Alois Schöpf
Und was ist ihre Leistung?
Über die skandalösen Gehälter
der TIWAG Vorstände und
ihre für den Stromkunden undurchschaubare
Geschäftsführung
Notizen

Absonderliches tut sich wieder einmal in TIWAG und IKB. Da wird zuerst ein Vorstand geschasst, weil er angeblich Privates mit Geschäftlichem vermischt hat. Was es gewesen ist, bleibt streng geheim. Dennoch sickert etwas von Fotoshooting im Mühlauer Wasserschloss durch.

Wenn es tatsächlich nur das gewesen sein sollte, sind die nächsten Skandale vorprogrammiert. Kein führender Manager kann nämlich wegen einer solchen Lappalie gekündigt werden. Der Fall erinnert verdächtig an den Vorstandsvorsitzenden des Nestlé Konzerns, dem aus einer romantischen Beziehung zu einer Untergebenen der Strick gedreht wurde. Die wahre Ursache war der rasante Fall der Aktienkurse.

Vielleicht wird auch das Volk der Tiroler, dem ja eigentlich die TIWAG gehört, irgendwann die Gnade haben, die Hintergründe der Intrige zu erfahren, die zum Sturz des Herrn Gasser geführt haben. Auch hier drängt sich wieder eine Assoziation auf, jene zur GemNova nämlich, die unter Theaterdonner in einen Konkurs geschickt wurde, der absolut nicht notwendig gewesen wäre, wenn man auf diese Weise nicht dem Agrargemeinschaftsgegner Ernst Schöpf eins hätte auswischen können.

Vor dem Hintergrund des derzeitigen Wissensstandes kann jedenfalls in Sachen TIWAG-Palastintrigen prophezeit werden: Herr Gasser wird sämtliche Gerichtsverfahren gewinnen und der TIWAG wird das eine Million Gehaltsnachzahlung kosten, womit ganz offensichtlich gerechnet wird. Denn die plötzliche Reduktion von drei auf zwei Vorstandsposten spart genau jene Summe ein, die im Fall eines verlorenen Arbeitsgerichtsprozesses bezahlt werden muss.

Unbeantwortet bleibt dabei für den strompreisgeschädigten Landsmann (Personen weiblichen Geschlechts inbegriffen) die Frage, warum es plötzlich statt mit drei mit zwei Vorständen geht und unter welchen Unterforderungssymptomen die drei bisher gelitten haben, wenn sie es jetzt plötzlich zu zweit schaffen.

Womit wir beim Kern des Skandals angelangt wären: Wie ist es möglich, dass die Vorstände eines Unternehmens, das sich im Besitz der öffentlichen Hand befindet, das als de facto Monopolist keine Konkurrenz zu fürchten hat und dessen Kundenstock schon allein aufgrund der demographischen Entwicklung ununterbrochen wächst, jeweils ca. 420.000 Euro im Jahr verdienen, wohingegen der österreichische Bundeskanzler es lediglich auf 286.000 Euro und der Landeshauptmann von Tirol es auf 212.000 Euro im Jahr bringen? Wobei sich zusätzlich die Frage stellt, weshalb ausgerechnet die TIWAG von jenen Regelungen ausgenommen ist, die bei allen Unternehmen, die dem Land gehören oder an denen das Land beteiligt ist, klare Gehaltsobergrenzen vorschreiben, aufgrund derer niemand mehr verdienen darf als die höchsten politischen Repräsentanten.

Könnte dieser geradezu obszön großzügige Griff in des Stromkonsumenten Geldtasche gar daraus resultieren, dass es Aufgabe der Vorstände ist, mit der TIWAG, statt im Dienste der Bevölkerung für niedrige Energiepreise zu sorgen, möglichst hohe Gewinne zu erwirtschaften, um mit hohen Ausschüttungen an das Land, also genau genommen mit über den Strompreis zusätzlich dem Bürger abgepressten Steuern die Unfähigkeit der ÖVP-Seilschaften zu kaschieren, in ihren Selbstbedienungsläden mit dem regulären Budget das Auslangen zu finden?

Ja könnte es sogar sein, dass die bald über ein Jahrzehnt währenden Genehmigungsverfahren für neue Kraftwerke geradezu erwünscht sind, weil sie einerseits den privilegierten TIWAG-Führungsetagen inklusive der drei Vorstände, von denen es jetzt auch zwei tun, über Jahre hinweg hochbezahlte Unterbeschäftigung garantieren und die für einen Kraftwerksbau nötigen Investitionssummen, zumindest kurzfristig, für politisch attraktivere Anbiederungen an die potentielle Wählerschaft freischalten?

Wie auch immer die Antworten darauf lauten: Fakt ist, dass das Image der TIWAG seit jenen unsäglichen Cross Border Leasing Geschäften, von denen man bis heute nicht genau weiß, ob sie restlos und ohne Verlust rückabgewickelt werden konnten, grottenschlecht ist.

Fakt ist, dass aus Gründen dieses katastrophalen Images sämtliche Projekte, welche die TIWAG zurecht und sinnvollerweise im Dienste der Energiewende vorantreiben möchte, in der Bevölkerung äußerst argwöhnisch beurteilt werden und im Zweifelsfall NGOs, deren Unterstützer teilweise nicht einmal wissen, wo ein zu verhinderndes Projekt situiert ist, mehr Vertrauen entgegen gebracht wird, was mit zu einer aberwitzigen Verschleppung einer sinnvollen Energiepolitik führt.

Fakt ist damit auch, dass es der TIWAG niemals gelungen ist, zwischen Unternehmen und Bevölkerung ein Wir-Gefühl herzustellen, aus dem heraus sich eine kollektive Aufbruchsstimmung hin zur innovativen Bewältigung der Energiekrise hätte entwickeln können.

Stattdessen betrachtet das Unternehmen seine einheimische Kundschaft, die, wie schon angedeutet, mittelbar zugleich Eigentümerin ist, bis heute als von ihren Lieferungen abhängige Knetmasse, die erst unter Zuhilfenahme der AK und ihres mutigen Präsidenten vor Gericht ziehen musste, um nicht unzulässigen Preiserhöhungen mit unzulässigen Begründungen und mangelnder Transparenz ausgesetzt zu sein. Dies alles wurde inklusive einer Rückzahlungspflicht für überhöhte Preise vom Gericht bestätigt.

Warum zieht angesichts all dieser Frechheiten, Unfähigkeiten und Unverschämtheiten nicht unser Landeselektromeister, der, wie der Name schon sagt, zumindest etwas von Elektrizität verstehen müsste, nicht längst die Reißleine? Warum werden in die höchsten Etagen des Unternehmens immer nur Fachexperten berufen, von denen es im Unternehmen selbst genügend gibt?

Das Problem der TIWAG ist nämlich nicht die Fähigkeit, Kraftwerke zu bauen. Das Problem ist die Kommunikation, die positive besetzte Marke und das Vertrauen der Bevölkerung, das auch im konkreten Fall wieder einmal schweren Schaden erlitten hat. Solche Katastrophen können weder durch Werbeagenturen noch durch aufwändige Sponsoring- und Inseratenkampagnen wieder gutgemacht werden. Damit werden die Probleme bestenfalls unter der Decke gehalten, aber nicht gelöst.


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Alois Schöpf

Alois Schöpf, Autor, Journalist, Veranstalter, geb. 1950, lebt bei Innsbruck, schreibt seit 41 Jahren in Zeitungen und Zeitschriften, zuletzt seit 34 Jahren in der Tiroler Tageszeitung, pointierte und viel gelesene Kolumnen. Er ist einer der dienstältesten Kolumnisten Österreichs. Nach seiner Tätigkeit als ORF-Fernsehredakteur für Fernsehspiel und Unterhaltung verfasste Schöpf Romane, Erzählungen, Märchenbücher und in den letzten Jahren vor allem Essays zu relevanten gesellschaftlichen Themen. Daneben schrieb er Theaterstücke und vier Opernlibretti. Schöpf war auch als Blasmusikdirigent tätig und ist Gründer der Innsbrucker Promenadenkonzerte, die er 25 Jahre lang bis 2019 leitete. Zuletzt gründete er 2020 das Online-Magazin schoepfblog, an dem 40 renommierte Autorinnen und Autoren mitarbeiten.

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

  1. Helmut Schiestl

    Meines Wissens ist die TIWAG ein Unternehmen und ihre Gewinne sollten daher dazu investiert werden, ihren Kunden billigen Strom zu liefern und für eine sichere Energieversorgung eingesetzt zu werden. Ich halte daher diese Politik eines Georg Dornauer für billigen Populismus. Mal ganz abgesehen davon, dass ein Kind mit einem Jahr am besten bei seinen Eltern aufgehoben ist und höchstens in Ausnahmefällen in Fremdbetreuung gegeben werden sollte. Wobei noch zu fragen wäre, ob dem Land überhaupt das Personal für das hochsensible Kleinkindalter zur Verfügung steht.. Immer wieder liest man in den Medien, dass es daran mangelt und Kindertagesstätten viel zu viele Kinder haben.
    Eine solche Politik der SPÖ verstehe ich nicht, die nicht das Wohl des Kindes im Mittelpunkt hat und dieses nicht auf dem Altar der Wirtschaft und eines seelenlosen Karriere-Feminismus opfert. Hier großzügig ein Recht einzuräumen und zu versprechen, ohne dabei Sorge zu tragen, dass einem Kleinkind erst mal elterliche Liebe gegeben wird, spricht jeder Politik, die die seelische Gesundheit seiner Kinder und Jugend im Mittelpunkt haben sollte, Hohn.

  2. Günther Hye

    Als Landeshauptmann Platter im Jahr 2012 die TIWAG – damals ohne Übergewinne! – um eine Sonderdividende ersuchte, um die landeseigene HYPO Bank mit einer Finanzspritze von 230 Mio Euro vor der selbstverschuldeten Pleite zu retten, war das für die ÖVP ganz in Ordnung.
    Aber wenn heute ein Teil der TIWAG-Übergewinne von 280 Mio Euro im Interesse der Bevölkerung zur Abfederung der Teuerung und zur Entlastung der Gemeinden sowie für die Kinderbetreuung verwendet werden soll, wird das von der ÖVP glatt abgelehnt.
    Und auch die so „soziale“ SPÖ hat Skrupel. Dabei hat Dornauer im Gegensatz zu seinen früheren Eskapaden nichts falsch gemacht. Seine Vorschläge sind richtig und gehören umgesetzt, zumal die TIWAG-Krisengewinne weniger Unternehmenserfolge waren, sondern auf die hohen Energiepreise zurückzuführen sind, die die Kunden zahlen mussten.
    Eine SPÖ, die das nicht erkennt und in Demut vor der ÖVP erstarrt, muss sich über ihre schlechten Umfragewerte von 11 Prozent! nicht wundern!

    1. Reinhard Kocznar

      …die landeseigene HYPO Bank…vor der selbstverschuldeten Pleite zu retten…

      Schöner kann man das nicht untertreiben. Wer das so schafft, empfiehlt sich als Spindoktor. Stellenangebote dürften reichlich folgen.

      Die Sache damals hatte doch eine klar erkennbare Ursache, aber da schauen wir lieber weg. Hat damals auch geklappt.

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