Alois Schöpf, geb. 1950:
Nur die Liebe zählt.
Der Vatertag:
Wer ihn begeht und wie
die Medien uns am Vatertag belehren.
Notizen
Letzten Sonntag war Vatertag. Ich habe eine Umfrage unter meinen Freunden gestartet, was sie so alles zu diesem hohen Anlass von ihren Kindern geschenkt bekamen. Die Allermeisten nichts, ein paar ein Bussi auf die Wange, andere einen männlichen Händedruck, einer ein Foto aus früheren Zeiten, nur einer bekam etwas Kosmetisches, das aber nicht von der Tochter stammte, sondern von der Gattin und der Schwiegermutter. Bezeichnenderweise ist der Betreffende eine halbe Generation jünger als die übrigen Befragten.
Die Generationen der Nachkriegs-Geborenen jedenfalls können den Vatertag als etwas einstufen, das gegenüber dem Muttertag, der als wirtschaftlicher Umsatzturbo gilt, vernachlässigbar ist. Diese Beobachtung gilt allerdings nur dann, wenn man, wie gesagt, die Generationen der wirklich Alten im Blick behält. Die Gesamtstatistik besagt nämlich Anderes.
So betragen in Österreich die durchschnittlichen Ausgaben für den Muttertag pro schenkender Person zwischen 67 und 79 Euro, was sich auf eine Gesamtsumme von 250 Millionen Euro jährlich beläuft. Zu den beliebtesten Geschenken zählen Blumen, Pflanzen, Süßwaren, Parfümerieartikel, Schmuck, Gutscheine und gemeinsame Erlebnisse.
Für den Vatertag wiederum wird etwa für das Jahr 2025 ein österreichweites Umsatzvolumen von rund 180 Millionen Euro angenommen. Und dies bei steigender Tendenz für 2026. Die durchschnittlichen Ausgaben liegen dabei bei 73 Euro pro schenkender Person. Beliebte Präsente sind Pralinen, Gutscheine, Restaurant- und Lokalbesuche, gemeinsame Ausflüge und Erlebnisse, Getränke und Genussmittel.
So sehr die Anerkennung des Muttertags also in allen Generationen hoch ist, so ergeben sich beim Vatertag statistisch interessante Ungleichgewichte, aus denen sich auch die Differenz von einem Drittel weniger Umsatz ableiten lässt. Zugleich jedoch fallen diese Umsätze in Anbetracht der gegenteiligen Beobachtung unter den älteren Väter-Generationen, die in der Regel, wenn überhaupt, mit einem Bussi oder Händedruck vorlieb nehmen müssen, je nach Generation unvermutet hoch aus.
Ursache dafür dürfte der Umstand sein, dass zum Vatertag etwa junge Erwachsene der Gen Z (18–29 Jahre) zu etwa 85% zum Vatertag etwas schenken, gefolgt von den Millennials (30–44 Jahre) mit rund 67%. Am seltensten schenken Personen der Gen X (45–60 Jahre): etwa 52%, woraus folgt, dass es nicht verwunderlich ist, wenn 65- bis 85-jährige Väter oftmals leer ausgehen.
Interessant ist in diesem Zusammenhang natürlich auch die Frage, ob sich das Verhalten am Vatertag in ländlichen bzw. städtischen Gebieten unterscheidet. Auch hier vermittelt die Statistik Interessantes: so sind jene Bundesländer, in denen am Vatertag am meisten verschenkt wird, einerseits Wien als hoch urbanisierte Millionenstadt, andererseits Tirol und Vorarlberg als noch stark agrarisch und rural geprägte Gesellschaften. Der Unterschied zwischen urban und ländlich ergibt also kein klares Ergebnis.
Eine weitere Vermutung, weshalb jüngere Generationen den Vatertag intensiver feiern als ältere, könnte sich auch daraus ergeben, dass sie intensiv in die globalisierte, vor allem von der angelsächsischen Welt beeinflusste Kommunikation der Social Medias eingebunden sind und von dort die Bedeutung des Vatertags vermittelt bekommen, etwa von den USA, wo der Vatertag im Jahr 1972 durch Richard Nixon als offizieller Feiertag eingeführt wurde.
Alle diese Erklärungsversuche reichen jedoch nicht aus und täuschen nur über eine gerade für die älteren Väter-Generationen bittere Erkenntnis hinweg, dass der wahre Grund für das Ungleichgewicht möglicherweise darin besteht, dass liebende, in der Familie emotional anwesende, eingebundene und sich intensiv um ihre Kinder kümmernde Väter, die naturgemäß aufgrund des gewandelten Rollenbildes des Mannes meist den jüngeren Generationen angehören, von ihren Kindern auch mit entsprechender Gegenliebe belohnt werden.
Wohingegen die älteren Generationen oft als Alleinverdienende und die Existenz ihrer Familie etwa durch einen Hausbau absichernde Gründerväter für die Rolle des familiär Kinderliebenden kaum Zeit, kaum Kraft oder auch keine Lust hatten, was ihnen als den ewig Abwesenden mit der Nichtbeachtung am Vatertag und somit mit der Nichtbeachtung ihrer vor allem ökonomischen Verdienste belohnt wird.
Ob das in Ordnung ist, sei den Überlegungen der Leserinnen und Lesern überlassen.
Ein zweifache und unerträgliche Zumutung leisteten sich jedenfalls viele jener Medien, die immer wieder darüber klagen, dass sie die jüngeren Generationen nicht mehr erreichen, ausgerechnet dadurch, dass sie, statt auch nur einen Hauch von Anerkennung abzusondern, den Vätern am Vatertag die dringende Empfehlung ausrichteten, sich gefälligst mehr um ihre Kinder zu kümmern.
Dass dies die jüngeren Generationen der Väter ohnehin tun, scheint den journalistischen Predigern ebenso entgangen zu sein wie die Tatsache, dass es bei den älteren Väter-Generationen bereits zu spät ist, weil sie keine kleinen Kinder mehr haben, sich jedoch in vielen Fällen hingebungsvoll um ihre Enkel kümmern, im Bewusstsein, etwas nachholen zu wollen.
Die Anerkennung männlicher Leistungen, ob sie sich in realer Fürsorge für die Kinder oder in der Existenzgründung für die Familie und für eine Nachkommenschaft ausdrückt, die sich als wohlhabende und bestens ausgebildete Erbengeneration im Rahmen ihrer Work-Live-Balance die Liebe zu den Kindern leisten kann, überfordert offenbar die Redaktionen unserer klassischen Medien und hier vor allem die aus zeitgeistiger Anbiederung zu intellektuellen Eunuchen herabgesunkenen männlichen Redakteure.
Das ist nicht nur ungerecht, sondern grotesk und peinlich!
Illustration: KI-generiert
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