Alois Schöpf
Die Dauerverunglimpfung ist keine Lösung.
Apropos
Wenn man die Nachrichten gewisser Fernsehsender z.B. von Arte mitverfolgt, könnte man meinen, Europa stünde unmittelbar vor dem Absturz ins Rechtsextreme, Rechtsradikale, Illiberale, Autoritäre und damit, summa summarum, ins Faschistische.
Zugleich ist selbst für den gutwilligsten Zeitgenossen nicht zu übersehen, dass nicht nur die Europäische Gemeinschaft in einer Glaubwürdigkeitskrise steckt, sondern auch die meisten ihrer Mitgliedsstaaten mit massiven Problemen kämpfen. So ist zum Beispiel den Österreichern das Geld ausgegangen, was den Staat zu neuen Einnahme-Fantasien beflügelt.
Apropos Geld: Trotz gigantischer Milliardenzahlungen an die Ukraine ist die russische Aggression offenbar erfolgreich und der amerikanische Präsident lässt sich von unseren gewählten Herrschern die Füße küssen, damit wir auch etwas mitreden dürfen. Zugleich überrollt Chinas Wirtschaft die unsere, die sich vor lauter Bürokratie selbst aus dem Rennen genommen hat.
Dafür retten wir die Welt vor der Klimakatastrophe, zumindest auf dem Papier. Und wir lösen die Migrationsproblematik, auch auf dem Papier. In der Realität werden uns manche Straßenzüge immer fremder und gerade in diesem Punkt, der die sogenannte Heimat betrifft, wird die Wut über die mangelnde Lösungskompetenz der Regierenden immer größer.
Und je größer diese Wut ausfällt, nicht nur über die misslungene Migrationspolitik, desto heftiger setzt es Schelte. Siehe Arte: von rechtsradikal über autoritär bis zu Brandmauer.
Unsere Gesellschaften nähern sich einem kritischen Punkt. Bevor sich nur noch zwei Lager gegenüberstehen, die einander hassen, läge es an den Meinungseliten, statt sich moralistisch selbst zu erhöhen die Unzufriedenheit der sogenannten Normaldenkenden auf ihren vernünftigen Kern hin zu untersuchen und diesen dann ernst zu nehmen.
Im Dienste des gesellschaftlichen Friedens.
Erschienen in der Tiroler Tageszeitung am 13.12.2025
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Sehr geehrter Herr Schöpf,
in der neuesten TT-Kolumne bringen Sie Vieles auf den Punkt. Bedenkenswert, diskussionswürdig: Probleme in der EU, in einzelnen Staaten, Migrationspolitik…kurz angerissen. Einen Punkt greife ich heraus: dass die russische Aggression offenbar erfolgreich sei. Militärisch erfolgreich? Politisch? Erfolgreich offensichtlich im Informationsraum.
Zu Weihnachten erreicht die Zählung der Vollinvasion in der Ukraine den Tag 1400. Erfolg? Überschaubare Kilometer Vormarsch für diesen Horroraufwand an Menschen und Material. Eine Weinbergschnecke schafft – so lese ich im Internet – vielleicht 2, bei guten Bedingungen 3m pro Stunde, oder gar 4m?. Umgerechnet auf Tage, auf 1400 Tage, ergibt das so zwischen knapp 70 und 100 oder gar 135 km. Vielleicht ist die russische Armee eine Spur zügiger unterwegs. Ein paar Kilometer mehr. Verwüstung ohne Ende. Welcher Erfolg?
Vor 80 Jahren ist die Rote Armee an der Elbe angekommen. Wohlgemerkt, nach etwa 1400 Tagen. Eine Strecke von der Wolga bis zur Elbe. Und das nicht nur aus eigener Kraft, sondern durch massive Unterstützung von außen, etwa von den USA. „Der Sowjetunion gelang es nicht zuletzt deshalb, die Wehrmacht aus ihrem Land zurückzudrängen und Hitler-Deutschland zu besiegen, weil sie im Zweiten Weltkrieg aus den Vereinigten Staaten 14 795 Flugzeuge, 7056 Panzer, 8218 Flakgeschütze, 131 633 Maschinengewehre, 105 U-Boot-Jäger und 197 Torpedoboote erhielt – gar nicht zu reden von unzähligen Geländewagen, Transportfahrzeugen, Lkws, Funkstationen, Feldtelefonen und vielem mehr.“ (aus: Joachim Gauck, Erschütterungen, S.133).
Sie und ich und wir alle profitieren durch diese massive Unterstützung?
Was ist die Alternative zu „gigantischen Milliardenzahlungen an die Ukraine“?
Sehr geehrter Herr Schöpf,
wieder mal Gratulation und Dank für diesen Bericht! Warum quasi diese „rechtsextremen“ Parteien in Europa Zulauf haben, ist einzig dem Versagen der traditionellen Parteien zuzuschreiben.
Diese sollten nicht weinerlich vor deren Erfolgen warnen, sondern in sich gehen und zugeben, dass sie in allen Punkten( Wirtschaft, Migration, Sozialausgaben ), welche den Durchschnittsbürger zur Verzweiflung bringen, total versagt haben! Der Erfolg dieser „rechten“ Parteien fußt nicht auf deren Kompetenz, sondern einzig und allein auf der eigenen Schwäche und dem eigenen Versagen!
Grüsse aus dem Unterland!
Sehr geehrter Herr Schöpf,
Ich lese jeden Samstag Ihren Leitartikel Apropos in der TT, wobei der am 13.12.2025 einer der Besten in den letzten Monaten war.
An Ihren Artikeln gefällt mir vor allem, dass Sie Mängel aufzeigen und nicht den Obergescheiten spielen, der sagt, wie man es besser machen könnte.
Dennoch: Unser System der Parteiendiktatur (wir sollten zur Kenntnis nehmen, eine Demokratie sind wir nicht) funktionierte nur während der Zeit eines Wiederaufbaues. Schon seit Jahrzehnten gilt: wichtig ist nur die Partei, das Volk ist ein lästiges Übel, das halt auch noch da ist.
Ich habe jahrelang in Australien gelebt, es gibt dort ein Mehrheitswahlrecht und man kennt den Mandatar, den man wählt (der Mandatar gehört zwar einer Partei an, wird aber im Falle seiner Wahl für den Wahlkreis gewählt, d.h. schon Partei, aber eigentlich wird mehr die Person gewählt). Nach der erfolgreichen Wahl hat dieser Mandatar Sprechstunden für die Bevölkerung in seinem Wahlkreis.
Wenn sich ein junger Mensch entschließt in die Politik zu gehen, ist er sicher ambitioniert und will Dinge für die Bevölkerung verbessern. Die einzige Chance sich politisch zu betätigen ist eine Parteimitgliedschaft – dafür muss er aber wirklich viel, in der Partei und in deren Organisationen arbeiten. Der Nachteil ist, dass er eigentlich auf eine Karriere in der Privatwirtschaft verzichten muss, allerdings winken nach vielen Jahren der Parteiarbeit gut dotierte Posten.
Ein Wechsel wie in der Privatwirtschaft von einem Arbeitgeber zu einem anderen ist kaum möglich, die Person ist der einmal ausgewählten Partei auf Gedeih und Verderben ausgeliefert. Eigene Meinung ist durch jahrelange Gehirnwäsche wohl nicht mehr vorhanden und wäre außerhalb der Parteimeinung fatal – würde in einem Ende der politischen Karriere und in einem wirtschaftlichen Abstieg enden.
Das Ergebnis sind politische Mandatare, die keinerlei Verbindung zur Bevölkerung haben und auch leider den Hausverstand verloren haben. Was bleibt, ist der Parteiverstand. Als Vertreter der Bevölkerung sind diese Mandatare ungeeignet.
Es gibt auch die Quereinsteiger, diese werden von Berufspolitikern sehr schnell in Fallen gelockt und von den Medien fertig gemacht. Eine verschwindend kleine Zahl von Politikern, die der Gehirnwäsche standhalten, gibt es auch, nur deren Meinung wird, wie man sieht, unterdrückt.
Es gibt in der Politik dann noch eine nicht so kleine Zahl von richtigen Menschenfeinden, die permanent irgendwelche bevölkerungsfeindlichen Anträge stellen, und mit abstrusen Ideen die Bevölkerung ärgern.
Das Problem ist, dass die politische Mehrheit (das sind jene die sich einer Gehirnwäsche unterziehen mussten) zu faul ist, diesen Menschenfeinden Paroli zu bieten.
Vielleicht stimmen Sie in Teilen meiner Argumentation zu, über dieses Thema könnte man wohl stundenlang diskutieren. Jedenfalls von einer Demokratie sind wir Lichtjahre entfernt.
Beste Grüße
Lieber Alois Schöpf,
der Halbsatz „ist die russische Aggression offenbar erfolgreich“ hält einer faktischen Prüfung nicht Stand. Putin hat seine blindwütige Aggression bereits nach 3 Tagen verloren gehabt, als aufgrund des völligen Versagens seiner Spezialoperation seine Soldaten irrwitzige Kriegsverbrechen begingen, weil sie einsehen mussten, dass sie gescheitert waren, und, um ihrem Zaren zu gefallen, fürderhin 1000 Kameraden pro Kampftag würden im Fleischwolf der rücksichtslosen Kamikazeangriffe opfern müssen! Trotz einer Fleischmühle mit wohl mehr als einer Million toter und verwundeter Russen hat der Autokrat es in fast 4 Jahren nicht geschafft, die durch den Systemwechsel extrem geschwächte, damals fast wehrlose Ukraine zu überrennen und seine wahnwitzigen Kriegsziele zu verwirklichen. DIe Ukraine trotz ihres erfolgreichen und mutigen Abwehrkampfs zum Verlierer zu stempeln, ist weder klug noch richtig! Hätte der Westen von Anfang an bei der Unterstützung der Ukraine geklotzt und nicht gekleckert bzw. die Spezialoperation nicht mit Öl- und Gaseinkäufen finanziert, wäre der Krieg vermutlich schon lange beendet!