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Alois Schöpf
Der ORF überträgt nicht, kassiert aber!
Apropos

Während der laufenden Fußball Europameisterschaft, deren Spiele der österreichischen Nationalmannschaft bisher der Privatsender Servus-TV übertragen hat, werden sich viele Österreicher die Frage stellen, wozu sie die Haushaltsabgabe zahlen, wenn der ORF Ereignisse nicht bringt, die auch bei beschränkter Liebe zum Sport als von nationalem Interesse einzustufen sind?

Höchste Zeit also, erneut an eine medienpolitische Fehlentscheidung zu erinnern, wonach der ORF durch eine Zwangsabgabe alimentiert wird, die Privaten aber nicht, selbst wenn sie ebenfalls Sendeinhalte von allgemeinem Interesse bringen: Wenn also nicht nur Sportübertragungen, sondern auch Dokumentationen, Diskussionen oder Kulturbeiträge jenem hochwertigen Journalismus und jener einwandfreien Unterhaltung entsprechen, wozu der ORF gesetzlich verpflichtet wäre, woran er sich jedoch im Kampf um das niederste mögliche Niveau nur zum Teil hält.

Zum Teil! Das ist der entscheidende Begriff! Warum soll ein Staatsfunk für kommerziellen Ramsch aus öffentlichen Mitteln belohnt werden? 

Und warum sollen Private, wenn sie sich um Niveau bemühen, dafür bestraft werden, indem sie von der im Prinzip durchaus vernünftigen Haushaltsabgabe zwecks seriöser medialer Versorgung der Bevölkerung nichts bekommen? Wenn sie etwa, um ein Beispiel zu nennen, ein Klassik-Konzert aufzeichnen, honorieren und senden, für das der Initiator beim ORF 75.000 Euro hätte hinlegen müssen.

Die Fußball-EM beweist es wieder drastisch: Die ORF-Haushaltsabgabe ist sehr ungerecht und schadet dem Medienstandort Österreich, indem sie eine geschützte Werkstätte privilegiert, dadurch die Konkurrenz an die Wand drückt und es ihr erschwert, neue Arbeitsplätze zu schaffen. 

Sendeinhalte staatstragender Natur gehören überall gefördert, wodurch sich ihre Produktion attraktiver gestalten würde: ein Gewinn auch für uns Konsumenten!

Erschienen in der Tiroler Tageszeitung am 29.06.2024

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Alois Schöpf

Alois Schöpf, Autor und Journalist, lebt bei Innsbruck. Alois Schöpf schreibt seit 37 Jahren in Zeitungen und Zeitschriften, zuletzt seit 28 Jahren in der Tiroler Tageszeitung, pointierte und viel gelesene Kolumnen. Er ist einer der dienstältesten Kolumnisten Österreichs. Zahlreiche Veröffentlichungen, bei Limbus: Vom Sinn des Mittelmaßes (2006), Heimatzauber (2007), Die Sennenpuppe (2008), Platzkonzert (2009), Die Hochzeit (2010), Glücklich durch Gehen (2012), Wenn Dichter nehmen (2014), Kultiviert sterben (2015) und Tirol für Fortgeschrittene (2017). Zuletzt erschien in der Edition Raetia Bozen gemeinsam mit dem Fotografen und Regisseur Erich Hörtnagl "Sehnsucht Meer, Vom Glück in Jesolo", die italienische Übersetzung wurde zeitgleich präsentiert. Und es erschien, wieder bei Limbus, "Der Traum vom Glück, Ausgewählte Alpensagen". Schöpf ist auch Gründer der Innsbrucker Promenadenkonzerte und leitete das erfolgreiche Bläserfestival fünfundzwanzig Jahre lang bis 2019.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Robert Muskat

    Was ich am ORF – als Nicht-Fußballfan kritisiere, ist eigentlich nur die Tatsache, dass man ORF Sport+ geschaffen hat, diesen Sender aber nicht für die großen Übertragungen verwendet, sondern Schrott bringt, der keinen interessiert. Andererseits ist es eine Frechheit, dass die FIS alle Schiereignisse an sich reißen will, um fett abzukassieren, und der ÖSV durch die Finger schaut. Ebenso die Vergabe der Senderechte an Sky und ähnliche Organisationen statt die jeweiligen nationalen Fernsehanstalten damit zu beauftragen. Sport ist leider nur mehr eine Frage fetten Abkassierens und des Füllens der Taschen gewisser geldgieriger Herren.
    Weit hammas gebracht!

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