Alois Schöpf
Familienministerin Plakolm
hat in Venedig geheiratet
und heißt jetzt Bauer.
Notizen

Gegen gewisse Vorurteile hat man keine Chance. Zum Beispiel Leuten gegenüber, die in Venedig, am Gardasee oder in der Toskana heiraten. Und das vielleicht auch noch kirchlich, obwohl sie seit ihrer Taufe keine Kirche mehr von innen gesehen haben.

Was Venedig betrifft, sind die Einwände besonders gravierend. Das hängt zum einen mit einem Büchlein aus dem Kärntner Wieser Verlag zusammen, das schlicht Venedig heißt und in dem in unüberbietbarer Peinlichkeit unsere großen Dichter von Goethe bis Hesse und Hemingway anhand von Originaltexten so tun, als sei die Stadt eigens für sie erbaut worden, damit sie endlich einmal etwas zum Staunen haben.

Mit diesem Missbrauch einer Siedlung zum Zwecke persönlicher Selbsterhöhung haben die Dichter den poetisch weniger Begabten eine Steilvorlage geliefert, derer sich nun auch die aus dem oberösterreichischen Walding stammende Frau Plakolm bedient hat, um sich mit ihrem aus dem ebenfalls oberösterreichischen Neustift im Mühlkreis stammenden Christoph Bauer zu verehelichen.

Interessant bei der Betrachtung des Plakolm’ schen Promi-Events ist dabei die Beobachtung, dass Frau Plakolm in ihrer beachtlichen Laufbahn bereits Jugendstaatssekretärin und Obfrau der Jungen ÖVP war und nun Kanzleramts-, Familien- und Integrationsministerin in der Regierung Stocker ist. Sie ist also trotz ihrer Jugend schon eine prominente Dame, eine Marke sozusagen, die sie denn auch immer wieder werbewirksam etwa durch ihre Mitgliedschaft bei einer Musikkapelle als Posaunistin oder jüngst durch Hochzeitsfotos aus der Lagunenstadt aufzupolieren pflegt. Man wird also noch länger von ihr hören, wie man ja auch lange etwas von einer gewissen Anna Fenninger, die dann zur Anna Veith wurde, gehört hat. Nicht nur, weil sie eine exzellente Skifahrerin war, sondern auch weil sie hinreißend gut ausgeschaut hat, was man ja heute nicht mehr sagen darf. Eine Marke war sie allemal.

Womit wir bei der eigentlichen Fragestellung angelangt wären: Wenn man aus anthropologischer Sicht davon ausgeht, dass der Name eines Menschen nicht nur ein Identifikationsmerkmal ist, das ihn befähigt, am sozialen Leben teilzunehmen, sondern darüber hinaus auch durch die Geschichte, welche eine Person mit ihrem Namen durchläuft, zur Essenz dieser Person gehört, interessiert es mich schon lange, obgleich ich mit dem Feminismus nicht viel am Hut habe, was eigentlich eine junge Frau veranlasst, sich dem patriarchalen Diktat zu unterwerfen, sich durch die Übernahme des Namens des Mannes als dessen alleiniges Eigentum markieren zu lassen.

Ich habe das nie begriffen und begreife bis heute nicht, weshalb über diesen Akt der Unterwerfung und der Selbstauslöschung in der öffentlichen Debatte kaum gesprochen wird. Wie weit die Selbstauslöschung gehen kann, erfährt man übrigens eindrücklich, wenn man sich im fortgeschrittenen Alter auf die Suche nach etwaigen Jugendfreundinnen macht, was ja des Öfteren vorkommen soll und schon zur Vollendung so manch unerfüllter Liebe geführt hat. Sofern die Gesuchte geheiratet hat und man von ihr nur ihren sogenannten Mädchennamen kennt, ist sie für immer verloren. Sozusagen aus dem Markt der Liebe ausgeschieden. Und genau dies ist offenbar die Absicht.

Frau Plakolm bzw. von nun an: Frau Bauer sollte, wenn sie richtigerweise für ein Kopftuchverbot bei Unter-Vierzehnjährigen eintritt, gleichzeitig auch für ein Namensänderungsverbot bei Eheschließungen eintreten. Hier hat nämlich in der säkularen Welt ein archaischer Unsinn überlebt, der uns jeden Rechts enthebt, über obskure religiöse Bräuche wie das Tragen eines Kopftuchs herzuziehen. Ein Unsinn, der davon ausgeht, dass sich die Existenzberechtigung einer Frau in der Fortpflanzung erschöpft. Die Auslöschung ihres Mädchennamens, der Paarungsbereitschaft zu signalisieren hatte, macht somit durch den Akt der Eheschließung offiziell, dass ein Partner gefunden wurde, der im Hinblick auf die Aufzucht des Nachwuchses zur Brutpflege bereit bzw. verpflichtet ist.

Unter der Decke der Liberalität schlummert noch immer durch Missbrauch der Liebe sanktionierter Menschenhandel.

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Alois Schöpf

Alois Schöpf, Autor, Journalist, Veranstalter, geb. 1950, lebt bei Innsbruck, schreibt seit 41 Jahren in Zeitungen und Zeitschriften, zuletzt seit 34 Jahren in der Tiroler Tageszeitung, pointierte und viel gelesene Kolumnen. Er ist einer der dienstältesten Kolumnisten Österreichs. Nach seiner Tätigkeit als ORF-Fernsehredakteur für Fernsehspiel und Unterhaltung verfasste Schöpf Romane, Erzählungen, Märchenbücher und in den letzten Jahren vor allem Essays zu relevanten gesellschaftlichen Themen. Daneben schrieb er Theaterstücke und vier Opernlibretti. Schöpf war auch als Blasmusikdirigent tätig und ist Gründer der Innsbrucker Promenadenkonzerte, die er 25 Jahre lang bis 2019 leitete. Zuletzt gründete er 2020 das Online-Magazin schoepfblog, an dem 40 renommierte Autorinnen und Autoren mitarbeiten.

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