zeiten wie diesen geradezu sensationell – noch VOR statt irgendwann NACH der heurigen Wahl zurücktrat und dem bis dahin nur wenig profilierten Schulze Platz machte. Im Land beliebt, aus dem Land stammend hätte er die Verluste für die Partei sicher geringer ausfallen lassen.
    Mehr taktisches Politikversagen geht wohl nicht! Ich wundere mich, dass dies in den Diskussionen, die ich gesehen habe (Lanz, Illner etc.), nicht thematisiert wurde. Oder habe ich etwas übersehen.
    Wie auch immer, liebe Grüße, Franz

  3. Christoph Schmarl

    Lieber Herr Schöpf,

    ich stimme Ihrem Beitrag vollkommen zu. Das ständige Ausgrenzen und Errichten von „Brandmauern“ löst kein einziges Problem, sondern treibt unzufriedene Bürger nur weiter zu Protestparteien.
    Wähler überzeugt man nicht durch Belehrungen oder Stigmatisierung, sondern durch konkrete Taten. Die etablierten Parteien gewinnen Vertrauen erst dann zurück, wenn sie die Sorgen der Menschen ernst nehmen und echte Lösungen liefern – sei es bei Migration, Wirtschaft, Bildung, Teuerung, Gesundheit oder Pflege. Wer Ursachen bekämpfen will, muss Probleme anpacken, statt den politischen Gegner bloß auszugrenzen.
    Mit freundlichen Grüßen
    Christoph Schmarl

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